Die Mobilitätsorganisation VCÖ warnt aus rechtlichen Gründen vor den negativen Auswirkungen einer Helmpflicht für das Fahren mit Elektrofahrrädern.
Elektrofahrräder werden immer beliebter, auch in der Steiermark. Im Vorjahr wurden in Österreich 226.000 Elektrofahrräder verkauft, das waren 57 Prozent aller verkauften Fahrräder. So sehr das Tragen eines Helms zu empfehlen sei, eine Helmpflicht führe zu juristischen und versicherungstechnischen Risiken, warnt man bei VCÖ. Damit würden Unfallopfer automatisch Teilschuld bei Unfällen bekommen, sobald sie keinen Helm tragen, sogar dann, wenn sie von einem Raser oder Alkolenker niedergefahren werden. Neben einer Bewusstseinskampagne für das Helmtragen sei vor allem die Infrastruktur für den Radverkehr rasch und deutlich zu verbessern.
Helm richtig tragen
In vielen Unfallsituationen wird die Verletzungsschwere durch den Unfallgegner bestimmt: Von dessen Geschwindigkeit, von Größe und Gewicht des Kraftfahrzeugs, etwa ob es ein Kleinwagen oder ein Lkw ist. Wie sehr ein Helm vor Verletzungen schützt, hänge auch davon ab, ob er richtig getragen wird, betont man beim VCÖ. Ein falsch getragener Helm gebe vielleicht das trügerische Gefühl gut geschützt zu sein, aber im Fall eines Unfalls sei der Schutz gering.
Rad-Infrastruktur ist wichtig
„Das Wesentliche ist, dass es deutlich wirksamere Maßnahmen für mehr Sicherheit für E-Bike-Fahrende gibt als eine Helmpflicht. Maßnahmen, die zudem keine negativen Folgewirkungen haben“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Die wichtigste Maßnahme ist eine gute Rad-Infrastruktur. Im Vorjahr passierte in der Steiermark und auch österreichweit kein tödlicher E-Bike Unfall auf einem Radweg oder einer anderen Radverkehrsanlage. Alle Unfälle ereigneten sich auf Straßen mit Kfz-Verkehr. Ein wichtiger Faktor ist die Geschwindigkeit. Sieben der neun tödlichen E-Bike-Unfälle auf Freilandstraßen passierten auf Abschnitten, wo Tempolimit 100 für den Kfz-Verkehr erlaubt waren, sieben der elf tödlichen E-Bike-Unfälle im Ortsgebiet auf Straßen mit Tempolimit 50. „Eine Helmpflicht verhindert keine Unfälle, eine gute Radinfrastruktur und niedrigere Tempolimits schon“, so Schwendinger.
Übrigens: Auch die Zunahme der Anzahl der Radfahrer erhöht die Verkehrssicherheit. Mehr Radfahrende gehen mit einer geringeren Unfallhäufigkeit pro Person einher, denn die Sichtbarkeit von Radfahrenden steigt mit deren Anzahl.
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