Vom Nahversorger zum Tourismusmagnet

Adventmärkte gibt es schon sehr lange. Ihre Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück. Eine vorweihnachtliche Zeitreise.

von NEUES LAND

Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass Österreich den ältesten Adventmarkt der Welt hat. Der Wiener Christkindlmarkt hat seine Ursprünge im sogenannten Dezembermarkt, der 1296 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Ebenfalls in Wien gab es aber schon bald Konkurrenz: der Katharinenmarkt ist seit 1382 verbürgt, begann immer am 25. November und dauerte vier Wochen. Wobei die Märkte damals nur bedingt mit den modernen Adventmärkten vergleichbar waren. Sie dienten auch und vor allem der Versorgung der Menschen mit allerlei nützlichen Waren des Alltags, die vor Beginn der kalten Jahreszeit notwendig waren, zum Beispiel warmer Kleidung oder auch haltbar gemachtem Fleisch. Ein Christbaum und der dazugehörige Schmuck waren in dieser Form damals noch nicht bekannt. Was genau verkauft wurde, können wir also nur vermuten. Um diese Zeit wurde es aber Handwerkern erlaubt, kleine Stände zu betreiben. Korbflechter oder Spielzeugmacher konnten hier ihre Produkte anbieten. Sicher wissen wir, dass um 1600 bei solchen Märkten Lebkuchen und Süßwaren der hoffentlich vorweihnachtlich gestimmten Kundschaft zum Kauf angeboten wurden. Als dezidierten Nikolo-, Krippen- und Weihnachtsmarkt wurde der erstmals 1722 auf der Wiener Freyung abgehaltene Markt bezeichnet.

Nikolo als Schenker

Natürlich waren die Adventmärkte auch bei uns im Land schon früh sehr beliebt. Gustav Franz Schreiner beschrieb 1843 in seinem Buch „Grätz. Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemälde der Stadt und ihrer Umgebungen“, im Prinzip ein Stadtführer, einen „ganz eigentümlichen Markt“ am Hauptplatz „jährlich vor dem Erinnerungstage des heil. Nicolaus für Kinderspielzeug, der den Fremden auch durch manchen charakteristischen Zug überrascht“. Der Zeitpunkt vor dem Nikolotag war damals üblich, weil die Geschenke in dieser Zeit vom Nikolaus und nicht vom Christkind gebracht wurden. Deshalb war schon am 6. Dezember Bescherung. Heute sind Adventmärkte extrem beliebte Attraktionen und haben mit ihrer ursprünglichen Funktion, der Versorgung der Bevölkerung vor dem herannahenden Winter, nichts mehr zu tun. Alleine in Graz gibt es laut Graz Tourismus 16 Weihnachtsmärkte, die auch ein relevanter Tourismusfaktor sind. Mehr als zwei Millionen Besucherinnen und Besucher aus aller Welt lassen sich jährlich allein von den Grazer Adventmärkten verzaubern – ganz abgesehen von den unzähligen anderen stimmungsvollen Adventmärkten und vorweihnachtlichen Ausstellungen im Land. Übrigens gab es in früheren Zeiten auch immer wieder Kontroversen über die Advent­märkte, weil der Advent ja eigentlich Fastenzeit ist. Was darf angeboten, ausgeschenkt und konsumiert werden? Aber davon werden wir uns die vorweihnachtliche Stimmung am Adventmarkt nicht verderben lassen.

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