Vom Holzbrettl zum Hightech-Material

Die Menschen fahren seit mindestens 4000 Jahren Ski. Seit damals hat sich viel getan – auch und vor allem beim Material.

von NEUES LAND

Wann genau der erste Mensch irgendwo, vermutlich im nördlichen Europa, auf die Idee gekommen ist, sich Bretter auf die Füße zu binden, um damit besser durch den tiefen Schnee zu kommen, wissen wir natürlich nicht. Schon gar nicht, wer dieser geniale Mensch war. Auf alle Fälle verdanken wir ihm oder ihr eine der schönsten Entwicklungen im Wintersport. Was wir kennen, sind mehr als 4.000 Jahre alte Skifahrer auf Höhlenzeichnungen in Norwegen und entsprechende archäologische Funde, die teilweise noch älter sind. Die Vermutung liegt nahe, dass es hier weniger um Sport, sondern eher um Jagd ging. Wie auch immer, spätestens Anfang des 20. Jahrhunderts eroberte dieser Sport die Welt. Anfangs noch im Prinzip mit den Materialien und der Technik, die auch den Steinzeitjägern zur Verfügung stand: den Holzbrettln. Der erste echte materialtechnische Fortschritt waren Stahlkanten, die etwa in den 1930er-Jahren aufkamen. Diese ermöglichten es, auch harte und sogar vereiste Pisten unter die Brettl zu nehmen. Treiber dieser technischen Entwicklung war vor allem der Tourismus. Die Verbreitung der Eisenbahn und erste Buslinien sowie die sich langsam, aber sicher entwickelnde Individualmotorisierung taten ihr Übriges. Immer mehr Menschen kamen so in die Berge, erlagen der Faszination Ski und eroberten die noch weitgehend unpräparierten Pisten mit ihren bescheidenen skitechnischen Fähigkeiten. Umso wichtiger wurde das Material, zum Beispiel, um sicher stehenbleiben zu können. Hier kamen die Stahlkanten ins Spiel.

Bindung mit Sicherheit

Immer bedeutender in diesem Zusammenhang wurden auch die Bindungen. Einfache Lederriemen um die Brettl boten keinen Halt, den gerade Anfänger dringend brauchten. Es musste also eine bessere Technik her. Starke, fixierende Bindungen gab es bald, diese brachten aber eine neue Gefahr mit sich: schwere Verletzungen, wenn die langen Ski im Sturzfall am Bein blieben. Dieses Problem löste der deutsche Ingenieur Hannes Marker, der in den 1950er-Jahren die Art von Bindung entwickelte, die bei einem Sturz selbsttätig auslöst und nach deren Konstruktionsprinzip auch alle modernen Skibindungen heute noch funktionieren. Auch das Material, aus dem die Skier selbst waren, änderte sich in dieser Zeit grundlegend. Angetrieben durch den Leistungssport, wurde mit allen möglichen Materialien experimentiert. Aluminium, verschiedenste Kunststoffarten, aber auch Verbindungen zwischen den Materialien kamen und kommen zum Einsatz. Übrigens auch immer noch Holz. Nicht nur das Material an sich, auch die Formgebung der Sportgeräte wandelte sich grundsätzlich. Die starke Taillierung, und damit der Carvingski, hielt Einzug in die Skiwelt und erweiterte den Skispaß um eine neue Dimension. Die Entwicklung ist noch lange nicht am Ende und wir können gespannt sein, was noch alles auf uns zukommt.

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