Umfrage: Gemeinschaftspraxen für Tierärzte

Großtierärzte sorgen für die Gesunderhaltung der Nutztiere und tragen mit ihrer Kompetenz zur Verhinderung von Seuchenausbrüchen bei. Aber wie lange funktioniert das noch?

von NEUES LAND

Das Netz der flächendeckenden Versorgung mit Großtierärzten beginnt löchrig zu werden. In einigen Regionen wie zum Beispiel im Bezirk Murau, auf der Pack oder in der Südoststeiermark spitzt sich die Lage immer mehr zu. Landesrätin Simone Schmiedtbauer machte das bei der Landesveterinärreferentenkonferenz im vergangenen Dezember in Graz zum Thema. Sie forderte gewidmete Studienplätze mit regionaler Tätigkeitspflicht für Tierärzte, ein praxisnahes Aufnahmeverfahren an der Vetmeduni sowie finanzielle Anreize für Praxisgründungen im Nutztierbereich. „Ohne attraktive Rahmenbedingungen gefährden wir die Versorgung der Tiere und die gesamte Wertschöpfungskette in der Tierhaltung“, so die Landesrätin.

Eine kürzlich vom Bauernbund-Abgeordneten Andreas Kühberger zusammen mit Georg Strasser und Josef Hechenberger im Parlament eingebrachte Petition verstärkt das Ganze.

Gemeinschaftspraxen könnten ein Lösungsansatz sein. In einigen Regionen wie zum Beispiel Weiz gibt es bereits solche.

In der Steiermark fehlen immer mehr Nutztierärzte. Können Gemeinschaftspraxen diesen Mangel stoppen?

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2 Kommentare

Frieda Scheikl 4. April 2026 - 9:46

Ich habe Tiermedizin in Österreich studiert und mich auf Nutztiere spezialisiert.
Durch private Gründe bin ich aber nach Deutschland gezogen und arbeite dort. Was es für mich attraktiv macht dort zu arbeiten ist, dass die TierärztInnen dort mehr ‚einfache arbeiten‘ an die Landwirte angeben, sich dadurch entlasten und im Grunde dadurch die Versorgung der Tiere steigt. natürlich gibt es immer wieder schwarze Schafe die z.b. Medikamente unsachgemäß anwenden, aber das sind die wenigsten. Es ist einfach unattraktiv nach 6 Jahren Studium den ganzen Tag Besamungen und Impfungen zu machen (welche finanziell auch nicht so teuer berechnet werden können wie sie sollten) die ein geschulter Landwirt ebenso gut könnte (überspitzt formuliert). Wenn dann die echten Notfälle kommen hat man nämlich schon viel zu viele Stunden am Konto und ist übermüdet und ünerfordert. Da steht sich die österreichische Tierärzteschaft noch selber im Weg, da sie ihren Landwirten ungern etwas abgibt, natürlich gibt es dann viel zu viel Arbeit. Ja, die Fahrtstrecken werden so größer, aber durch terminierte Besuche, wo Arbeit gesammelt wird und die Besuche dadurch effizienter werden, lässt sich dem entgegen wirken. Das macht es auch für nachtkommende TierärztInnen interessant, wenn ‚basic arbeiten‘ einen nicht aufhalten, sondern man als Experte für spannende Tätigkeiten zu Rate gezogen wird. Außerdem geht die Zukunft meiner Meinung nach nur mit Gemeinschaftspraxen. Die Zeiten in denen ein Einzelkämpfer 15h am Tag unterwegs ist, sind nicht zukunftsträchtig. diese Einzelkämpfer haben nämlich eine Hausfrau im Hintergrund die alles abgesehen von der Arbeit regeln. da aber der Großteil der Absolventen Frauen sind und meines Wissens nach Männer noch nicht Schlange stehen um Hausmann zu werden, muss die Arbeit in einer Praxis so aufgeteilt werden, dass auch Zeit für private Dinge bleibt.

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Dr. Karl Bauer 8. April 2026 - 9:48

Ist eine interessante Stellungnahme, aber berufs- und standespolitisch nicht realistisch. Mit den Routinetätigkeiten wurde immerhin auch Geld verdient, sie waren der „Krankenschein“ für den Tierarzt/-ärztin: Besamungen, Sterilitäten, Trächtigkeitsuntersuchungen, amtliche Probennahmen und die Fleischbeschau waren auch fachlich sinnerfüllend und sozial wertvoll, wenn man die richtige Einstellung dazu hatte. Und ja, Gemeinschaftspraxen sind eine gute Antwort auf die heutigen Arbeitsbedingungen in landwirtschaftlich intensiven Regionen. Wenn aber die bäuerlichen Strukturen soweit ausgedünnt sind, haben es die überlebenden Betriebe schwer, da auch die notwendige Infrastruktur fehlt: Kein Lagerhaus, keine Molkerei, kein (Rinder-)Tierarzt – dafür höhere Kosten! Für Notfälle braucht der Landwirt/-in aber einen Tierarzt/-ärztin, schon aus Gründen des Tierschutzes. Es wäre evtl. eine neue Aufgabe der Viehzucht-Genossenschaften, die Anfahrtskosten zu übernehmen und bei Notfällen zu unterstützen. Und die Gemeinden müssen zwar gem. Landes-Tierzuchtgesetz Pflichtbeiträge zur Verbilligung der Stierhaltung/Besamungen leisten, die weitaus wichtigeren Notfälle sind dabei ausgeklammert und müssen vom Tierhalter/-in teuer bezahlt bzw. über eine Zusatzversicherung abgedeckt werden. Damit wird aber der Tierschutz nicht geregelt, sondern nur der Wert des Tieres entschädigt. Es gilt, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die sowohl die Situation der Tiere, der Tierärzte/-innen und der Landwirte/-innen berücksichtigt und verbessert!

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