Heuer dreimal knapp an der Frostkatastrophe vorbeigeschrammt

Die schwerwiegenden Folgen des Klimawandels sowie die immer weniger werdenden Pflanzenschutzmittel und Saison-Arbeitskräfte sind die Dauerbrenner bei den steirischen Obst- und Gemüsebauern.

von Karl Brodschneider

Auf Einladung des Verbandes der Agrarjournalisten in Österreich besuchten Redakteure steirische Gemüse- und Obstbaubetriebe. Dabei machten sie sich ein Bild über die Chancen und Probleme in dieser Branche. Drei Themen sind Dauerbrenner. Das sind zum einen die Folgen des Klimawandels. Heuer schrammten viele Obstbaubetriebe mehrmals an der nächsten Frostkatastrophe vorbei. Franz Riegler, Steiermarks größter Kirschenproduzent, erzählt: „Dreimal haben wir fünf Hektar mit Paraffinkerzen beheizt.“ Pro Hektar braucht der Oststeirer 300 bis 400 Stück Kerzen. Deren Brenndauer beträgt etwa sechs Stunden. Eine Kerze kostet um die zwölf Euro. „Es ist wichtig, dass wir genug Kerzen auf Lager haben. Was hilft es, wenn wir zweimal Kerzen anzünden und dann gibt es zum dritten Mal Frost und wir können nichts mehr dagegen machen?“

Auch Gemüsebauer Johannes Oberer aus Markt Hartmannsdorf hatte heuer wieder einige schlaflose Nächte. „Zu den Eisheiligen hatten wir in der Ebene minus 2,5 Grad. Im Tunnel mit doppelter Folie ist das kein Problem, im einfachen Tunnel setzen wir die Heizkanone ein. Aber auf den Freiflächen ist das alles ganz schwierig.“

Das nächste Problem sind die Pflanzenschutzmittel. Obstbau-Obmann Manfred Kohlfürst betont: „Ohne Pflanzenschutz geht es nicht! Wir brauchen die Pflanzenschutzmittel als Werkzeuge, um produzieren zu können.“ Seine große Sorge: „Uns fallen immer mehr Pflanzenschutzmittel weg. Wir müssen verstärkt auf Notfallzulasssungen zurückgreifen.“

Helfer aus Drittstaaten

Häufig klagen die Obst- und Gemüsebetriebe auch über fehlende Arbeitskräfte. Die Helfer aus Rumänien, Polen oder Ungarn fallen immer mehr weg oder sind unzuverlässig. Deswegen sind auf den Betrieben in jüngster Zeit auch schon Saisonarbeitskräfte aus Asien (Vietnam, Nepal, Sri Lanka) zu sehen. So auch bei Familie Oberer: „Wir haben Mitarbeiter aus Nepal und Sri Lanka. Sie sind gewissenhaft, fleißig und fröhlich“, sagt Johannes Oberer. Allerdings: Für Arbeitskräfte aus Drittstaaten gibt es nur ein bestimmtes Kontingent. „Dieses Kontingent wird heuer nicht reichen. Das wird noch eine Riesenherausforderung“, berichtet Kohlfürst.

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