Authentischen Berichten des 16. Jahrhunderts lassen erkennen, dass unsere Vorfahren das Jahr 1540 als das katastrophalste Hitze- und Dürrejahr bestehen mussten. Das Unheil zeichnete sich schon in den Wintermonaten in Südtirol ab: Kein Schnee, kein Frühlingsregen. Ab dem Sommer 1540 breitete sich sengende Hitze über ganz Mitteleuropa aus. Bis zum Oktober fiel in manchen Ländern kein Tropfen Regen, in Bergregionen nur so viel, dass sich der glühend heiße Waldboden einigermaßen erholen konnte, ohne aber genug Quellwasser zu haben.
Einige Wochen nach Ostern sank der Grundwasserspiegel in Deutschland und Österreich merklich ab, sodass viele Hausbrunnen, auf welche beinahe alle Haushalte zu jener Zeit angewiesen waren, fast kein Wasser mehr abgaben. Im Sommer führten Bergflüsse wie die Enns nicht einmal mehr genug Wasser für ihren Fischreichtum. Frühmorgens füllten die Bauern ihre Fässer an und sammelten Fische ein, gegen Abend mussten sie mitunter weit gehen, um in einer schattigen Waldschlucht noch ein wenig Wasser zu finden. Angeblich konnte das Flussbett des Rheins an vielen Stellen trockenen Fußes durchschritten werden. In den Sommermonaten dürfte die Temperatur auf etwa 40 Grad angestiegen sein.
Schwarzhandel mit Trinkwasser
Für ähnliche Verhältnisse sorgte der Sommer des Jahres 1834, das zum trockensten Jahr des 19. Jahrhunderts werden sollte. Wieder Rekordhitze bis zum Herbst, ausgetrocknete Bäche, leere Brunnen. Mühlen klapperten nicht mehr. Die Kindberger Eisenhämmer stellten wegen des niedrigen Wasserstandes der Mürz die Arbeit ein. Grazer Zisternen mussten vom Bürgerkorps bewacht werden, weil sich binnen weniger Wochen ein schwunghafter Schwarzhandel mit Trinkwasser etabliert hatte.
In Kärnten und Steiermark tobten Waldbrände ungeheuren Ausmaßes. Die Wiener Zeitung vom 4. Oktober 1834 berichtet von einem Brand, der in Kärnten schon 16 Tage wütete, mit riesigen Feuersäulen, die niemand löschen konnte, und beißendem Rauch, der die Sonne verfinsterte. Auch in der Steiermark lagen große Wälder in Asche. In den „ärarischen Waldungen“, heute Bundesforste des Bezirkes Bruck-Mürzzuschlag, vernichtete das Feuer viele tausend Tagwerke der Holzknechte mitsamt den Forsthäusern.
Begüterte Bauernhöfe des Hochlandes waren im Vorteil, weil sie zumeist große Vorräte an Tuchleinen hatten. Diese breiteten sie am Abend auf den Wiesen aus, und auf Grund der signifikanten Temperaturunterschiede nahmen sie bis zum Morgen viel Feuchtigkeit auf. Wurden die Tücher ausgewunden, gaben sie so viel Wasser her, wie man zum Kochen brauchte.
Ernteausfälle
Die Ernteausfälle an Getreide, Obst und Heu, verbunden mit Preissteigerungen, trafen empfindlich die Armen, die sich keine Vorräte anlegen konnten. Wegen der zahlreichen Notschlachtungen an Vieh und Schweinen war Fleisch unverkäuflich geworden. In der Steiermark sollte es bis 1840 dauern, bis der Viehstand auf das Niveau des Jahres 1833 angehoben wurde.
Eine Petition der Herrschaft Stainz an die Grazer Behörden berichtet unter anderem, dass Keuschler Klee, mit Kleie vermischt, roh essen müssen, weil sie kein Kochwasser mehr finden. Ein Bauer aus Pichling brach auf einem Botengang infolge Entkräftung auf der heißen Straße zusammen und verstarb. Im August war in vielen Orten Wein billiger als Wasser.
Als um 1900 ein Speicher des Schlosses Harrachegg im Sausal abgetragen werden sollte, boten die Besitzer den umliegenden Bauern an, bei der Arbeit zu helfen und dafür die Ziegel zu bekommen. Daraus wurde nichts, denn der Mörtel war so hart, dass die meisten Ziegel zerbrachen. Aus Erzählungen wussten die Bauern, dass bei diesem Bau aus dem Sommer 1834 der Mörtel mit bestem Sausaler Wein gemauert wurde.
1908 war das „Jahrhundertjahr der Waldbrände“
In den Jahren 1908 und 1911 fürchtete man, wieder ein Jahr wie 1834 erleben zu müssen. Es kam zwar zu langanhaltenden Dürren, doch konnten diese leichter bewältigt werden. Entscheidend waren Flussregulierungen in den Jahrzehnten zuvor, die das Wasser besser zusammenhielten und nicht, wie 1834, in Seitenarmen verdunsten ließen. Allerdings war 1908 das „Jahrhundertjahr der Waldbrände“. Vom 3. Mai bis zum 5. August kam es in der Steiermark zu über 40 Bränden, einige davon durch Selbstentzündung. Zweimal lösten Lokomotiven mit ihrem Funkenflug Grasbrände aus, die rasend schnell Wälder in Brand setzten, wie am 1. Juni bei St. Michael und am 21. Juni auf der Linie Judenburg Farrach.
Die gefährlichsten Brände entwickelten sich in der Gemeinde Hinterwinkel bei Aigen am 4. Juli und im Allerheiligengraben bei Judenburg am 12. Juli, wo zur Eindämmung sogar Soldaten der Judenburger Kaserne an der Seite der Holzknechte kämpfen mussten. Löschwasser gab es keines, die Soldaten fällten Bäume und gruben breite Gräben um die Brandstätte.
Wetterprozessionen
Wenn Menschen hilflos den Naturgewalten ausgeliefert sind, bitten sie andächtig um Hilfe von oben. In den Dürrejahren war es für Bauernfamilien selbstverständlich, an Wetterprozessionen teilzunehmen. Die bekannteste ist wohl die Bittprozession, welche die Murauer Bauern auf die Stolzalpe seit 1632 (!) alljährlich unternehmen. Damals hatte ein furchtbarer Hagelsturm, von den Bauern als „Murauer Weltuntergang“ empfunden, die gesamte Ernte von Ranten bis Murau vernichtet. Das Unheil bewog die Bauern im Umkreis des Glanzwaldes, an jedem Johannistag eine Messe auf der Stolzalpe zu feiern, die sich allmählich zur Stolzalpen-Gipfelmesse entwickelte. Galten die „Wettermessen“ ursprünglich der Hagelabwehr, so wurde in den Dürrejahren für gedeihlichen Regen gebetet.
Von Herbert Blatnik