Rekord-Dürreschäden in der Landwirtschaft

von Karl Brodschneider

Die Dürreschäden in der österreichischen Landwirtschaft belaufen sich auf eine Milliarde Euro. Die Wissenschaft sieht menschengemachten Klimawandel als Treiber der jüngsten Hitzewellen.
 
 
„Ausbleibende Niederschläge und eine Hitzewelle nach der anderen mit einem Temperaturrekord von 41,2 °C in Bad Deutsch-Altenburg (NÖ) kennzeichnen das bisherige Dürrejahr. Die Konsequenz für die Landwirtschaft: Katastrophale Dürreschäden sorgen für massive Ernteeinbußen und Futterknappheit für die Tiere.

So viele Hitzetage wie noch nie

Über alle Bundesländer hinweg verzeichnet man in den vergangenen Wochen und Monaten massive Niederschlagsdefizite. In manchen Regionen fiel seit dem 15. Juni um mehr als 75 Prozent weniger Niederschlag als im zehnjährigen Niederschlagsmittel (2016–2025). Hinzu kommen Hitzetage (Tage mit Temperatur von mehr als 30°C) wie noch nie. Bis zum 10. August waren es schon 42 Hitzetage, gemessen in Wien, Innere Stadt.

In ganz Österreich gibt es massive Dürreschäden.
[© ÖHV]

„Aufgrund dieser Rekordwerte haben wir Dürreschäden wie noch nie“, sagte Kurt Weinberger von der Österreichischen Hagelversicherung in einer Pressekonferenz. Er bezifferte den Gesamtschaden in der Landwirtschaft mit einer Milliarde Euro. Betroffen sind das gesamte Bundesgebiet und sämtliche Kulturen, insbesondere Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja, aber auch regional Getreide.

Hohe Risikovorsorge

Die Risikovorsorge durch die Bäuerinnen und Bauern ist sehr hoch. 80 Prozent der Ackerflächen und 40 Prozent der Grünlandflächen sind gegen das Risiko Dürre versichert. „Die versicherten Betriebe haben somit einen Rechtsanspruch auf eine Entschädigung“, betonte Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung.

Zwei Herren

Professor Andres Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Kurt Weinberger von der Österreichischen Hagelversicherung.
[© ÖHV]

Professor Anders Levermann, Leiter der Abteilung Komplexitätsforschung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, erklärte: „Die physikalischen Grundlagen sind seit Langem bekannt und durch unzählige Studien bestätigt: Der Klimawandel ist menschengemacht. Was dabei häufig unterschätzt wird, ist die Dynamik, die uns noch bevorsteht. Das Klimasystem reagiert nicht linear. Wetterextreme nehmen dramatisch zu, und zudem gibt es kritische Schwellenwerte. Wenn diese überschritten werden, werden Prozesse ausgelöst, die nicht mehr umkehrbar sind.

Noch mehr Hitzewellen

Einige dieser Schwellen sind bereits überschritten. Das bedeutet, dass Hitzewellen, wie wir sie heuer erleben, in Zukunft immer häufiger auftreten. Dennoch heißt es nicht, dass betroffene Systeme, wie das Schmelzen der Gletscher oder das Auftauen der Permafrostböden, sofort kollabieren. Diese Prozesse ziehen sich über Jahrzehnte hin und das bedeutet, dass wir für mehrere Generationen in einer Phase zunehmender Instabilität leben werden, mit mehr Wetterextremen und größeren Schwankungen, als wir es bisher gewohnt sind. Daher müssen wir jetzt handeln und nicht erst, wenn weitere Kipppunkte überschritten sind.“

Und weiter: „Beim Klimaschutz geht es direkt um Lebensmittelversorgungssicherheit, um Wettbewerbsfähigkeit und um geopolitische Unabhängigkeit. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Nichthandelns sind enorm, sie übersteigen die Kosten einer konsequenten Transformation deutlich. Das müssen wir endlich ernst nehmen!“

 

 

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