Ökonomierat Martin Hebenstreit übergibt demnächst sein Amt als Murauer Bauernbund-Bezirksobmann und blickt auf seine langjährige Arbeit in der Öffentlichkeit zurück.
Bei der Bauernbund-Bezirksbauernratstagung am 27. November werden Sie nach zehn Jahren Ihr Amt als Bauernbund-Bezirksobmann zurücklegen. Wer wird Ihr Nachfolger?
Hebenstreit: Das ist mein Stellvertreter Martin Siebenhofer aus Krakau. Er ist Maschinenring-Obmann und Schützenhauptmann in Krakau und wird nach der Kammerwahl auch mein Nachfolger als Kammerobmann von Murau werden.
Bezirkskammer Murau
Wenn Sie einen kurzen Rückblick halten als Bauernbundbezirks- und Kammerobmann, was gibt es da alles?
Es war eine wirklich große Herausforderung, allein wenn ich an die Corona-Pandemie denke. Zum Beispiel haben wir vor fünf Jahren die Bauernbund-Bezirksbauernratstagung online durchführen müssen. Es war auch herausfordernd, was das Weiterbestehen der Bezirkskammer Murau betrifft, denn sie sollte laut Plan der Landwirtschaftskammer mit Judenburg zusammengelegt werden. Dabei haben wir im Bezirk Murau mit zehn Prozent den höchsten bäuerlichen Bevölkerungsanteil im ganzen Land und den geringsten Rückgang an Betrieben. Das ist jetzt alles geklärt. Im kommenden Frühjahr werden die neuen Räumlichkeiten in Murau bezogen.
Damit sind wir schon bei Besonderheiten, die den Bezirk Murau aus agrarischer Sicht auszeichnen. Was gibt es sonst noch?
Der Bezirk Murau ist vielfältig – mit sehr viel Milchwirtschaft und Mutterkuhhaltung und in der Zwischenzeit auch mit dem größten Zuwachs an Hühnerställen in der ganzen Steiermark. Natürlich spielt die Forstwirtschaft bei uns eine ganz große Rolle, denn von 138.000 Hektar sind 80 Prozent bewaldet.
Musikant in Niederwölz
Wenn Sie jetzt den BB-Bezirksobmann und dann nach der Kammerwahl die Funktion des Kammerobmanns zurücklegen, schließt sich für Sie eine jahrzehntelange Tätigkeit in der Öffentlichkeit. Was waren für Sie wichtige Stationen?
Beginnen möchte ich mit meiner Mitarbeit im Musikverein Niederwölz. Ich war 25 Jahre lang Musiker und spielte Flügelhorn. 25 Jahre lang war ich in der Kommunalpolitik, davon 15 Jahre Bürgermeister. Mit der Gemeindezusammenlegung hörte ich auf und wurde dann Bauernbund-Bezirksobmann und Kammerobmann. Auch meine Tätigkeit als Landeskammerrat fand ich stets herausfordernd, aber sehr interessant. Mein Motto war immer: Wenn ich etwas angehe, dann mache ich es mit 100 Prozent.
Was war Ihnen als bäuerlicher Spitzenfunktionär immer ein Anliegen?
Mir war wichtig, dass die Landwirtschaftskammer und der Bauernbund auf Bezirksebene immer gut vernetzt sind mit dem Schulwesen, mit bäuerlichen Institutionen, mit der ARGE Bergbauern, mit den Genossenschaften und mit der Landjugend. Mir ist wichtig, dass wir gemeinsam Projekte umsetzen und nicht jeder für sich sein eigenes Brot bäckt.
Sie leben in einem Bezirk, dem man in Prognosen eine weitere Bevölkerungsabnahme voraussagt. Viele junge Menschen ziehen weg.
Aber immer mehr kommen wieder zurück. Das Home-Office hilft dabei. Außerdem sind bei uns Baugründe und Wohnungen noch leistbar. Ich finde, dass sich die Lage stabilisiert hat. Wir haben ja im Bezirk sehr viel zu bieten, das darf man nicht kleinreden. Davon bin ich überzeugt, denn ich bin und bleibe immer ein glühender Murauer.
Gemeindefusion
Oberwölz-Umgebung, wo Sie 15 Jahre lang Bürgermeister waren, ist 2015 mit drei anderen Gemeinden fusioniert worden. Auch die vier Bauernbund-Ortsgruppen sind zusammengelegt worden. War das eine logische Entscheidung?
Das hat funktioniert, weil Oberwölz immer das Zentrum war und wir auch im pfarrlichen Bereich und bei den Vereinen immer schon gut zusammengearbeitet haben. Die Herausforderungen sind gleich geblieben. Dazu zählt vor allem das Aufrechterhalten der Infrastruktur. Gottseidank konnte der Hochwasserschutz abgeschlossen werden.
Eine letzte Frage. Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?
Ich wünsche ihm alles Gute, viel Freude und Kraft! Es wird immer Herausforderungen geben, denen muss er sich stellen, aber es müssen auch die Rahmenbedingungen einigermaßen passen.
Zur Person
Ökonomierat Martin Hebenstreit (66) wohnt in Pachern 30, 8832 Oberwölz. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und fünf Enkel. Der Betrieb mit 38 Hektar LN, davon 10 ha Silomais und Winter-Triticale, und 30 Hektar Wald beschäftigt sich mit Ochsenmast (90 Stück) und Forstwirtschaft. Ökonomierat Hebenstreit war Bürgermeister von Oberwölz-Umgebung von 2000 bis 2015 und ist Bauernbund-Bezirksobmann, Kammerobmann und Landeskammerrat. martin.hebenstreit@gmx.at
