Der Bauernbund-Haupbezirksobmann von Graz, Ökonomierat Karl Obenaus, wird 2026 bei zwei Wahlen mitarbeiten: bei den Grazer Gemeinderatswahlen und bei der Landwirtschaftskammerwahl.
Die Parteien in Graz haben sich in der jüngsten Zeit mit Personal-Entscheidungen teilweise neu aufgestellt. Hat der Wahlkampf für die Grazer Gemeinderatswahlen, die ja eigentlich erst in einem Jahr stattfinden sollen, schon begonnen?
Wir sind definitiv mitten im Wahlkampf. Das hat mehrere Gründe. Der Hauptgrund ist, dass die Unzufriedenheit der Grazer Bevölkerung mit der jetzigen Regierung enorm steigt.
Wirtschaft in Graz
Wie wirkt sich die links-linke Stadtregierung im politischen Alltag aus?
Die aktuelle, von der KPÖ gemeinsam mit den Grünen geführte Stadtregierung stellt für die Volkspartei eine große Herausforderung dar. Ich sehe eine wachsende Kluft zwischen wirtschaftlichen Interessen und sozialpolitischen Maßnahmen. Und ich finde es sehr problematisch, wenn wirtschaftliche Aktivitäten zunehmend außerhalb von Graz stattfinden. Mit der Entscheidung von Kurt Hohensinner, die Wirtschaft zur Chefsache zu machen, wurde aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt gesetzt.
Inwieweit finden bäuerliche Themen in der Stadtpolitik noch Platz?
Wir haben zum Beispiel den Gemeindebauernausschuss zu einem Landwirtschaftsbeirat aufgewertet. Dem Beirat gehören zusätzlich zu den Landwirten auch Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik an. Als beratendes Organ für den zuständigen Stadtrat geben wir die Richtung für Entscheidungen vor, welche Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung in Graz betreffen.

Ökonomierat Karl Obenaus bewirtschaftet mit seiner Familie in Graz-St. Veit einen Pferdeeinsteller- und Zuchtbetrieb.
Inwieweit kann man sich als Bauernbund in einer so großen Stadt überhaupt bemerkbar machen?
Damit wir bei der Gesamtbevölkerung wahrgenommen werden, haben wir die „Gesamtstädtische Strategie für einen nachhaltigen Lebensmittel- und Landwirtschaftsstandort Graz“ ins Leben gerufen. Sie enthält die für die Bauern wichtigen Schwerpunkte Grünraumsicherungsprogramm und die verschiedenen ökologischen Fördermöglichkeiten. Darin sind vor allem auch der Ausbau der Lebensmittelkompetenz unserer Bevölkerung mit den Schwerpunkten regionale und saisonale Versorgung, Lebensmittelverschwendung bis hin zur Versorgung von Großküchen enthalten.
Größte Bauerngemeinde?
Es heißt, dass Graz die größte Bauerngemeinde in der Steiermark ist. Stimmt das?
Graz hat die meisten Kammerwahlberechtigten in der Steiermark, etwa 4600 Personen. Sehr viele davon besitzen ihren landwirtschaftlichen Grund außerhalb der Stadt, sind aber laut Kammerrechtsreform in Graz wahlberechtigt, sofern ihr Hauptwohnsitz dort liegt. In Graz selbst gibt es noch etwa 120 Bauern, wovon noch zirka 30 bis 40 im Vollerwerb betrieben werden.
Stadt der Bauernmärkte
Wenn Sie die Landwirtschaft in der Stadt Graz mit einigen Sätzen beschreiben, was ist dabei besonders auffallend?
Das sind sicherlich die Bauernmärkte und unsere Direktvermarkter. Wir zählen zu den europäischen Städten mit der höchsten Bauernmarkt-Dichte. Wir haben 14 Bauernmärkte, die über die Stadt betreut werden, und zwei privat-betreute Bauernmärkte. Allerdings müssen wir uns darüber Gedanken machen, wie es weitergeht, weil es immer schwieriger wird, mit genügend Beschickern für eine breite Angebotspalette zu sorgen. Einige hervorragende Ab Hof-Läden ergänzen auch noch dieses Angebot.
Welche Themen werden an Sie als Bauernvertreter immer wieder herangetragen?
Ein ständiges Thema ist der Nutzungskonflikt zwischen Landwirten und Erholungssuchenden und hier vor allem jenes der freilaufenden Hunde und des Hundekots auf den Wiesen und Äckern. Deswegen meine Forderung, dass es Hundewiesen nicht nur in der inneren Stadt, sondern auch draußen in den Randbezirken geben soll!
In vier Monaten finden in der Steiermark die Landwirtschaftskammerwahlen statt. Sie sind Landeskammerrat. Wie schaut diesbezüglich Ihre Zukunft aus?
Ich durfte in den letzten zwei Perioden als Landeskammerrat dienen und konnte mich – nur als Beispiele – bei der Änderung der Gewerbeordnung für Pferdeeinstellbetriebe und des Raumordnungsgesetzes sowie bei der Gründung des Bäuerlichen Versorgungsnetzwerkes Steiermark sehr intensiv einbringen. Es war eine äußerst interessante, aber auch zeitintensive Aufgabe, welche ich sehr gerne gemacht habe, aber nun in jüngere Hände geben möchte. Über meine Nachfolge werden wir in den nächsten Tagen in unseren Gremien entscheiden.
Zur Person
Karl Obenaus (64) wohnt in der St.-Veiter-Straße 134, 8046 Graz. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und zwei Enkelkinder. Er ist Landeskammerrat, Bauernbund-Bezirksobmann von Graz, Aufsichtsvorsitzender beim Bäuerlichen Versorgungsnetzwerk und war früher Landespferdezuchtverband-Obmann. Kontakt: karl.obenaus@gmail.com
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