Obmänner am Wort: Johannes Wieser

von Karl Brodschneider

Der Frohnleitner Imker Johannes Wieser über seine Arbeit als Bauernbund-Bezirksobmann von Graz Umgebung und Landtagsabgeordneter sowie über die heurige Honig-Ernte.

 

NEUES LAND: Wir stehen bei vielen Kulturen mitten in der Erntezeit. Für Sie als Imker ist die Ernte aber schon längst vorbei. Wie lief das heurige Jahr?

Johannes Wieser: Es war heuer ein gutes Waldhonig-Jahr – im Gegensatz zum Vorjahr mit der Melezitose-Tracht, als der Honig sehr fest war. Gerade der Waldhonig ist für uns in der Steiermark das Hauptprodukt. Summa summarum hatten wir heuer eine vernünftige Ernte, auch wenn es regional Probleme gab. In meinem Gebiet, im Grazer Bergland, waren wir sehr zufrieden.

 

Arbeit des Imkers

NL: Was macht der Imker jetzt?

Wieser: Jetzt finden schon die letzten Einwinterungsarbeiten statt. Da das Bienenjahr schon früh startet und von der Blühzeit und nicht von der sonst üblichen Erntezeit geprägt ist, starten wir schon im Juli mit den Arbeiten Richtung Einwintern. Natürlich legen wir nun unser Hauptaugenmerk auf die Vermarktung. Vor allem die Adventzeit ist für die Imker, was die Honigvermarktung und Wachskerzenproduktion betrifft, sehr entscheidend.

 

NL: Wie schaut es bei den Preisen aus?

Wieser: Der Honigpreis stagniert. Wir sind ziemlich unter Druck, weil wir viel Importhonig haben. Ein großes Problem ist der gestreckte Importhonig. Wir sind froh, dass auf EU-Ebene ein Maßnahmenpaket geschnürt worden und die Herkunftskennzeichnung für Honig in Vorbereitung ist und dann nur mehr auf die nationale Umsetzung wartet. Somit haben wir zumindest in diesem Bereich den Fuß in der Tür.

 

Bauernbund-Bezirksobmann

NL: Seit Juni sind Sie als Nachfolger von Simone Schmiedtbauer Bezirksobmann des Bauernbundes im Bezirk Graz-Umgebung. Wo liegen Ihre Schwerpunkte?

Wieser: Eine Besonderheit ist der Kernraum mit Graz. Das bietet große Chancen für uns, hat aber auch genug Konfliktpotential, wenn ich an die Freizeitnutzung, die Ansprüche Richtung Tierwohl und Naturschutzproblematik denke. Da brauchen wir vor allem aus der Sicht des Bezirks einen starken Kontakt mit den Konsumenten und der Öffentlichkeit. Für mich als Bezirksobmann ist daher die Medienarbeit wichtig – ebenso, dass ich viel bei den Menschen in den Gemeinden bin.  

 

NL: Was sind Themen und Probleme, die an Sie herangetragen werden?

Wieser: In meiner Funktion als Umwelt- und Tierschutzsprecher der Volkspartei im Steiermärkischen Landtag habe ich oft mit rechtlichen Vorgaben für unsere Bäuerinnen und Bauern zu tun. Es kommen immer wieder Vorschläge und Ideen von der Opposition daher, wo man noch mehr renaturieren will und oft illusorische Vorstellungen hat, die an der Praxis vorbeigehen. Für mich sind immer der Respekt vor dem Eigentum und dass die Produktion unter vernünftigen Bedingungen möglich ist wichtig.

 

Direktvermarktung

NL: Wenn Sie den Bezirk Graz-Umgebung in zwei, drei Sätzen beschreiben. Was ist Ihnen dabei wichtig zu sagen?

Wieser: Wir sind in der Produktion wohl der vielfältigste Bezirk und der bevölkerungsreichste Bezirk. Gerade die Direktvermarktung spielt durch die Nähe zu Graz eine große Rolle. Daher gibt es bei uns nicht nur in der Landeshauptstadt selbst, sondern auch in den Grazer Umlandgemeinden viele Bauernmärkte und Bauernläden.

 

NL: In vier Monaten finden die Landwirtschaftskammerwahlen statt. Wie weit ist man im Bezirk Graz-Umgebung mit der Listenerstellung?

Wieser: Wir sind schon mitten drinnen. Die diesbezüglichen Beschlüsse sind dann im Bauernbund-Bezirksvorstand zu treffen. Ich bin froh, dass wir im Bezirksvorstand seit der Neuwahl im Juni auch einige neue Gesichter haben. Auf Bezirksebene sind wir mit Manfred Kohlfürst als Kammerobmann sehr gut aufgestellt. Er ist ein echter Tausendsassa ist und hat auch ein gutes Netzwerk Richtung Wien, vor allem was Pflanzenschutzmittel und Fremdarbeitskräfte betrifft. In der Landeskammer haben wir mit Markus Hillebrand einen Profi in allen Fragen der Direktvermarktung und des Gemüseanbaus.

 

Zur Person

Johannes Wieser (41) wohnt in Laufnitzdorf 63, 8130 Frohnleiten. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er ist Erwerbsimker mit 300 Bienenvölkern und in der Öffentlichkeit als Landtagsabgeordneter, BB-Bezirksobmann von Graz-Umgebung, Gemeinderat sowie Kammerobmannstellvertreter tätig.

 

[© NL]

 

 

 

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