Franz Uller, Kammerobmann in der Südoststeiermark, über die wichtigsten Eckpunkte im neuen Zukunftsleitbild für die Landwirtschaft im Vulkanland.
In den vergangenen Monaten haben Sie als Obmann der Bezirkskammer Südoststeiermark mit vielen Bauern und Bäuerinnen aller Altersschichten ein eigenes Zukunftsbild für die Landwirtschaft im Vulkanland erstellt. Warum?
Franz Uller: Den Weg zu einer Neuorientierung der Agrarpolitik sehe ich in einem Wandel in unserem Denken – weg von der Preisdiskussion, hin zur Wertediskussion. Mit unserem Zukunftsbild geben wir die Richtung vor, wohin wir wollen und was wir selbst dafür zu tun haben.
Was sind Ihre Kernaussagen?
Uller: Wir leben und arbeiten im vielfältigsten Agrarbezirk Österreichs und uns kommt in vielen Bereichen eine große Bedeutung zu, denn wir ernähren die Region und inspirieren die Steiermark, wenn ich an unsere Innovationen und Kooperationen im Bezirk denke. Wir sind ein unverzichtbarer Teil der Regionalwirtschaft und hinsichtlich Klimaschutz nicht das Problem, sondern Teil der Lösung. Außerdem sind wir mehr denn je unverzichtbarer Kulturträger im ländlichen Raum, die Gestalter unserer schönen Kulturlandschaft und Bewahrer einer tiefen Glaubenskultur.
Wertschöpfungspotenziale
Was heißt das für die zukünftige Arbeit?
Uller: Wir müssen Wertschöpfungspotenziale erkennen und in der Kommunikation viel stärker werden. Der Schlüssel dafür sind Bildung und Kooperation. Jede bäuerliche Familie sollte sich die Frage stellen, was sie am besten kann und wie sie ihre verschiedenen beruflichen Qualifikationen und Neigungen optimal einsetzen kann. Dabei könnten durchaus auch Dinge eine Rolle spielen, die vielleicht nur wenig mit der Produktion von agrarischen Gütern zu tun haben.
Kooperationen stärken
Das heißt, dass Sie von den Landwirten die ständige Bereitschaft zur Weiterbildung und zu Kooperationen einfordern. Welche Aufgaben kommen dabei der Bauernkammer und dem Schulwesen zu?
Uller: Wir haben ein großartiges Bildungssystem und ein flächendeckendes Angebot mit sehr guten Beratern in allen Bereichen sowie ein gutes Netzwerk von Produzenten, Verarbeitern, Genossenschaften. Wichtig ist, dass wir die Kooperationen stärken und uns die Kommunikationshoheit zurückerobern.
Was meinen Sie damit?
Uller: Wir müssen uns der Herausforderung, wie wir dem medialen Druck, der von außen auf die Landwirtschaft ausgeübt wird, stellen und wie wir uns als Vertreter der Landwirtschaft offensiv in die gesellschaftliche Diskussion einbringen können. Stichwort Tierwohl, Wolf, Biber, Abschwemmungen nach Starkregen. Wie können wir den Menschen, die mit der Landwirtschaft wenig zu tun haben, Verständnis für unsere Positionen wecken? Bezüglich Boden hat das Steirische Vulkanland ein tolles Projekt laufen. Bis jetzt wurden 60 sogenannte Bodenpädagogen ausgebildet. Diese bringen den Kindern im Kindergarten, in den Schulen oder beim Kinder-Ferienspaß die Landwirtschaft, den Boden, Begrünungen, Humus und alles, was damit zusammenhängt, näher.
Als Kammerobmann und Bauernbund-Bezirksobmann haben Sie aktuell sicher auch mit Themen zu tun, die den Bäuerinnen und Bauern unter den Nägeln brennen. Stichwort sinkender Schweinepreis.
Uller: Ich leide mit den Erzeugern angesichts der tiefen aktuellen Schweinepreise mit. Jedoch muss ich auch festhalten, dass weder die Politik noch die Landwirtschaftskammer und schon gar nicht der Bauernbund einen Preis, egal ob hoch oder niedrig, festlegt. Das macht der Markt. Mir ist es wichtig, eine starke Eigenversorgung durch Veredelung abzusichern. Hier sind vor allem praktikable Rahmenbedingungen wie zum Beispiel eine Vereinfachung der Bau- und Raumordnung essentiell. Die Veredelungswirtschaft hat unsere Region geprägt. Durch fleißige und innovative Menschen ist es mit unserer kleinen Struktur möglich, mit Veredelungstiefe eine Landwirtschaft zu betreiben, die Familieneinkommen generiert. Das wird jedoch in Zukunft nicht allein mit einer Preisdiskussion zu erreichen sein. Hier sind auch die Bereitschaft zur Weiterentwicklung der Bäuerinnen und Bauern sowie ein Umdenken der gesamten Gesellschaft wichtig.
Zur Person
Franz Uller (53) wohnt in Raabau 45, 8330 Feldbach. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes. Die Standbeine am Betrieb sind 8500 Masthühner, 16 Hektar Ackerbau und Grünland sowie 17 Hektar Wald. Franz Uller war Bürgermeister von Raabau von 2003 bis 2014, ist Kammerobmann seit 2021 sowie BB-Bezirksobmann seit 2020. Kontakt: franz@uller.at