Der Deutschlandsberger Bauernbund-Bezirksobmann Christian Polz im Interview über die laufende Ernte, die agrarische Vielfalt und die Zukunft der Jugend.
NEUES LAND: Herbstzeit ist Erntezeit. Auch Sie stehen gerade mitten in der Ernte. Wie sieht es heuer aus? Gibt es bereits Prognosen?
Christian Polz: Die ersten Erntemengen bei Silomais, Kürbis und Hirse zeigen, dass wir heuer eine durchschnittliche Ernte einfahren werden. Aufgrund der Trockenheit im Juni waren die ersten Prognosen jedoch noch weit schlechter. Wir haben zum Beispiel den Silomais für die Biogasanlage bereits eingebracht. Die Bestände sind heuer um rund einen Meter kürzer als üblich.
Den Bezirk Deutschlandsberg kann man aus agrarischer Sicht wirklich als besonders vielfältig beschreiben. Worauf sind Sie in ihrem Bezirk besonders stolz?
Polz: Es gibt aus agrarischer Sicht nichts, was es im Bezirk Deutschlandsberg nicht gibt. So sind wir etwa der teichreichste Bezirk Österreichs. Weiters spielen bei uns Forstwirtschaft, Almwirtschaft und Grünland aufgrund der Flächen eine wesentliche Rolle. Auch im Ackerbau sind wir gut aufgestellt, alle namhaften Kulturen werden angebaut. Mais spielt bei uns sicher eine wichtige Rolle, da er ja für die Veredelungswirtschaft unverzichtbar ist. Im Obstbau hat sich die Zahl der Betriebe reduziert und im Weinbau blicken wir eine sehr guten Ernte entgegen.
Größte Herausforderungen
Wo sehen Sie als Bezirkskammerobmann derzeit die größten Herausforderungen? Worüber wird am meisten diskutiert?
Polz: Da hat sich zum Ersten sicherlich der Klimawandel und dessen Folgen herauskristallisiert. Egal ob es um die Dürre oder Starkregen mit Hagel geht – hier erkennt man eine große Betroffenheit bei allen Bäuerinnen und Bauern.
Auch das Thema Erzeugerpreise wird bei fast allen Versammlungen angesprochen. Diese sind in keiner Weise mit der Inflation mitangestiegen und bereiten vielen Betrieben wirtschaftliche Probleme, denn Betriebsmittel sind sehr wohl angestiegen. Grundsätzlich haben wir sehr gesunde Betriebe mit tüchtigen Bäuerinnen und Bauern, die sich durch Innovation diesen Herausforderungen stellen.
Viele Betriebsführer sehen auch die gesetzlichen Auflagen als große Hürde und fordern einen Bürokratieabbau.
Sie werden in ihrer Funktion oft auch mit persönlichen Anliegen von Bäuerinnen und Bauern konfrontiert. Gibt es da immer die passende Antwort oder Lösung?
Polz: Die passende Antwort oder Lösung gibt es nicht. Ich freue mich über jeden Anruf von besorgten Landwirten. Viele Anliegen können wir auch über das tolle Team in der neu errichteten Bezirksbauernkammer Weststeiermark in Lieboch abarbeiten. Es ist sehr wichtig, dass sich die Bäuerinnen und Bauern gehört fühlen.
Der Schutz des Eigentums ist eine Kernaufgabe des Bauernbundes. Wie wichtig ist es in der heutigen Zeit, eine starke Bauernvertretung zu haben?
Polz: Der Schutz des Eigentums ist für mich eine enorm wichtige Aufgabe. Wir als Steirischer Bauernbund sind ja auch die mitgliederstärkste Organisation, die sich für das Eigentum einsetzt. Dieses Thema wird auch in Zukunft ganz oben stehen.
Bezirkskandidaten
Sie werden bei der Landwirtschaftskammerwahl im Jänner auf Bezirksebene die Kandidatenliste des Steirischen Bauernbundes anführen. Steht das neue Team schon?
Polz: Wir befinden uns im Bezirk gerade mitten in der Listenerstellung für die Landwirtschaftskammerwahl im Jänner des nächsten Jahres. Dabei legen wir großen Wert, dass bäuerliche Vertreter aus allen Regionen des Bezirkes auf der Liste stehen. Weiters ist es mir wichtig, dass auch Kandidaten aus allen land- und forstwirtschaftlichen Sparten dabei sind. Sie haben viel spezifisches Wissen, das für die Bauernbundarbeit sehr wichtig ist. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn ich am 18. November im Beisein von Landesrätin Simone Schmiedtbauer im Zuge der Bezirkskonferenz die Liste präsentieren darf.
Stichwort Strukturwandel. Wie schätzen Sie die Zukunft der Land- und Forstwirtschaft im Bezirk Deutschlandsberg ein? Gibt es ausreichend Hofnachfolger?
Polz: Dank unseres landwirtschaftlichen Schulsystems haben wir eine gut ausgebildete und innovative Jugend, welche die Hofnachfolge antreten möchte. Oft sind es auch mehrere Kinder in der Familie, die den Betrieb weiterführen wollen. Grundsätzlich wird jede Hofnachfolge, falls gewünscht, vom Team der Bezirksbauernkammer professionell begleitet.
Zur Person:
- Christian Polz (52)
- Grazer Straße 224, 8523 Frauental
- Verheiratet, drei Töchter
- Absolvent der Fachschule Grottenhof Hardt, Landwirtschaftsmeister
- Betrieb: Ackerbau- und Veredelungsbetrieb mit Ferkelproduktion
- Funktionen: Seit knapp zehn Jahren BB-Bezirks- und Kammerobmann, Obmann vom Steirischen Tiergesundheitsdienst, Vorstand im Schweineerzeugerring Deutschlandsberg, Aufsichtsrat der Styriabrid