Der Steirische Bauernbund fordert bei den GLÖZ 6-Maßnahmen eine grundlegende Vereinfachung und Anpassung der Regelungen noch im heurigen Jahr.
Die derzeitigen zehn verpflichtenden Vorgaben für Landwirte, um Förderungen im Rahmen von Direktzahlungen erhalten zu können (sogenannte „GLÖZ“-Maßnahmen), stellen viele heimische Ackerbaubetriebe in der Steiermark vor massive Herausforderungen. Gerade die verpflichtende Maßnahme GLÖZ 6 (Mindestbodenbedeckung) bringt viele Ackerbaubetriebe in Regionen mit schweren Böden unter Druck, da es zu vermehrten Ertragsausfällen kommt und die strengen Bewirtschaftungsvorgaben aus Brüssel nicht der regionalen landwirtschaftlichen Praxis entsprechen. Der Steirische Bauernbund fordert daher eine grundlegende Vereinfachung und Anpassung der Regelungen noch in diesem Jahr.
Grund der Probleme
Der Grund für die zunehmenden Probleme: Die GLÖZ-Vorgabe verhindert die sogenannte „Herbstfurche“ und macht das Pflügen der Felder zur Nutzung der notwendigen Frostgare nicht mehr möglich. Gerade in Regionen mit schweren Böden und reichlich Niederschlag führt der Verlust der Pfluganwendung zu weniger Sauerstoff im Boden, weniger Feinboden und vermehrten Unkrautdruck, was sich wiederum auf die Erträge und die Kulturartenvielfalt auswirkt. Sonderkulturen wie Kürbis werden dadurch weniger bis gar nicht mehr angebaut. Wissenschaftliche Versuche der Landwirtschaftskammer Steiermark in den Ackerbauregionen des steirischen Vulkanlandes und im Grazer Becken bestätigten die Befürchtungen, dass GLÖZ 6 in der aktuellen Ausgestaltung zu Ertragsverlusten führen kann. Darüber hinaus wurde wissenschaftlich erwiesen, dass unter bestimmten Bedingungen sogar erhöhte Lachgasemissionen festgestellt wurden. Damit wird das eigentliche Ziel der Europäischen Kommission – nämlich Klima- und Bodenschutz zu betreiben – klar verfehlt.
Unermüdlicher Einsatz
Bauernbund-Obfrau und Landesrätin Simone Schmiedtbauer hat bereits im vergangenen Frühjahr bei einer Brüssel-Reise EU-Agrarkommissar Christophe Hansen auf die praktischen Probleme hingewiesen und Nachbesserungen eingefordert. „Wir stehen klar zu Umwelt- und Klimaschutz. Aber die Maßnahmen müssen in der Praxis funktionieren. Die wissenschaftlichen Ergebnisse belegen nun, dass die aktuellen Bewirtschaftungsvorgaben aus Brüssel zu Ertragsverlusten und sogar höheren Emissionen führen. Daher braucht es dringend Korrekturen. Unsere Ackerbäuerinnen und -bauern wissen besser Bescheid, ob auf ihren Feldern ein Grubber-Einsatz möglich ist oder doch der Pflug gebraucht wird. Dazu braucht es keine zentral verordnete Bürokratie aus Brüssel“, betont Obfrau Simone Schmiedtbauer.
Bauernbund fordert
Der Steirische Bauernbund fordert daher Anpassungen, die noch vor dem kommenden Herbst Klarheit über die künftigen Vorgaben schaffen. So soll die verpflichtende Bodenbedeckung künftig nur im Zeitraum von 15. November bis 14. Februar gelten. Diese Verkürzung schafft eine bessere Anpassung an die Vegetationsbedingungen und reduziert unnötige Einschränkungen. Schwere Ackerböden mit einem Tonanteil von mehr als 15 Prozent beziehungsweise einem Schluff-Anteil von mehr als 55 Prozent sollen generell als Ausnahmeflächen anerkannt werden. Diese Flächen müssen – insbesondere bei schwierigen Witterungsbedingungen – auch gepflügt über den Winter gehen dürfen, ohne dass die betroffenen Betriebe Sanktionen befürchten zu müssen.
Zudem sollen Betriebe mit aufrechtem Bio-Kontrollvertrag von den GLÖZ 6-Verpflichtungen ausgenommen werden. Und auch Witterungs- und standortbedingte Unterschiede (u.a. große Niederschläge im Herbst) müssen stärker berücksichtigt und regionale Anpassungen möglich gemacht werden.
„Unsere bäuerlichen Familienbetriebe brauchen Planungssicherheit. Wir werden uns mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die GLÖZ 6-Maßnahmen praxistauglich gestaltet werden und Umweltziele nicht gegen die regionale Lebensmittelproduktion ausgespielt werden“, so Simone Schmiedtbauer abschließend.
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