Mangel an Rindertierärzten ist immer stärker zu spüren

von Karl Brodschneider

Großtierärzte sorgen für die Gesunderhaltung der Nutztiere und tragen mit ihrer Kompetenz zur Verhinderung von Seuchenausbrüchen bei. Aber wie lange funktioniert das noch?

 

Das Netz der flächendeckenden Versorgung mit Großtierärzten beginnt löchrig zu werden. In einigen Regionen wie zum Beispiel im Bezirk Murau, auf der Pack oder in der Südoststeiermark spitzt sich die Lage immer mehr zu. Landesrätin Simone Schmiedtbauer machte das bei der Landesveterinärreferentenkonferenz im vergangenen Dezember in Graz zum Thema. Sie forderte gewidmete Studienplätze mit regionaler Tätigkeitspflicht für Tierärzte, ein praxisnahes Aufnahmeverfahren an der Vetmeduni sowie finanzielle Anreize für Praxisgründungen im Nutztierbereich. „Ohne attraktive Rahmenbedingungen gefährden wir die Versorgung der Tiere und die gesamte Wertschöpfungskette in der Tierhaltung“, so die Landesrätin.

Petition

 

Abg. z. NR Andreas Kühberger brachte zusammen mit Georg Strasser und Josef Hechenberger die Petition ein.

Eine kürzlich vom Bauernbund-Abgeordneten Andreas Kühberger zusammen mit Georg Strasser und Josef Hechenberger im Parlament eingebrachte Petition verstärkt das Ganze. Darin wird davon ausgegangen, dass schon in sechs Jahren österreichweit 85 bis 120 Nutztierärzte fehlen werden. „Wir wollen mit der Petition erreichen, dass ein stärkerer Informations- und Interessensaustausch zwischen allen Beteiligten stattfindet und Wege erarbeitet werden, um dieses Problem zu lösen“, erklärt Kühberger . Eine Forderung der Petition richtet sich direkt an die zuständige SP-Ministerin Korinna Schumann, dass sie unter Einbeziehung der bestehenden Systeme der Tiergesundheitsdienste die Notversorgung von Nutztierbeständen gewährleistet. Was die gezielten Studienplätze für die Nutztierpraxis und weitere damit zusammenhängende Fragen betrifft, werden Schmiedtbauer und Kühberger noch im April ein Gespräch mit Rektor Matthias Gauly von der Veterinärmedizinischen Universität Wien führen.

Viele Pensionierungen

Der Tierärztemangel am Land hat aber auch andere Gründe. Karl Bauer – er war langjähriger Geschäftsführer des Tiergesundheitsdienstes Steiermark – zählt einige auf. In den kommenden Jahren gehen zahlreiche Nutztierärzte in Pension, ohne einen Nachfolger zu haben. Aufgrund des hohen Frauenanteils unter den Berufseinsteigern und der starken Konzentration auf den Kleintierbereich wird sich diese Schieflage verstärken.

Kleine landwirtschaftliche Betriebe hören immer mehr auf, größere werden professioneller und machen sehr viel von der früheren tierärztlichen Arbeit wie zum Beispiel Besamungen selbst. „Der Tierarzt wird immer mehr zum Berufskraftfahrer, wenn er 40 oder 50 Kilometer zu einem Bauernhof fahren muss und die fünf, sechs Visiten auf dem Weg dorthin fehlen“, sagt Bauer. Das schlägt sich dann auch finanziell nieder. Gemeinschaftspraxen könnten ein Lösungsansatz sein. In einigen Regionen wie zum Beispiel Weiz gibt es bereits solche. 

Umfrage

In der Steiermark fehlen immer mehr Nutztierärzte. Können Gemeinschaftspraxen diesen Mangel stoppen?

 

 

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