Wer im Gasthaus ein Schnitzel bestellt, muss damit rechnen, dass das Fleisch sehr oft aus Spanien kommt. Der Gastrogroßhandel setzt bei Schweinefleisch immer mehr auf ausländische Ware. Der Bauernbund fordert eine klare Herkunftskennzeichnung.
Das Ergebnis des jüngsten Store-Checks der Styriabrid im Gastrogroßhandel ist ernüchternd. 61 Prozent des angebotenen Schweinefleisches kommen aus Spanien und anderen Ländern, nur 39 Prozent aus Österreich. Der Anteil von Qualitätsschweinefleisch mit dem AMA-Gütesiegel liegt bei mageren 20 Prozent. Bei LK-Präsident Andreas Steinegger schrillen die Alarmglocken: „Wer sein Schweinsschnitzel in der heimischen Gastronomie bestellt, muss damit rechnen, dass das Fleisch aus dem Ausland kommt.“ Seine Schlussfolgerung daher: „Wir fordern die Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie, im Großhandel und für die verarbeiteten Produkte!“ Und er macht darauf aufmerksam: „Die Tierzahlen sind in Spanien nicht an die landwirtschaftlichen Flächen gebunden. Daher produziert das Land viel billiger und erzeugt fast 200 Prozent des Eigenverbrauchs an Schweinefleisch, ohne auf Umweltstandards Rücksicht zu nehmen.“
Schleichender Austausch
Seit vergangenen Sommer ist Josef Kaiser aus Wildon Obmann der 1000 Mitglieder zählenden Styriabrid. „Wir sind Preisschwankungen gewohnt, aber sehen, dass wir im Großhandel immer mehr durch ausländisches Fleisch ausgetauscht werden“, sagt Kaiser und betont: „Wir stehen zu mehr Tierwohl, aber das geht nur, wenn letzten Endes auch zu unseren Produkten gegriffen wird.“
In die selbe Kerbe schlägt die junge Schweinebäuerin Elisa Neubauer aus St. Peter am Ottersbach: „Unsere hohe Qualität steht in Konkurrenz mit anonymen ausländischen Billigstprodukten. Es ist erschreckend und demotivierend, dass so wenig von unserem hochqualitativen Schweinefleisch in den Regalen des Gastrogroßhandels liegt.“
Herkunftskennzeichnung
Um den Schweinemarkt langfristig zu stabilisieren, ist die Herkunftskennzeichnung ein entscheidender Hebel, bekräftigt Vizepräsidentin Maria Pein. „Heutzutage ist es undenkbar, eine Flasche Wein zu öffnen, ohne Herkunft und Sorte zu kennen. Die Herkunft von Fleisch muss genauso transparent werden wie bei Wein.“ Pein kritisiert auch den geringen Bauernanteil, wenn ein Schweinsschnitzel im Gasthof gegessen wird. Bei einem Schnitzelpreis im Wirtshaus von 18,5 Euro kommen nur 53 Cent in der Landwirtschaft an. Das sind 2,8 Prozent. Im Jahr 2010 lag dieser Wert noch bei 3,8 Prozent.
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Herkunftskenzeichnung nicht nur fordern sondern JETZT umsetzen