Interview mit LK-Präsident Andreas Steinegger

von Karl Brodschneider

Seit einem halben Jahr ist Ökonomierat Andreas Steinegger Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer. Die beiden NL-Redakteure Karl Brodschneider und Karlheinz Lind baten ihn zum Interview.

 

NEUES LAND: Vor einem Monat wurden Sie Ökonomierat, wozu wir an dieser Stelle herzlich gratulieren möchten, und vor 25 Wochen wurden Sie Kammerpräsident. Ganz viel los im Leben von Andreas Steinegger.

Andreas Steinegger: (Lacht.) Das kann man so sagen. Präsident zu werden, kam für mich völlig überraschend. Es für mich eine große Ehre, wie ich gefragt worden bin. Wichtig war mir die Zustimmung der Gremien. Im Bauernbund herrschte Einstimmigkeit zu diesem Vorschlag. Dass ich dann bei der Wahl zum Präsidenten in der Kammervollversammlung nur eine Gegenstimme erhielt, war für mich schon ehrenvoll.  

 

Was ist die Triebfeder, dass man sich diese Arbeit antut?

Das haben mich schon viele Leute gefragt. Meine Frau sagt, du bist halt so. Ich mag sehr gerne Menschen und bin leidenschaftlicher Bauer. Außerdem ist bei mir am Hof mit unserem Sohn die Hofnachfolge klar geregelt. Nun versuche ich durch meine Arbeit als Präsident der Landwirtschaftskammer für die Bäuerinnen und Bauern ein passendes Umfeld zu schaffen.

 

Präsident on Tour 

Bei ihrem Antritt als Präsident gaben Sie das Ziel aus, jede Landwirtschaftssparte, jede Abteilung, jede Bezirkskammer kennenlernen zu wollen. Wie geht es Ihnen dabei?

Es ist nicht schwierig, aber sehr zeitintensiv, da ich bei allen Organisationen auch länger bleiben und reinhören möchte. Ich war fast schon bei allen Sparten vor Ort. Das ist für mich sehr wichtig, da ich dadurch ein Gespür bekomme, wie es ihnen geht. Ich besuchte auch schon alle Bezirksbauernkammern und habe dabei mit fast allen Mitarbeitern gesprochen.

 

Wenn Sie bei bäuerlichen Veranstaltungen und Diskussionen sind: was sind die großen Themen, die unter den Nägeln brennen? 

Das sind vor allem drei Themen. Das erste ist jenes der Arbeitskräfte bei arbeitsintensiven Sparten wie Obst-, Wein- und Gemüsebau sowie Forstwirtschaft. Das nächste Thema sind die Pflanzenschutzmittel. Dies gilt sowohl für den konventionellen als auch für den Bio-Bereich. Ein ganz wesentlicher Punkt ist der Klimawandel. Dieser trifft die ganze Steiermark, aber auf unterschiedlicher Weise. 

 

Und der Bürokratieabbau?

Ein Bürokratieabbau ist in vielen Punkten gescheit und sinnvoll, aber wir dürfen nicht glauben, dass er überall umsetzbar ist. Ein Vorschlag meinerseits wäre, wenn wir die Dokumentationspflicht umkehren würden. Wir schreiben nur auf, wenn etwas nicht so ist, wie es vorgeschrieben ist. Da würden wir uns über 90 Prozent aller Aufzeichnungen sparen.

 

Die neue GAP

Die EU-Kommission hat den Entwurf für die neue GAP nach 2027 präsentiert und dafür sofort heftige Kritik erhalten. Warum?

Die neue GAP sieht einen nationalen Partnerschaftsplan vor, der alle Geldmittel für ein Land bündelt – also von der Migration bis zur Regionalentwicklung. Das Problem dabei ist die Aufteilung der finanziellen Mittel. Hier sehe ich die große Gefahr, dass die Landwirtschaft gewisse Gelder nicht mehr bekommt, die aber dringend notwendig sind. Kritisch sehe ich vor allem, dass die Zweite Säule in Gefahr ist, über die Umweltleistungen im Zuge des ÖPUL abgewickelt werden. Sollte das fallen, hätten wir auch Probleme mit anderen Gesetzesmaterien, die damit zusammenhängen wie Renaturierung, Umwelt- und Wasserschutz.

 

Wie groß ist die Angst?
Angst ist ein schlechter Ratgeber. Wir müssen nun den Vorschlag der Kommission abwarten. Dann muss es eine klare Analyse geben, was das für unsere Bäuerinnen und Bauern heißen würde. Und es wird die große Frage sein, wie der innerösterreichische Verteilmechanismus ausschaut.

 

Es heißt immer, die Agrarpolitik wird vor allem in Brüssel gemacht. Wie wichtig ist es dann, dass die ÖVP den Landwirtschaftsminister auf Bundesebene und Agrarlandesrat auf Landesebene stellt?

Entscheidend ist es, in einer großen Gemeinschaft zu sein, wo man offen und ehrlich über Agrarpolitik sprechen kann. Und das machen wir auch. Der Draht zu unserer Landesrätin Simone Schmiedtbauer ist sehr, sehr eng. Wir tauschen uns täglich aus. Auf Bundesebene sind wir durch die Präsidentenkonferenz sehr gut mit der Politik und mit Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig vernetzt. Ich habe mir außerdem vorgenommen, dass ich mich auch sehr um das Thema EU kümmere und regelmäßig bei Entscheidungsträgern in der EU vorsprechen möchte. Wenn wir ein gemeinsames Ziel haben, dann braucht unser bäuerlicher EU-Abgeordneter Alexander Bernhuber unsere Unterstützung.

 

Lebensmittelpreise

In der Innenpolitik war in den vergangenen Wochen die mögliche Preisdeckelung bei Lebensmitteln ein großes Thema. Ist das nur ein Sommerloch, oder steckt da mehr dahinter?

Ob das Thema bleibt, muss man jene fragen, die es aufgebracht haben. Ich glaube nicht, dass die Landwirtschaft derzeit das Ziel dieses Themas ist. Gefährlich wird es hingegen, wenn der Handel Umsetzungserfordernisse bekommt. Wir geben in Österreich rund elf bis 13 Prozent des Einkommens für Lebensmittel aus. Deshalb stellt sich für mich die Frage, ist es der richtige Weg, hier zu sparen und somit den Bauernstand zu gefährden und gewachsene Strukturen zu zerstören? Auch die Landschaftspflege steht somit in Frage. Eines möchte ich klarstellen: Wir sind nicht die Preistreiber!

 

Landwirtschaftskammerwahl

In knapp einem halben Jahr wird zur Landwirtschaftskammerwahl aufgerufen. Schwingt das schon in Ihrer Arbeit mit?

Ich richte meine Arbeit nicht auf die Zeit vor einer Wahl aus, sondern bin immer für die Anliegen unserer Bäuerinnen und Bauern da. Meine Aufgabe ist es, ihnen zuzuhören, ihre Sichtweisen mitzunehmen und für sie zu sprechen. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Landwirte wissen, wer für sie da ist.

 

 

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