Im Interview: Bischof Wilhelm Krautwaschl

von Karl Brodschneider

Bischof Wilhelm Krautwaschl im Gespräch mit NEUES LAND über den neuen Papst, seinen Weihbischof, die sinkende Katholiken-Zahl und was er den Menschen zum Weihnachtsfest wünscht.

 

NL: Beginnen wir mit einem Rückblick! Am Ostermontag ist Papst Franziskus gestorben. Und schon drei Wochen später hatten wir mit Leo XIV. einen neuen Papst. Hat er bisher Ihre Erwartungen erfüllt?

Krautwaschl: Von seiner Lebensgeschichte her hat er sehr viele Dinge mitbekommen, die ihn für dieses Amt geeignet machen. Dazu kommt seine Sprachfähigkeit. Wenn ein Papst Englisch spricht und damit einen Gutteil der Bevölkerung direkt anreden kann, schafft das eine andere Art von Nähe. Er ist von seiner Art her anders als sein Vorgänger, aber das passt so! Ich glaube schon, dass der Heilige Geist mit den wählenden Kardinälen war.

 

Neuer Weihbischof

Auch wir in der Steiermark haben heuer eine bedeutende Personalentscheidung erlebt. Johannes Freitag ist seit Mai Weihbischof von Graz-Seckau. Wie sehr haben Sie sich diese Bestellung gewünscht?

Krautwaschl: Dass Weihbischof Johannes mir in meinen Aufgaben als Bischof in der territorial größten Diözese Österreichs zur Seite steht, ist gut. Er wird mir bei den Visitationen helfen, denn ein Bischof soll möglichst oft seine Pfarren visitieren. Dadurch dass er ein ganz anderer Typ ist als ich es bin, wird es auch möglich, dass wir mit unterschiedlichen Perspektiven die Situationen wahrnehmen. Das finde ich toll.

 

Immer weniger Katholiken

Werfen wir einen Blick in das Innere der Katholischen Kirche in der Steiermark. Aktuell sind nur mehr 57 Prozent der steirischen Bevölkerung Mitglieder der Katholischen Kirche. Wie sehr macht sie das traurig oder verzweifelt?

Krautwaschl: Natürlich tut es mir um jeden und jede leid, die uns verlassen. Wobei es für mich persönlich nicht ganz nachvollziehbar ist, dass man die christliche Botschaft negiert. Verzweifelt bin ich deswegen nicht. Es geht darum, dass wir begeistert sind. Wir erleben vor unseren Augen einen radikalen Wandel in unserer Gesellschaft. Das hat mit vielen Faktoren zu tun. Es ist nicht nur die Zuwanderung, die wir in vielen Bereichen ja brauchen. Auch die demographische Entwicklung spielt dabei mit hinein.

 

Was Christen ausmacht

Dieser Wandel betrifft ja auch die Kirche selbst, wenn wir an die immer weniger werdenden Priester und den stark zurückgehenden Gottesdienstbesuch denken.

Krautwaschl: Es geht darum, wie wir miteinander unserer Sendung gerechter werden können. Da haben wir noch einiges zu lernen – auch in einer pluraler werdenden Gesellschaft mit verschiedensten Leuten, die zum Teil mit der Wirklichkeit Gottes nicht umgehen können. Wir müssen es aufs Neue lernen, dass wir das, was uns als Christ und Christin ausmacht, auch sagen und dass wir die Auskunftsfähigkeit zum eigenen Glauben erhöhen. 

 

Wir stehen mitten im Advent, in wenigen Tagen ist Hl. Abend. Wie erleben Sie diese Zeit? Leiden Sie unter der täglich spürbaren und sichtbaren Oberflächlichkeit, wie mit dem Weihnachtsfest umgegangen wird?

Krautwaschl: Es wird nicht unbedingt der Kern der christlichen Botschaft angesprochen, aber es ist eine Sehnsucht nach geglücktem Leben und nach dem Geliebt-Werden da. Ich wünsche uns allen, dass wir zu dem vordringen, was tatsächlich zu Weihnachten gefeiert wird.

 

Zur Person

Der gebürtige Gleisdorfer Wilhelm Krautwaschl wurde 1990 zum Priester geweiht. Er war Kaplan in Hartberg und Knittelfeld sowie acht Jahre Pfarrer in Bruck an der Mur und dann Regens im Bischöflichen Seminar und Augustinum. Im Juni 2015 folgte er Egon Kapellari als 58. Bischof der Diözese Graz-Seckau nach. In der Bischofskonferenz ist er Vorsitzender der Katechetischen Kommission und Referatsbischof für Schule, Bildung, das Laienapostolat und Medien.

 

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