Hirtenspiel mit sehr langer Tradition

von NEUES LAND

In Steirisch und Kärntnerisch Laßnitz sind die Volksschauspiele ein wichtiger Teil der hier gelebten Volkskultur. Zu Weihnachten und Neujahr stand ein rund 400 Jahre altes Hirtenspiel am Spielplan der Volksschauspiele in Steirisch Laßnitz. Von Anita Galler.

 

Hirtenspiel ist der landläufige Name für Krippen-, Weihnachts- beziehungsweise Christi-Geburtsspiel und hat seinen Ursprung in der Weihnachtsliturgie des Mittelalters. Wann die Spiele entstanden sind und wer sie verfasst hat, ist nicht bekannt, jedenfalls hat es sich aus dem mittelalterlichen Mysterienspiel entwickelt. Alle Stücke haben lokale Bräuche und mittelalterliche Glaubensinhalte der christlichen Weihnachts- und Osterliturgie zum Inhalt.

Die Spiele haben sich trotz aller Verbote unter Einfluss der verschiedenen Zeitströmungen vor allem in Neben- und Seitentälern erhalten, es gab Spiele in der ganzen Steiermark. Im 11. Jahrhundert entwickelte sich ein „Magierspiel“, in dem statt den Hirten als Magier verkleidete drei Könige das Jesuskind in der Krippe anbeteten. Im 13. Jahrhundert wurden beide Spiele zusammengeführt. Somit war das Weihnachtsspiel geboren und im Laßnitzer Spiel ist der Grundtypus des mittelalterlichen Mysterienspiels nach wie vor erkennbar.

Inhalt des Hirtenspieles

Das Spiel beginnt mit der Verkündigung des Engels an Maria und Josefs Zweifeln. Es folgen die Herbergsuche und die Verkündigung der Geburt Jesu an die Hirten. Hirten und Könige huldigen dem Kind und beschenken es mit ihren Gaben. Maria und Josef fliehen und werden im Ägyptenwald von Räubern überfallen. Nach einer göttlichen Eingebung, „es muss ein heiliges Kind oder der Messias selbst sein“ gewährt Mördermeister Dismas der Heiligen Familie und Schutz und Sicherheit. Herodes erfährt von der Geburt Jesu und befiehlt seinen Soldaten, alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren zu töten. Die Totenklage Rachels steht für die Trauer jener Mütter, die ihre Kinder durch die Hand des Herodes verloren haben. Das Spiel endet mit dem Triumph des Herodes und seiner Soldaten über den Mord der Kinder.

Großes Lied-Reichtum

Die älteste schriftlich erhaltene Fassung des Hirtenspiels dürfte im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts oder früher (ab)geschrieben worden sein. Dafür spricht eine Notiz, die Schneidermeister Ignaz Gartler im Textbuch hinterließ: Das Buch ist zwischen 17. und 18. Dezember 1879 in der Schneiderkeusche Nr. 10 in Kärntnerisch Laßnitz in „Feiersgefahr“ gewesen. Das Besondere am Hirtenspiel ist wie das Schäferspiel, es wird als ländliche „Spiel-Oper“ bezeichnet. Das Hirtenspiel kann auf einen große Liedreichtum zurückgreifen. Die Lieder in diesem Stück werden ganz der Tradition entsprechend mündlich weitergegeben, heute unterstützt durch Tonaufnahmen. Noten für das Hirtenspiel gibt es jedoch keine.

Immaterielles Kulturgut

Ingrid Purgstaller leitet nun die Volksschauspiele in Laßnitz. Diese sind seit 2016 in die Liste des immateriellen Kulturgutes der UNESCO eingetragen. Ingrid Purgstaller ist mit den Volksschauspielen sehr verbunden, spielte in den rund 50 Jahren sämtliche Frauenrollen. Sie habe ein eigenes Gefühl entwickelt für das Hirtenspiel, dieses sei schon etwas Besonderes, so Ingrid Purgstaller.  

Jetzt wird es wieder einige Jahre dauern, bis das Hirtenspiel in Steirisch Laßnitz wiederum gezeigt wird. Trotzdem wird es den Mitwirkenden an den Volksschauspielen in Laßnitz keine Langeweile geben, es gibt mehrere Projekte im Laufe der Jahre. Es gibt weitere vier Stücke am Spielplan der Volksschauspiele in Laßnitz. Ingrid Purgstaller verspricht in 12 Jahren die nächsten Hirtenspiele wieder am Spielplan zu finden. Es gibt einen Drei-Jahres-Rhythmus für die Volksschauspiele in Steirisch Laßnitz.  

 

[© Galler]

 

 

 

 

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