Herausforderungen sind derzeit enorm

von NEUES LAND

Die steirischen Fischproduzenten geraten immer stärker unter Druck. Prädatoren, Klimawandel und gesetzliche Vorgaben erschweren die tägliche Arbeit.

Rechtzeitig zum Fischerschöpfungstag – rechnerisch stammt ab 28. Jänner 2026 jeder konsumierte Fisch ausschließlich aus Exporten – lud Landesrätin Simone Schmiedtbauer zur Pressekonferenz. Gemeinsam mit Eva Keferböck, Obfrau des österreichischen Indoor-Aquakultur-Vereins und Marlies Haas, Geschäftsführerin des Steirischen Teichwirte- und Fischzüchterverbandes wollte Schmiedtbauer auf den geringen Eigenversorgungsgrad bei Fisch aufmerksam machen. „Mein Ziel ist es, die regionale Produktion zu stärken, Wertschöpfung im Land zu halten und Versorgungssicherheit aufzubauen“, so die Landesrätin. Fisch spiele dabei eine größere Rolle als bisher angenommen: „Wir haben in der Steiermark großartige Forellen- und Saiblingszüchter, traditionelle Karpfenbetriebe und innovative Modelle wie die Garnelenproduktion. Fischerei und Aquakultur sind echte Zukunftsfelder für unsere Landwirtschaft.“ Laut einer Studie der Universität für Bodenkultur würden derzeit erst rund zehn Prozent des vorhandenen Potenzials genutzt.

Handlungsbedarf

Auch aus Sicht der Branche ist der Handlungsbedarf klar. Eva Keferböck, Obfrau des österreichischen Indoor-Aquakultur-Vereins und Geschäftsführerin von ‚White Panther – die steirische Gebirgsgarnele‘, betont: „Unser Ziel ist es durch eine Verbesserung der Bedingungen durch innovative, nachhaltige Lösungen die steirische Fischzucht zu stärken, zu fördern und dadurch die Eigenversorgung mit heimischem Fisch auszubauen.“ Zugleich verweist sie auf die wirtschaftliche Realität: „Fischzucht und Aquakultur betreibt man mit diesem hohen Zeitaufwand mit viel Liebe und Leidenschaft, es müssen die Familien jedoch auch wirtschaftlich überleben können, dies ist vielfach nicht mehr der Fall.“

Attraktive Förderungen aus dem EU-Fischereifonds mit Investitionszuschüssen von bis zu 40 Prozent seien bereits verfügbar. „Mit mehr heimischer Produktion könnten wir gezielt EU-Mittel in die Steiermark holen und zusätzliche Investitionen, Arbeitsplätze und Wertschöpfung im ländlichen Raum schaffen“, erklärt Schmiedtbauer. Gleichzeitig ortet sie akuten Handlungsbedarf bei den politischen Rahmenbedingungen, insbesondere beim Umgang mit Prädatoren (Fischotter, Fischreiher) und der Wasserentnahme. „Es kann nicht sein, dass engagierte Betriebe zusperren müssen, weil der Schutz der Fische in der Praxis kaum mehr möglich ist“, warnt sie. Auch die strenge Auslegung der Wasserrahmenrichtlinie verunmögliche vielerorts eine Fischzucht: „Hier müssen wir eine neue Balance finden.“

Bedeutung der Fischerei

Die Bedeutung der Fischerei unterstreicht Marlies Haas, Geschäftsführerin des Steirischen Teichwirte- und Fischzüchterverbandes: „Aus unserer verantwortungsvollen Arbeit entstehen heimische Fische wie Karpfen, Forellen, Welse und Garnelen. Diese Spezies verzeihen nichts und sie sind nur durch hervorragende Wasserqualität und die Aufmerksamkeit von uns Züchtern einer der ehrlichsten und köstlichsten Eiweißlieferanten.“ Bewirtschaftete Teiche würden Wasser speichern, Hochwasser abpuffern, das Mikroklima positiv beeinflussen und hochwertige Lebensmittel liefern.

Schmiedtbauer fordert vor diesem Hintergrund eine gesetzliche Regelung, die festlegt, dass die heimische Lebensmittelproduktion im überwiegenden öffentlichen Interesse steht – analog zu nachhaltiger Energie im Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz. Zudem spricht sie sich für ein schnelleres, praxistaugliches Prädatorenmanagement und gezielte Förderungen für Schutzmaßnahmen wie Überspannungen aus. „Die von uns vorgeschlagene Reform des Prädatorenmanagements muss deutlich an Tempo gewinnen.“

Abschließend bekräftigt Schmiedtbauer ihre Forderung nach einer verpflichtenden Lebensmittelherkunftskennzeichnung insbesondere in der Gastronomie: „Damit würden wir heimischen Fischproduzentinnen und -produzenten konkret helfen.“ Der Fischerschöpfungstag zeige klar: „Wir haben ein großes Defizit – aber auch ein enormes Potenzial. Wenn wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, können wir mehr heimischen Fisch produzieren, unsere Eigenversorgung stärken und neue wirtschaftliche Chancen für den ländlichen Raum eröffnen.“

 

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