Dass Graz künftig mit Fernwärme aus dem Erdinneren versorgt werden könne, wurde bei einer Bauernbund-Veranstaltung erstmals öffentlich kundgemacht. Beim Landesbauernrat vor drei Jahren kündigte der Aufsichtsratsvorsitzende der Energie Steiermark, Karl Rose, ein solches Projekt an. Dieses ist schon sehr konkret. Die Energie Steiermark und OMV präsentierten nun das gemeinsame Unternehmen „Tiefenkraft“. Damit wollen sie die Tiefengeothermie in der Steiermark nutzbar machen und die Wärmewende aktiv vorantreiben.
Die Phase eins ist schon abgeschlossen. Im Frühjahr wurden in 60 Gemeinden im Großraum Graz und in der Oststeiermark seismische Messungen durchgeführt. „Der Großraum Graz liegt nämlich auf einem einmaligen Wärmeschatz“, ließ Berislav Gaso von der OMV wissen. Der nächste Schritt sind nun Erkundungsbohrungen. Dabei baut die OMV auf ihre Geothermie-Erfahrungen mit der Seestadt Aspern in Wien.
Diese Erkundungsbohrungen finden in Petersdorf II in der Marktgemeinde St. Marein bei Graz statt. Die Vorbereitungsarbeiten sollen im September beginnen.
Die Bohrung und anschließende Testphase werden wichtige Erkenntnisse über das geothermische Potenzial (Schüttung, Temperatur, Tiefe) sowie die geologischen Rahmenbedingungen liefern. Grundsätzlich wird bei diesem Projekt das heiße Wasser an die Oberfläche geholt, die Wärme wird entnommen, und das Wasser wird dann wieder in die Tiefe injiziert.
Die beiden Vorstände Werner Ressi und Martin Graf von der Energie Steiermark sprachen vom größten Projekt der Firmengeschichte. Sie nannten ein Investitionsvolumen von 500 Millionen Euro. Die Energie Steiermark übernimmt den Bau und Betrieb der rund 20 Kilometer langen Fernwärme-Transportleitung. „50 Prozent der dafür benötigten Grundstücke sind schon gesichert“, merkte Ressi an.
Die Transportleitung besteht aus zwei unterirdisch verlegten Rohren (Hin- und Rücklauf). Das durchfließende 120 bis 130 Grad heiße Wasser legt in der Sekunde eine Strecke von 2,3 Metern zurück.
Schon 2030 soll die erste Wärmelieferung an 20.000 Grazer Haushalte erfolgen. Bis 2037 rechnen OMV und Energie Steiermark mit einem verfügbaren Potenzial von 670 GWh pro Jahr. Damit könnte die Fernwärmeversorgung von Graz zur Hälfte abgedeckt werden.

