Geschlossenheit ist ein Gebot der Stunde

Seine bisherigen Erfahrungen als LK-Präsident und als Bauernbund-Spitzenkandidat für die Landwirtschaftskammer-Wahl fasst Präsident Andreas Steinegger im großen NL-Interview zusammen.

von Karl Brodschneider

In den letzten Wochen ist so viel geschehen, dass wir mit den globalen Ereignissen beginnen müssen. Das Mercosur-Abkommen ist unterzeichnet. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Steinegger: Der Ausgang dieser Verhandlungen ist für mich alles andere als optimal, weil es in den letzten Jahren nicht gelungen ist, Verhandlungsergebnisse zu schaffen, die unsere Bäuerinnen und Bauern geschützt hätten. Das Ergebnis ist zu akzeptieren, aber wir dürfen deswegen den Kopf nicht in den Sand stecken.

Sie haben auf den Abschluss des EU-Handelsabkommens mit der Staatengruppe Mercosur sofort mit einem 5-Punkte-Schutzprogramm für die heimische Landwirtschaft reagiert. Worum geht es dabei?

Bei der neuen GAP brauchen wir wieder einen Topf für die Landwirtschaft mit der gleichen Geldsumme und unbedingt auch eine Inflationsanpassung. Weiters fordern wird die verpflichtende Herkunftskennzeichnung auch in der Gastronomie und bei verarbeiteten Lebensmitteln in den Supermärkten. Darüber hinaus brauchen wir Schutzklauseln für Importe, die nicht den gleichen Produktionsstandards wie bei uns entsprechen, und Marktmechanismen, die sofort greifen, bevor Marktverwerfungen einen Schaden anrichten. Und der fünfte Punkt sind vor allem leistbare Düngemittel.


Bei der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik brauchen wir unbedingt auch eine Inflations­anpassung. Andreas Steinegger

Sie haben vorhin die GAP angesprochen. Ist Österreich bei diesen Verhandlungen rund um die neue GAP bloß ein Nebendarsteller oder kann man das Ergebnis mitbeeinflussen?

Ich glaube schon, dass wir es mitbeeinflussen können. Wir sind ja nicht nur mit den österreichischen Abgeordneten, sondern auch mit EU-Abgeordneten aus anderen Ländern im regen Austausch. Wichtig ist mir dabei besonders, dass wir in Österreich mit unserem ÖPUL und mit unseren Naturschutzmaßnahmen bereits auf einem sehr guten Pfad sind. Das müssen wir uns unbedingt erhalten. Auch eine Stärkung unserer Almwirtschaft ist mir ein großes Anliegen.

Für Andreas Steinegger ist das Miteinander-Reden ganz wichtig.

Für Andreas Steinegger ist das Miteinander-Reden ganz wichtig.
[© Michaela Lorber]

Inwieweit lassen sich die Folgen dieser weltweiten Ereignisse – dazu zählen auch die US-Politik von Donald Trump und der Ukraine-Krieg – den Bäuerinnen und Bauern überhaupt erklären?

Es ist in der Politik immer schwierig, und vor einer Wahl noch mehr. Grundsätzlich ist es aber so, dass wir zum Beispiel bei den China-Zöllen mit ihren Auswirkungen auf die heimischen Bäuerinnen und Bauern machtlos sind. Insgesamt müssen wir uns darauf einstellen, dass die Märkte – so wie beim Schweinezyklus – zukünftig volatiler werden. Es wird kaum mehr Branchen geben, in denen wir jahrelang durchgehend eine stabile Marktsituation haben werden. Doch eines ist klar: die Weltbevölkerung steigt und damit auch der Bedarf an tierischen Lebensmittel.

Angesichts solcher Verwerfungen müsste es logisch sein, dass man in der Land- und Forstwirtschaft, die besonders unter diesen Unsicherheiten leidet, zusammenhält. Wie stark erleben Sie als Präsident noch diesen Zusammenhalt innerhalb der Bauernschaft?

Als Präsident der Landwirtschaftskammer werde ich nicht immer mit ganz guten oder ganz schlechten Themen konfrontiert. Doch wenn man bei Problemen gute Lösungen vorschlägt und kommuniziert, erlebt man schon eine große Solidarität. Genau diese Solidarität ist besonders bei unseren jungen Bäuerinnen und Bauern sowie in unseren bäuerlichen Gemeinschaften und Erzeugerorganisationen ganz stark zu spüren.


Bei allen Themen, die unser Eigentum betreffen, muss mit uns und nicht über uns geredet werden.Andreas Steinegger

Das heißt, dass Sie schon grundsätzlich eine gute Stimmung und einen Glauben an die Zukunft feststellen. Gilt das auch für die jungen Bäuerinnen und Bauern beziehungsweise künftigen Hofübernehmer?

Die Jungen sind sehr schlau und können ihre Herausforderungen sehr klar definieren. Grundsätzlich sind sie unglaublich gut motiviert und positiv eingestellt. Daher kann ich diese Frage mit Ja beantworten. Einen großen Beitrag dazu liefern ja unsere land- und forstwirtschaftlichen Fach- und Ernährungsschulen, die Meisterausbildungen, die Facharbeiterausbildungen und andere mehr. Die Jungen sind schon kritisch, aber das schadet nicht. Man muss in der eigenen Gruppe kritisch reden, aber nach außen hin muss man geschlossen auftreten.

Andreas Steinegger kennt die einzelnen Sparten sehr gut.

Andreas Steinegger kennt die einzelnen Sparten sehr gut.
[© Michaela Lorber]

Was sind für Sie die großen Themen, die Ihnen als Spitzenkandidat des Steirischen Bauernbundes besonders wichtig sind?

Derzeit stehen sicherlich viele Fachthemen im Vordergrund. Aber ein Punkt ist für unsere Gemeinschaft immer ganz wichtig, nämlich das Eigentum. Immer wenn man von Renaturierung, Straßen- und Wegebenützung, Mountainbiking oder Almwirtschaft redet, ist es so, dass die Bäuerinnen und Bauern die Bewirtschafter sind und die Haftung tragen. Da stelle ich die Forderung, dass man bei all diesen Dingen mit uns und nicht über uns redet. Wir als Steirischer Bauernbund sind aber auch jene, die an den Verhandlungstisch gehen, um tragbare Lösungen zu erreichen. Denn für uns Bauern sind unsere Flächen die Produktionsgrundlage, davon müssen wir leben. Deshalb fordern wir die notwendige Wertschätzung ein.

Inwieweit werden Ihre Botschaften auch von der nichtbäuerlichen Bevölkerung verstanden?

Da möchte ich nochmals auf das Thema Eigentum zurückkommen: Eigentum ist für uns einfach nicht verhandelbar. Gleichzeitig macht diese Botschaft darauf aufmerksam, dass man mit uns reden soll, und dann wird es eine Lösung geben.


Mit einer hohen Wahlbeteiligung zeigen wir, dass uns unsere Interessenvertretung interessiert.Andreas Steinegger

Warum sollen Bäuerinnen und Bauern am Sonntag zur Wahl gehen und den Steirischen Bauernbund wählen?

Mit einer hohen Wahlbeteiligung können wir der Politik und der Gesellschaft zeigen, dass uns Bäuerinnen und Bauern unser eigener Beruf und unsere Interessenvertretung interessieren. Der Steirische Bauernbund ist eine unglaublich starke Gruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus den verschiedensten landwirtschaftlichen Sparten und Altersgruppen. Damit spiegelt der Bauernbund die Land- und Forstwirtschaft, wie wir sie in der Steiermark haben, sehr gut wider.

Zur Person

Andreas Steinegger (55)

  • Biomilch- und Forstbetrieb in Niklasdorf
  • Verheiratet, vier Kinder
  • Kammerobmann von Leoben von 2016 bis 2025,
  • Landeskammerrat von 2016 bis 2025,
  • LK-Präsident seit 14. März 2025
  • Bauernbund-Spitzenkandidat für die LK-Wahl am 25. Jänner 2026

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