Österreichs größte Molkerei und die viertgrößte Molkerei, die Berglandmilch und die OM, haben Fusionsbeschlüsse gefasst. Nun ist die Wettbewerbsbehörde am Zug, die den Merger genehmigen muss.
In der Vorwoche wurde in Kobenz über die Eingliederung der Milchsparte der Obersteirischen Molkerei (OM) in die Berglandmilch abgestimmt. Rund 92 Prozent der Stimmberechtigten sprachen sich dafür aus. Von 791 Stimmberechtigten waren 714 für die Fusion. 60 waren dagegen. Für eine Zustimmung war eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Laut Obmann Jakob Karner habe es Ende August einstimmige Zustimmung in Vorstand und Aufsichtsrat für das Projekt gegeben.
Einstimmiger Beschluss
Drei Tage später hat auch die Berglandmilch in ihrer Generalversammlung am die Fusion mit der Milchsparte der Obersteirischen Molkerei, der viertgrößten Molkerei in Österreich, beschlossen. Die Abstimmung der Genossenschafter fiel einstimmig aus. Der Zusammenschluss war der einzige Tagesordnungspunkt der Generalversammlung am Standort Aschbach-Markt. Neben der Abstimmung über die Fusion wurden auch personelle Weichen gestellt: OM-Obmann Jakob Karner wurde zum stellvertretenden Obmann der Berglandmilch gewählt.
Größte Molkerei Österreichs
Die oberösterreichische Berglandmilch ist mit einem Umsatz von zuletzt über 1,3 Milliarden Euro und rund 8000 Milchlieferanten die mit Abstand größte Molkerei in Österreich. Sie gehörte bisher neun Genossenschaften, deren operative Tochter sie ist. Nun kommt die OM-Milchsparte als zehnte Genossenschaft dazu. Das bedeute, Aspekte wie die Milchabholung bei den bäuerlichen Lieferanten blieben gleich, so OM-Obmann Karner. Die Steirer bekommen im Gegenzug rund zehn Prozent Anteile an der Berglandmilch.
Die bisherigen Berglandmilch-Muttergenossenschaften sind die Schärdinger Landmolkerei, die Linzer Molkerei, die Milchunion Alpenvorland, die Molkerei im Mostviertel, die Milchverarbeitung Desserta, die Bäuerliche Milchunion Kärnten, die Landfrisch Molkerei, die Tirol Milch und die Stainzer Milch. Sie alle erhalten mit dem Deal – indirekt über die operative Tochter – Anteile an den Milchstandorten der OM.
Die Frage nach dem Warum
Die große Frage im Vorfeld, die viele OM-Genossenschafter beschäftigt habe, sei jene nach dem Warum gewesen. Als kleine Molkerei werde man es schwer haben am Markt, in einigen Jahren hätte man vielleicht keinen fairen Preis an die Mitglieder zahlen können. Die Berglandmilch sei hingegen ein Vollsortimenter, der auch Haltbarmilch oder Mozzarella herstellen könne, je nach Bedarf. Diese Möglichkeit habe man als OM nicht, so Karner. Allerdings, die neuen Käsereien in Knittelfeld und Spielberg würden keinen Vergleich mit europäischen Mitbewerbern zu scheuen brauchen. Man wolle mit dem Zusammengehen alle möglichen Synergien heben. In der Region Obersteiermark sei man ja als Marke bekannt, darüber hinaus nicht so sehr.
Daten und Zahlen der OM
Die Obersteirische Molkerei, die 2025 mit Milchprodukten rund 162 Millionen Euro umsetzte, wird von rund 1200 größtenteils steirischen Bauern mit Milch beliefert. Gegenstand des angestrebten Mergers ist die Milchsparte mit den Standorten Knittelfeld und Spielberg. Die Molkerei in Kapfenberg – rund 34 Mitarbeiter – ist laut Obmann Jakob Karner nicht Teil der Einbringung in die Berglandmilch, sie würde im Falle des Abschlusses des Projekts an die Berglandmilch vermietet werden. Andere Tochterfirmen wie Landforst Lagerhaus, ÖForst Forsttechnik und Steyr Center Murtal betreibt die OM selbst weiter. Im Jahr 2025 betrug der Konzernumsatz der Obersteirischen Molkerei und ihrer Töchter rund 390 Millionen Euro.