Dürre setzt der Landwirtschaft massiv zu

Hitze, ausbleibender Regen und ausgetrocknete Böden bringen die Landwirtschaft zunehmend unter Druck. Besonders Rinder- und Milchviehbetriebe kämpfen mit knappen Grünfuttererträgen und steigenden Kosten.

von NEUES LAND

Der Sommer 2026 wird für vielen Bäuerinnen und Bauern in der Steiermark zunehmend zur Herausforderung. Bereits über Wochen hinweg bestimmen hohe Temperaturen, zahlreiche Hitzetage und ausbleibende Niederschläge das Wettergeschehen. Regional fehlen bis zu 70 Prozent des üblichen Niederschlags, vielerorts liegen die Regenmengen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.

Dies bestätigt auch der Murauer Bezirkskammerobmann Martin Siebenhofer. Er bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Familie einen Milchviehbetrieb in Krakau und erzählt: „Wir haben bereits seit dem Frühjahr mit sehr geringen Niederschlagsmengen zu kämpfen und das hat sich nicht mehr gebessert. Bei uns sind die Wiesen zwar noch grün, aber das Wachstum ist nahezu bei null.“ Derzeit wird in der Region der zweite Schnitt eingefahren, in Gunstlagen – wie etwa in Niederwölz oder Richtung Neumarkt – werden Flächen teilweise bereits das dritte Mal gemäht. Die Erträge dabei sind ernüchternd. „Der Ausfall beim Grünland reicht je nach Lage zwischen 30 bis 80 Prozent. Jetzt können wir nur mehr hoffen, dass die Maisbestände bei uns diese heißen Tage noch gut überstehen“, so Siebenhofer. Auch im Almbereich ist die Lage dramatisch, da auf vielen Flächen das Wasser für die Tränken fehlt. Teilweise werden Tiere bereits auf die Heimflächen geholt.

Für Kammerobmann Martin Siebenhofer ist es nun das Gebot der Stunde, den betroffenen Betrieben zu helfen: „Wir sind gerade dabei, Grundfutter für die betroffenen Betriebe zu organisieren. Da werden wir alle eng zusammenarbeiten.“

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Weststeiermark. Christian Polz, Bezirkskammerobmann von Deutschlandsberg, dazu: „Auch wir haben im Grünland mit massiven Ertragsausfällen zu kämpfen. Glücklicherweise hat es den Ackerbau bisher nicht so hart getroffen.

Infos für Biobetriebe

Neben der Vermittlung von Biofutter durch die Bio Austria Steiermark unter der Telefonnummer 0676/842214416 (Ernst Heuberger) kann ab sofort auch um Genehmigung von konventionellem Grundfutter bei der Lebensmittelbehörde angesucht werden. Es handelt sich dabei um Einzelanträge der betroffenen Betriebe – die Anträge können formlos per Mail an lebensmittelaufsicht@stmk.gv.at gestellt werden und gelten für Heu, Gras und Grassilage. Auch dabei unterstützt die Bio Austria Steiermark.

Stress für Obst

Auch der Kammerobmann von Graz Umgebung, Manfred Kohlfürst, zeichnet ein düsteres Bild von der derzeitigen Lage: „Auf den leichten Böden südlich von Graz vertrocknet der Mais. Die Bestände stehen aufgrund der enormen Hitze im Allgemeinen sehr unter Stress.“ Ähnlich sieht es im Obstbau aus. „Derzeit gib es kein Fruchtwachstum. Deshalb erwarten wir bei der heurigen Ernte eher kleinere Früchte“, so Kohlfürst. Besser sieht es beim Sommerobst aus. Bei den Kirschen und Marillen war man durchwegs zufrieden, ebenso bei den Pfirsichen, die derzeit geerntet werden. Der Kammerobmann abschließend: „Nicht nur unsere Kulturen und Obstbäume stehen unter enormen Stress, sondern auch die Landwirte und Erntehelfer. Derzeit ist es um die Mittagszeit nahezu unmöglich im Freien zu arbeiten.“

Die Lage insgesamt

Auch laut Österreichischer Hagelversicherung steht die steirische Landwirtschaft unter massivem Druck. Nach einer bereits trockenen Witterung im März und April verschärfte sich die Situation durch anhaltende Hitze und extreme Niederschlagsdefizite. In manchen Regionen fielen laut Landesleiter Josef Kurz in den vergangenen sechs Wochen nur rund 20 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen. „Die Folgen sind erhebliche Ertragseinbußen im Grünland als Futtergrundlage für die Viehhaltung sowie teils irreversible Schäden bei Ackerkulturen wie Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben. Auch Spezialkulturen wie Käferbohnen, Wein und Obst leiden unter Hitze- und Sonnenbrandschäden sowie Ertragsausfällen“, so Landesleiter Kurz.

Diese Entwicklung ist Teil eines langfristigen Trends. Wetterextreme wie Dürre, Hitzewellen und Starkregen treten infolge des Klimawandels immer häufiger und intensiver auf. So hat sich die Zahl der Hitzetage in Graz seit den 1980er-Jahren von durchschnittlich fünf auf derzeit rund 28 Tage pro Jahr erhöht. In den vergangenen zehn Jahren verursachten Wetterextreme in der steirischen Landwirtschaft Schäden von insgesamt rund 570 Millionen Euro. Dies unterstreicht die Bedeutung einer umfassenden Absicherung gegen Wetterrisiken.

Die Österreichische Hagelversicherung bietet Landwirten einen umfassenden Versicherungsschutz für Ackerkulturen, Grünland, Obst- und Weingärten sowie Gartenbaukulturen einschließlich Gewächshäusern. Abgedeckt sind Risiken wie Hagel, Sturm, Dürre, Überschwemmung, Frost und Starkregen. Darüber hinaus ist sie Österreichs größter Tierversicherer und bietet Schutz für landwirtschaftliche Nutztiere. Damit verfügt sie über eine der umfassendsten Produktpaletten für die Landwirtschaft in Europa.


Die Lage ist angespannt – Andreas Steinegger, Präsident der Landwirtschaftskammer  Steiermark, im Kurzinterview

Steinegger

[© Lorber]

Die anhaltende Dürre infolge des Klimawandels stellt die heimische Landwirtschaft vor eine historische Belastungsprobe. Wie sieht die Lage in der Steiermark aus?

Steingger: Unsere Aufgabe ist es, die Betriebe bei diesem historischen Ereignis zu unterstützen. Die Lage ist angespannt: Folgeaufwüchse bleiben aus, Grasnarben sind geschädigt, Quellen auf Almen versiegen und Höfe greifen auf Wintervorräte zurück. Weil auch international wenig Grundfutter verfügbar ist, brauchen wir heimische Lösungen. Ackerbauern und Grünlandbetriebe müssen zusammenstehen – vom Futteranbau bis zur Nutzung von Mais als Silomais. Unsere Task Force Trockenheit beobachtet die Lage und empfiehlt Maßnahmen.

Gerade das Grundfutter wird in vielen Regionen knapp. Welche Empfehlungen kann die Landwirtschaftskammer dazu geben?

Rasches und besonnenes Handeln hat schon begonnen. Jeder Betrieb sollte eine Futterbilanz erstellen: Welche Vorräte sind da, wie hoch ist der Bedarf, wo entsteht eine Lücke? Unsere Fütterungsberatung hilft, Rationen anzupassen, Grundfutter gezielt einzusetzen und Ersatzfutter richtig zu ergänzen. Futteranalysen sichern die Versorgung. Geschwächte Bestände dürfen nicht übernutzt werden. Wir informieren laufend über alle Kanäle und stehen den Betrieben mit konkreten, einzelbetrieblichen Empfehlungen zur Seite. Kein Betrieb soll in dieser schwierigen Situation allein bleiben.

Derzeit werden im Osten unseres Landes bereits die ersten Silomaisflächen geerntet. Gibt es Möglichkeiten, auf diesen Flächen Zwischenfrüchte zur Nutzung anzubauen?

Ja, bei ausreichender Bodenfeuchte. Geeignet sind Gräser-Leguminosen-Gemenge wie einsömmriges Kleegras oder Landsberger Gemenge, aber auch Grünschnittroggen. Damit kann auch für Milchkühe geeignetes Futter erzeugt werden. Wichtig sind rascher Anbau, passende Mischung, saubere Ernte und Konservierung. Wir beraten fachlich, der Maschinenring hilft bei Ernte und Logistik. Zusätzlich wird es einen Mustervertrag geben, der die Zusammenarbeit zwischen Acker- und Grünlandbetrieben absichert.


Jetzt hilft der Maschinenring – Sepp Wumbauer, Obmann des Maschinenring Steiermark im Kurzinterview

Wumbauer

[© Lorber]

Die Trockenheit hat heuer bereits zu massiven Ernteeinbußen beim Grundfutter geführt. Wie können betroffene Landwirte reagieren?

Wumbauer: Als größte Dienstleistungsorganisation haben die Maschinenringe viel Erfahrung im Bereich der Grundfuttervermittlung. Der heurige Grundfuttermangel ist seit dem Frühsommer bekannt. Durch eine frühzeitige Erfassung von Bedarfsmengen kann leichter geholfen werden.

Wo können sich Landwirte melden, die Grundfutter zu verkaufen haben oder Grundfutter suchen?

Betroffene Landwirtinnen und Landwirte können sich jederzeit an den örtlich zuständigen Maschinenring wenden. Dort werden gezielt Kampagnen organisiert, um Angebot und Nachfrage von Grundfutter zu bündeln und rasch zusammenzubringen. Ziel ist es, betroffene Betriebe bestmöglich zu unterstützen und durch die koordinierte Organisation von Transporten kostengünstige und effiziente Lösungen zu ermöglichen. Bereits seit vielen Jahren stellt der Maschinenring zudem eine Grundfutterbörse  österreichweit zur Verfügung. Diese bewährte Plattform erleichtert den Austausch zwischen Betrieben mit Futterüberschüssen und jenen, die aufgrund von Wetterereignissen oder Ernteausfällen zusätzlichen Bedarf haben.

Gerade dem Silomais kommt heuer große Bedeutung zu. Wie kann dabei die Ernte sinnvoll koordiniert werden?

Durch die frühzeitige Erfassung von Angebot und Nachfrage kann der örtliche Maschinenring bereits vor der Ernte wichtige Koordinationsarbeit leisten. Dank des weitreichenden Netzwerks sowie der engen Zusammenarbeit mit regionalen Lohnunternehmen ist es möglich, verfügbare Futtermittel gezielt an betroffene landwirtschaftliche Betriebe zu vermitteln. Diese vorausschauende Planung trägt dazu bei, Transportwege effizient zu organisieren und Kosten zu optimieren. Die Maschinenringe haben damit bereits jahrzehntelange Erfahrung.


Maschinenringe in der Steiermark

Maschinenring Almenland
Büro Fladnitz
Fladnitz 100
8163 Fladnitz an der Teichalm
+43 59060 65811

Büro Thannhausen
Birkfelderstraße 201
8160 Thannhausen
+43 59060 65810
almenland@maschinenring.at


Maschinenring Aichfeld-Leoben
Seckauer Straße 110
8723 Kobenz
+43 59060 660
aichfeldleoben@maschinenring.at


Maschinenring Dachstein-Tauern
Bundesstraße 130
8967 Aich
+43 59060 603
dachsteintauern@maschinenring.at


Maschinenring Enns- und Paltental
Döllach 88
8903 Lassing
+43 59060 657
ennspaltental@maschinenring.at


Maschinenring Graz Umgebung
Premstätter Straße 41
8054 Seiersberg-Pirka
+43 59060 653
grazumgebung@maschinenring.at


Maschinenring Grenzland
Halbenrain 52/2
8492 Halbenrain
+43 59060 614
grenzland@maschinenring.at


Maschinenring Hartbergerland
Gewerbepark Greinbach 273
8230 Hartberg
+43 3332 66969
hartbergerland@maschinenring.at


Maschinenring Mur-Mürztal
Grazer Strasse 51
8644 Kindberg
+43 59060 629
murmuerztal@maschinenring.at


Obersteirischer Maschinenring
Hauptstraße 8
8833 Teufenbach
+43 59060 655
obersteirischer@maschinenring.at


Maschinenring Oststeiermark
Hainersdorf 84/1
8264 Großwilfersdorf
+43 59060 659
oststeiermark@maschinenring.at


Maschinenring Raabtal
Franz-Josef-Straße 4
8330 Feldbach
+43 59060 607
raabtal@maschinenring.at


Maschinenring Süd-Ost
Feldbacherstraße 6
8083 St. Stefan im Rosental
+43 59060 656
suedost@maschinenring.at


Maschinenring Südwest-Steiermark
Gewerbepark Südwest 1
8504 Preding
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suedweststeiermark@maschinenring.at


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Gewerbepark Südwest 1
8504 Preding
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Tagbaustraße 3
8582 Rosental an der Kainach
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