Heiß hergehen wird es in Brüssel, wenn die Verhandlungen über das künftige Budget für die kommenden sieben Jahre beginnen. Mit dabei ist auch unser Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig. Er wird auf dem Brüsseler Parkett als heimlicher Star unter den Agrarministern gesehen, denn er hat als Vertreter eines vergleichsmäßig kleinen Landes doch sehr viele Punkte auf die Tagesordnungen der Agrarminister gebracht: Senkung des Schutzstatus des Wolfes, Importstopps bei Nichteinhaltung von europäischen Standards, Zulassung von Pflanzenschutzmitteln oder die Umsetzung einer EU-weiten Herkunftskennzeichnung. Und nun folgten die Forderungen einer praxistauglich einsetzbaren EU-Agrarreserve, nach wirksameren Kriseninstrumenten in Dürrezeiten und einer finanziell starken GAP zur Stabilisierung der Einkommen. Er spricht sich klar dafür aus, dass die GAP im nächsten EU-Budget nicht geschwächt werden darf, sondern eine ausreichende Finanzierung für bäuerliche Einkommen, die Anpassung an den Klimawandel und die Lebensmittelversorgung in Europa braucht.
Gerade jetzt braucht es starke Persönlichkeiten, die sich trauen, voranzugehen. Mit Juli hat Irland den Vorsitz im EU-Rat übernommen, der sich in einer kritischen Phase befindet. So wird etwa bis Ende 2026 eine Einigung zum künftigen mehrjährigen Finanzrahmen angestrebt und damit auch eine finale Einigung der GAP-Verhandlungen. Die ersten Vorschläge der Europäischen Kommission stießen enorm auf Kritik, da die GAP als einzige vergemeinschaftete Politik Europas seit 1962 kein eigenständiges Budget erhält. Übrigens: 3271 Änderungsvorschläge wurden zur GAP bereits eingereicht. Bauernbund-Abgeordneter Bernhuber äußerte sich 45-mal. Von den österreichischen FPÖ-Abgeordneten kam kein einziger (!) Lösungsvorschlag.