Die Steiermark als „Sommerfrische” des Adels war aufgrund ihrer ausgedehnten Jagdgebiete attraktiv. Nicht umsonst unterhielt das habsburgische Kaiserhaus unter Franz Josef I. in der Obersteiermark mehrere Jagdhäuser, vor allem die Jagdschlösser von Neuberg an der Mürz und Mürzsteg, die zugleich Zusammenkünften für politische Gespräche dienten. Ein anderes Zentrum des jagdlustigen Hochadels war der von Erzherzog Johann eingerichtete Brandhof auf der Nordseite des Seeberges inmitten eines ausgedehnten Jagdgebiets.
Unter den Jagdgästen fanden sich unter anderem ein Kemal Pascha aus Ägypten zur Gamsjagd und ein Maharadjah aus Indien, den man in einem Tragsessel zum Revier tragen musste. Er hatte ein zwölfschüssiges Schnellfeuergewehr und schoss ganz wild und unwaidmännisch umher, bis er endlich traf. Im späteren 19. Jahrhundert gelangten einige adelige Familien aus Deutschland in die Steiermark, die ausgedehnten Waldbesitz mit Eigenjagden erwarben.
Für den Adel und betuchte Bürgerfamilien hatte sich ein früher Tourismus zu Heilbädern schon vor 1840 in Bad Gleichenberg und Rohitsch-Sauerrunn im heutigen Slowenien etabliert. Um 1900 entstanden Sommerfrische-Zentren und Kurorte in der ganzen Steiermark, wie Bad Aussee, Aflenz Kurort und etliche kleinere, wie die Luftkurorte Gröbming, Mürzzuschlag sowie die Badeorte Grundlsee (Solbäder bei Lungenleiden), Wörschach, Irdning und Öblarn (Schwefelquellen gegen Gicht).
Die Region, in der sich noch vor 1900 mehrere Orte gemeinsam auf den Fremdenverkehr einstellten, weil sie die wirtschaftlichen Vorteile erkannten, war das Salzkammergut, wo der Wiener Kaiserhof und noch ein halbes Dutzend Könige ihre jährliche Sommerfrische verbrachten. Die Anwesenheit wohlhabender Familien war ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Jagdpersonal, Bergführer, Fiaker, Dienstboten, Küchenmädchen, Kellner oder Rossknechte stammten ausnahmslos aus der Region und wurden generell gut entlohnt. In den ersten Prospekten, die um 1900 den Fremdenverkehr in der Steiermark bewarben, waren Gasthöfe im Ausseerland vermerkt, in denen Englisch oder Französisch gesprochen wurde.
Bei Berichten über die Anfänge des Fremdenverkehrs in der Steiermark wird meistens der Wallfahrtstourismus übersehen, der Jahrhunderte alt ist. Dabei handelte es sich um einen sogenannten „Zweitage-Tourismus“. Wallfahrer aus allen Kronländern der Monarchie pilgerten zu Tausenden zu steirischen Heiligtümern wie Mariazell, Straßengel, Maria Trost, Maria Lankowitz, Pöllauberg oder Frauenberg bei Admont. Am Vortag eines Marienfeiertages kamen sie an und versuchten, ein Quartier zu bekommen. Vor der Abendmesse legten sie die Beichte ab und besuchten am darauffolgenden Tag die Festmesse und kehrten nach Mittag wieder in ihre Heimat zurück.
In den Jahren nach 1900 erlebte der steirische Fremdenverkehr einen Aufschwung, den man zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Neben den Gaststätten, die um Sommerfrischler warben, entstanden auf den steirischen Bergen Schutzhütten, wurden Markierungen angelegt, Verschönerungsvereine gegründet und Prospekte gedruckt. Für die meisten Orte erschienen die ersten Ansichtskarten, unter anderem die künstlerisch gestalteten „Vorläuferkarten“ von Neuberg an der Mürz und Gamlitz, die heute zu den begehrtesten Sammelobjekten zählen.
Der Grazer Trafikant Kurt Killer, der einige tausend Ansichtskarten gesammelt hatte, machte sich einmal die Mühe zu ergründen, was Urlauber einst an die Zurückgebliebenen in der Heimat schrieben und fand originelle Texte. Aus Schladming: „Wetter katastrophal, Unterbringung primitiv, Essen zum Speiben, Wirtsleute unfreundlich, ansonsten geht es uns gut.“ Aus Mureck: „In der Gaststube manchmal wie im Schweinestall, Einheimische rülpsen und furzen ungeniert. Angetrunkener Fuhrknecht sollte uns gestern nach Straden bringen, blieb bei jedem Gasthaus stehen.“ Aus Andritz bei Graz: „Bedienung zum Verhungern. Eine volle Stunde des Wartens, bis Kellnerin kommt.“ Aus Weiz schrieb eine Wallfahrerin, die den Gnadenort Weizberg besucht hatte: „Der Wirt, man soll’s nicht glauben, hat nur im Sinn, mich zu berauben. Und die Moral von der Geschicht? Nochmals komm nach Weiz ich nicht.“
Um 1900 kam es in der Steiermark zum ersten Mal zu Werbeaktionen für den Fremdenverkehr. Vereine wie der Landesverband für Fremdenverkehr in der Stmk., Gebirgsverein, Touristenklub, Alpenverein, Naturfreunde etc. bildeten Sektionen, die gezielt in Zeitungen und eigenen Büchern für eine Sommerfrische in der Steiermark warben. Das 72-seitige Buch „Illustrierter Führer durch Steiermark“ aus dem Jahr 1907 beschrieb 160 Orte, die sich für eine Sommerfrische besonders geeignet hielten. Viele warben mit Details, die nur sie hatten: Graz mit der Schlossbergbahn und „elektrischer Bahn“ nach Mariatrost, Hochlantsch mit der Bärenschutzklamm, Schöder mit dem Gebäck „Schöderer Vögerln“, Mautern mit einer Studentenherberge.
Für Sportliche warb Rottenmann mit einer beheizbaren Kegelstatt, Groß St. Florian mit Fischteichen für Sportfischer, Admont, Mariazell, Friedberg und Stainz mit Schießstätten, Gnas mit Billardtischen in einem Gasthof, Bruck an der Mur mit einer Schwimmschule, Großreifling und Kindberg mit markierten Wanderwegen, Krieglach und Stainach mit Tennisplätzen. Für erholungssuchende Gäste empfahlen sich Radmer mit bester Alpenluft, Vorau mit geführten Wanderungen zu Kernstocks Festenburg und Birkfeld mit Spaziergängen in den Galgenwald.
Abenteuer konnte man erleben in Peggau bei einer Führung in die Lurgrotte, in Weichselboden bei Klettertouren mit autorisierten Bergführern und in Johnsbach im Gesäuse in einer Kletterschule. Für verwöhntes Publikum gab es in Ehrenhausen Fiaker-Rundfahrten, in den Ausseer Hotels elektrisches Licht, Telefone, Wasser-Klosetts und Sesselträger, in Leibnitz die Lebzelterei Sailer, Promenadenkonzerte in Schladming, gepflasterte Gehwege in Fürstenfeld, den berühmter Kurpark von Gleichenberg, kräftige Dienstmänner in Knittelfeld und die weltberühmte Bibliothek des Klosters Admont.

Nach 1900 warben mit Prospekten und Ansichtskarten auch kleine Orte um einen Urlaub (Sammlung Killer, Graz).
„Unsere Bemühungen um den Sommergast sind vielerorts mit Konflikten beladen“, heißt es in einem Rundschreiben des Touristenklubs im Frühjahr 1912. Urlauber, die sich in beworbene Orte einquartieren wollen, finden unangenehme Zustände vor. Ungeschotterte Ortsdurchfahrten, eine unerträgliche Fliegenplage in der Gaststube oder schlechtes Essen. Ganz schlimm ergeht es Autotouristen. Keine Zapfsäulen, Benzin zu horrenden Preisen nur in Drogerien zu kaufen. Gelobt werden hingegen zwei Orte mit Zapfsäulen, nämlich Bad Aussee (Adler Apotheke) und St. Stefan bei Gratkorn (Gasthaus Rinner).
Kritisch reagierten viele Steirer auf den Fremdenverkehr. Zum Beispiel wurden in den Gemeinderatssitzungen von Groß St. Florian mehrmals die „sittlich bedenklichen Zustände“ kritisiert, die in einem Flussbad an der Laßnitz herrschten. Als besonders unmoralisch galt die Gewohnheit der Urlauber, im Badekostüm das Uferbad zu verlassen und im Markt umherzuspazieren. Peter Rosegger berichtete von der sogenannten „Einsiedelei“ in der Deutschlandsberger Klause: Obwohl es im Volk als Heiligtum gilt, kommen an schönen Sommertagen Fremde dorthin zum Kartenspiel. In Ligist beobachtete er, dass „Kropferte“ die schwefelhältigen Heilquellen zur Linderung aufsuchen, jedoch viel lieber den guten Schilcher trinken.
Am 21. Jänner 1922 erschien in der Zeitung Deutsche Grenzwacht ein Artikel, der die primitiven Zustände in einem Koralpen-Gasthaus beschrieb. „Ich habe kaum jemals wieder ein so armseliges Gasthaus gefunden, und was das Lager betrifft, so denke ich heute noch mit Entsetzen daran. Das Gastzimmer war eine Rauchstube, man konnte es nur gebückt darin aushalten. […] Betten waren für die Gäste nicht vorhanden. Wir erhielten in der Rauchstube etwas Stroh auf den Fußboden. Decken für so viele Gäste gab es nicht. […] Hunde und Hühner teilten unser Schlafgemach. Zu einer wirklichen Ruhe sollte es nicht kommen. Während ich überlegte, […] spürte ich an mehreren Körperstellen ein Beißen und Wurln. Tausende von Flöhen hatten den Fußboden verlassen und sich an unseren warmen Körpern festgebissen.“
Der Zeitungsartikel löste heftige Reaktionen aus. Am 29. Jänner 1922 erschien in derselben Zeitung eine Entgegnung von Universitätsprofessor Dr. Viktor Geramb. Er meinte, der Wirt ist nicht verpflichtet, Bergwanderer über Nacht zu behalten. Das richtige Nachtlager wäre der duftende Heustadel gewesen, dort könne man sich durch tiefes Eingraben in das Heu auch besser vor Kälte schützen. Sein Artikel schließt mit den Worten: „Ein paar Flohbisse, von denen ich nie mehr verspürt habe als in so manchem Hotel, wo es noch ganz andere Tierchen gibt, sollen nicht abschrecken, wo man so viel Schönes, Freundliches und Gemütliches genießen kann.“
Autor: Herbert Blatnik
