Ob zarter Pastellstrauß, farbenfrohes Statement oder langlebige Topfpflanze – die Möglichkeiten des Blumengeschenks zum Muttertag sind groß. Wie ist der Muttertag entstanden?
Für Blumenkönigin Lisa II. waren und sind die Tage vor dem Muttertag anstrengend, stehen doch viele Termine auf dem Programm. Dabei erzählt sie, dass ihre Kunden gerne zu Blumensträußen greifen würde, die durch ihre edle Ausstrahlung und eleganten Gestaltung überzeugen. Vor allem filigrane, hochwertige Blüten mit einem Hauch von Noblesse stehen hoch im Kurs. Immer beliebter werden auch locker gebundene Arrangements, die wie frisch gepflückt wirken. Diese natürliche Ästhetik vermittelt Leichtigkeit und Authenzität – Werte, die für viele Menschen heute wichtiger denn je sind. Beliebte Blumen sind dabei die saisonalen Klassiker wie Hortensien, Pfingstrosen oder Flieder, die nicht nur mit ihrem Aussehen, sondern auch mit ihrem Duft zu begeistern wissen.
Bei den Käufern wird auch die Nachhaltigkeit immer mehr zum Thema. „Viele Kunden achten darauf, woher ihre Blumen stammen und entscheiden sich gezielt für heimische Produkte“, berichtet Mario Marbler, Obmann der ARGE Gärtner und Floristen.
Beliebte Topfpflanzen
Neben klassischen Sträußen gewinnen langlebige Pflanzen immer mehr an Bedeutung. Topfpflanzen wie Orchideen sowie Gartenpflanzen wie Hortensien, Rosenstöcke, Pelargonien oder mediterrane Gewächse von Zitrusbäumchen bis zu Oleander und Olive stehen für Nachhaltig und Beständigkeit. „Der Fachhandel ist hier die erste Adresse, um sich Tipps zur richtigen Pflege und zum richtigen Standort zu holen“, rät Martin Zwanzger, Obmann der steirischen Gärtner und Baumschulen. Gerade für Mütter mit grünem Daumen sind auch Kräuter oder kleine Nutzpflanzen eine beliebte Alternative.
Geschichte des Muttertags
Die wechselhafte Geschichte des Muttertages beginnt in den USA im Jahr 1907, als Ann Jarvis, die Tochter eines methodistischen Pfarrers, einen Tag des Dankes für Mütter ins Leben rief. Auch ein Senator im Kongress regte an, die leidgeprüften amerikanische Mütter in einer besonderen Form zu ehren. Während dieser Gedanke im Kongress selbst kaum Beachtung fand, wurde er in den starken Frauenklubs von New York sowie von der Geistlichkeit mit Begeisterung und „mit glühendem Eifer“ aufgenommen, obwohl der Tag weder im Kalender als Feiertag ausgewiesen war noch von den Behörden bewilligt wurde.
Schon im darauffolgenden Jahr 1909 wurde der Tag in den meisten Städten der USA begangen, indem Frauenvereine geschlossen mit ihren Fahnen zur Kirche marschierten.[1] Von den USA kam die Idee einige Jahre später als „Blumentag“ zur Ehre der Mütter in England an. 1913 existierten sogar schon konkrete Richtlinien, wie der Tag gefeiert werden sollte: Ist es irgendwie möglich, sollte der Sohn an diesem Tag seine Mutter mit Blumen besuchen, ist er in einem fremden Land, solle er ihr schreiben, ist sie schon tot, hat er ihr Grab zu schmücken. Auch sollten die Männer an diesem Tag eine weiße Blume im Knopfloch tragen.
Allmählich drang der Gedanke des Muttertages auch in die skandinavischen Staaten und in Deutschland ein. Wie in England und in den USA war der Ehrentag noch eine Angelegenheit der erwachsenen „Kinder“. In den deutschen Zeitungen wurde 1923 zum ersten Mal durch die Presse empfohlen, einen Muttertag im Mai abzuhalten. Im kommunistischen Russland gab es dahingehend keine Überlegungen, stattdessen feierte man den 8. März als „internationalen Frauentag“.
Komitee Muttertag
In Österreich gab es die erste Muttertagsfeier im Mai 1923 in Salzburg, von einem Kaplan in einem Gebirgsdorf organisiert.[2] 1924 kam in Wien ein „Komitee Muttertag“ zustande, das auf die Behörden eindrang, den Muttertag nicht nur zu empfehlen, sondern sogar als Feiertag auszuweisen. Das Komitee stand unter dem Ehrenschutz von Marianne Hainisch, der einflussreichen Mutter des damaligen Bundespräsidenten Michael Hainisch.[3] In Vorträgen und Rundfunksendungen warb die betagte Dame nachhaltig und erfolgreich für die offizielle Einführung des Muttertages in Österreich.
Sie hatte es nicht leicht, denn zwei Hindernisse gab es zu überwinden. Den Sozialdemokraten erschien es verdächtig, dass es die kirchlichen Kreise waren, die so vehement für den Muttertag eintraten. Man munkelte, „die Klerikalen wollen ihre Macht mit einem neuen Feiertag weiter ausbauen, als ob es nicht schon genug Feiertage gäbe!“ Die Christlichsozialen machten darauf aufmerksam, dass es sich um eine amerikanische Erfindung handelt. „Immerhin waren die Amerikaner im [Ersten] Weltkrieg, der noch gar nicht so weit zurückliegt, unsere erbitterten Feinde!“, argumentierten sie.
Frau Hainisch konterte geschickt: „Mit Konfessionen hat die Mütterehrung nichts zu tun. Wie hätte sie sich ansonsten so rasch im protestantischen Norddeutschland ausbreiten können?“ Was die Amerikaner betrifft: „Der Muttertag ist ein Friedensfest. Wir sind gut beraten, nach diesem schrecklichen Krieg auch mit den Gegnern von einst in Frieden zu leben.“
Das Volk kümmerte sich nicht um diese Überlegungen, der Muttertag war längst in allen Bevölkerungsschichten angekommen. In den Schulen lernten die Kinder Gedichte zum Aufsagen, wie: „Wenn du noch eine Mutter hast, danke Gott und sei zufrieden. Nicht jedem auf dem Erdenrund ist dieses Glück beschieden.“
Wie in den USA nahm sich die katholische Kirche in besonderer Weise des Muttertags an, gemäß der Logik: In den Maitagen ehren wir Steirer die Gottesmutter in den Maindachten. Was liegt näher, als auch die eigene Mutter zu ehren? Während der NS-Zeit kam es zur Verstaatlichung des Ehrentages mit pompösen Feiern und der Verleihung von Mutterehrenkreuzen für kinderreiche Mütter. Nach 1945 wurde der Muttertag wieder zu dem, was er sein sollte: Ein Familienfeiertag, an dem der Mutter besondere Wertschätzung und Liebe zuteilwird.
[© c-g pictur; Archiv]
[1] Wiener Frauenzeitung Der Bund, Heft Juni 1909, „Ein amerikanischer Müttertag“.
[2] Grazer Volksblatt, 13. 5. 1928, „Ehret die Mutter!“
[3] Sepp Walter, Steirische Bräuche im Laufe des Jahres, Trautenfels 1997, s. 170.
