Bio Ernte Steiermark, der größte Bio-Verband im Land, beging mit sieben Regionalveranstaltungen und einer Jubiläumsfeier in der Fachschule Grottenhof sein 45-jähriges Bestehen.
Bei der Jubiläumsfeier „45 Jahre Bio Ernte Steiermark“ in der Fachschule Grottenhof betonte Obmann Thomas Gschier: „Unser Weg war nicht immer einfach. Er verlangt Mut, Idealismus und Durchhaltevermögen. Ohne die tägliche Arbeit der Betriebe wäre Bio in der Steiermark nicht die starke Bewegung, die sie heute ist“, betonte Thomas Gschier, Obmann von Bio Ernte Steiermark. Und Geschäftsführer Josef Renner ergänzte: „Bio ist auch eine Lebenseinstellung!“
Die biologische Wirtschaftsweise wurde zu Beginn in Österreich als Utopie betrachtet. Von der eigenen Überzeugung und den Kunden-Wünschen angetrieben, setzten Betriebe rund um St. Marein bei Graz auf Bio. Die 1966 gegründete St. Mareiner Arbeitsgruppe leistete Grundlagenarbeit für den steirischen Bio-Landbau. Unterstützung erhielt sie von Hans Müller, dem Begründer des organisch-biologischen Landbaus. Er beriet und bestärkte die steirischen Pioniere auf ihrem Weg. Das „gallische Dorf“ Sankt Marein mit seinen Bio-Pionieren wurde zur Keimzelle einer landesweiten Bewegung.
Der erste Obmann
Im Jahr 1980 erfolgte die Gründung des Verbandes „Bio Ernte Steiermark“, damals unter dem Namen „Verband organisch-biologisch wirtschaftender Bauern Österreichs“. Gründungsobmann war Franz Kappel. 1983 führte Österreich die weltweit ersten gesetzlichen Bio-Richtlinien ein. Mit einer Bio-Förderung im Jahr 1990 unterstützte die steirische Landesregierung die regionale Bio-Bewegung. Eine Bundesförderung folgte 1995 mit dem EU-Beitritt Österreichs. Mit einem Schlag kamen in der Steiermark mehr als 1000 neue Biohöfe dazu. Die Umstellungskurse waren überfüllt. Mit der Unterstützung von zahlreichen Praktikern meisterte das damals kleine Beratungsteam die Herausforderungen.
Bio-Fest mitten in Graz
Gleichzeitig mit den steigenden Produktionsmengen stieg die Nachfrage. Es entstanden die ersten Biobauernmärkte in Graz und Neumarkt (1995). Der österreichische Lebensmittelhandel führte eigene Bio-Marken ein. Am Grazer Tummelplatz wurde 1994 erstmals ein Bio-Fest durchgeführt. 2026 wird es als zweitägige Leistungsschau der steirischen Biohöfe zum 30. Mal veranstaltet. Mittlerweile wird in erster Reihe am Hauptplatz gefeiert – passend zu den Erfolgen der steirischen Bio-Bewegung.
„45 Jahre Bio Ernte Steiermark zeigen eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Bäuerinnen und Bauern mit Überzeugung und Ausdauer einen Weg gehen“, sagte Barbara Riegler, Bundesobfrau BIO AUSTRIA. „Diesen Weg weiterzugehen, braucht aber verlässliche Rahmenbedingungen. Das sind eine Agrarpolitik, die Nachhaltigkeit konsequent honoriert, faire wirtschaftliche Bedingungen für die Betriebe und ein gesellschaftliches Bekenntnis zu Bio als wichtigem Teil unserer Lebensmittelzukunft.“
2000 Mitglieder
Über die letzten vier Jahrzehnte konnte Österreich seine Position als Bio-Vorreiterland ausbauen. In der Steiermark wird knapp ein Viertel der landwirtschaftlichen Flächen biologisch bewirtschaftet. Die Hälfte der rund 4000 Bio-Betriebe sind Mitglieder bei Bio Ernte Steiermark. Die Lust auf Bio ist bei den Konsumenten ungebrochen: Die Ausgaben für Bioprodukte im Lebensmitteleinzelhandel stiegen 2025 um 6,5 Prozent, der wertmäßige Bioanteil lag bei 12 Prozent.
Besondere Ehrungen

Bio-Wegbereiter mit (von links) Bundesobfrau Barbara Riegler, Peter Feiertag, Barbara Soritz, Ulli Retter, Fritz Prem, Erich Kerngast und Thomas Gschier, Obmann Bio Ernte Steiermark.
Im Zuge der Jubiläumsfeier in Graz verlieh der Verband Ehrennadeln als Auszeichnung für besondere Leistungen für die Bio-Landwirtschaft. Ausgezeichnet wurden Peter Feiertag (Fleischerei Feiertag), Fritz Prem (Bio-Obstbau), Ulli Retter (Bio-Hotellerie, RETTER Bio-Natur-Resort), Barbara Soritz (Verbandsarbeit und gefährdete Nutztierrassen) und Erich Kerngast (Bio-Schule und Verbandsarbeit). An die Verbandsmitglieder wurde Hoftafeln überreicht. Fünf solche Hoftafeln gingen an Mitglieder, die schon seit dem Gründungsjahr 1980 dabei sind.
[© Richard Großschädl]