Der Oststeirer Walter Reiterer ist überzeugt, dass der Melkroboter das Familienleben stärkt. Der gemeinsame Familienurlaub ist ihm wichtig. Ein Porträt von Roman Bruckner.
Land- und Forstwirtschaftsmeister Walter Reiterer und seine Familie aus Puchegg, Marktgemeinde Vorau, melken ihre 75 Kühe seit sieben Jahren mit einem Roboter. „Den Roboter haben wir im Burgenland nach einer krankheitsbedingten Betriebsaufgabe gebraucht gekauft“, erzählt der 46-Jährige und ist damit sehr zufrieden. Die Empfehlung kam von einem Freund, der bei der Melktechnikfirma arbeitet, die den Roboter sieben Jahre zuvor auf diesem Betrieb installiert hatte.
Absolventenverband Kirchberg am Walde

Tochter Linda besucht seit kurzem die Fachschule Kirchberg am Walde, wo ihr Vater im Absolventenverband tätig ist.
Der Oststeirer ist am Hof aufgewachsen und hat nach der Pflichtschule die Land- und forstwirtschaftliche Fachschule in Kirchberg am Walde, samt einem intensiven Praktikum in Süddeutschland, im Jahr 1997 absolviert. Mit der Schule ist er heute noch durch seine Mitarbeit im Vorstand des Absolventenverbandes eng verbunden. Besonders freut es ihn, dass die ältere Tochter Linda heuer ihre Ausbildung in Kirchberg begonnen hat und dass ihr Direktor sein ehemaliger Klassenkollege Wolfgang Fank ist.
Nach der Fachschule ist Walter Reiterer zu Hause eingestiegen. Dann folgten die beiden Meisterprüfungen bis 2004, die Familiengründung und schließlich im Jahr 2012 die Hofübernahme. Seine Frau Heidi ist gelernte Drogistin, heute eine engagierte Milchbäuerin und die Chefin des „Fünfmäderlhauses“. Die beiden Herrn, der Bauer und sein Vater, werden bestens versorgt, sie haben eher draußen das Sagen. Bis auf das Frühstück werden die Mahlzeiten gemeinsam am großen Küchentisch eingenommen, der „zweite Kaffee“ ist eine tägliche Dienstbesprechung, wo die Arbeiten besprochen werden.
Für den Betrieb mit seinen 54 Hektar Nutzfläche und 13 Hektar Wald ist ein großer Maschinenpark vorhanden, der selbst gewartet und instandgehalten wird. Die perfekte Werkstätte ist das Reich des Altbauern. Auf den Feldern wachsen Getreide, Silomais, Dauergrünland und die für die nördliche Oststeiermark so typischen Wechselwiesen. Auch eine kleine Fläche Roggen wird für das eigene Bauernbrot angebaut, das regelmäßig im großen Holzbackofen gebacken wird. Vorau war lange Zeit ein bekanntes Roggenanbaugebiet mit hervorragenden Qualitäten. Die andere Fläche dient der Fütterung der Rinder, Pferde und Schweine. Besonders stolz ist der Betriebsführer auf die beiden großen Flächen, die er in den letzten Jahren von aufgelassenen Betrieben in der Nachbarschaft gekauft hat.
Fleckvieh und Holstein
Die Milchviehherde der Rassen Fleckvieh und Holstein ist mit einem Stalldurchschnitt von 10.000 Kilogramm bestens geführt. Die Kalbinnenaufzucht ist auf zwei Partnerbetriebe ausgelagert, einige Kalbinnen sind auf der Alm. Eingefüttert wird mit der Silozange und das Kraftfutter über Transponder verabreicht. Der besagte Roboter funktioniert sehr gut, trotzdem muss der Bauer immer erreichbar sein, damit er auf Fehlermeldungen reagieren kann. „Selten passiert etwas mit dem Roboter, aber dann wenn wir gerade im Urlaub oder unterwegs sind“, erklärt der Milchbauer mit einem Lächeln im Gesicht. Die Probleme lassen sich immer lösen. Man muss allerdings viel von der Technik verstehen und einen guten Servicepartner haben. Die Pferde sind das Hobby der Familie. Alle reiten gerne, derzeit wird gerade ein neuer Pferdestall errichtet.
Das Thema Urlaub ist der Familie sehr wichtig. Im Sommer geht’s ans Meer und im Winter in die Skigebiete. Am Meer sind die Fünf meistens mit dem Boot unterwegs, weil der Vater auch das kleine Küstenpatent als Berechtigung hat. In dieser Zeit wird der Betrieb von den Eltern und einem Praktikanten oder Praktikantin geführt. Der gesellige Vorauer wandert auch gerne – am liebsten mit einer Hütte als Ziel, wo es auch eine „Gaudi“ gibt. Seine Lieblingsspeise ist von der Jahreszeit abhängig (im Sommer Salate und im Winter Steak). Alle essen auch sehr gerne Käse, er muss immer am Jausentisch stehen.
Für die Zukunft wünscht er sich, dass alle gesund bleiben, dass die derzeitig guten Produktpreise erhalten bleiben und dass er etwas mehr Freizeit hat.
Zur Person
Walter Reiterer (46) wohnt in Puchegg 66, 8250 Vorau. Er ist verheiratet und Vater von drei Töchtern. Der Betrieb vulgo Wuzel umfasst 54 Hektar LN (Silomais, Getreide, Wechselwiesen, Dauergrünland) und 13 Hektar Wald. Im Stall sind 75 Milchkühe der Rassen Fleckvieh und Holstein. Der Stalldurchschnitt liegt bei 10.000 kg. Die Kalbinnenaufzucht ist ausgelagert.
[© Roman Bruckner]