Der Biobauer Michael Schweighofer aus Naintsch hat seinen steil gelegenen Bergbauernhof auf Mutterschafhaltung umgestellt, betreibt einen kleinen Campingplatz und ist Bio-Kontrollor. Eine Reportage von Roman Bruckner.
Von Anger führt eine Landesstraße durch den Naintschgraben hinauf auf die Brandlucken und ins Teichalm-Sommeralm-Gebiet. Auf halber Strecke ist rechts eine Abzweigung, wo ein Pfeil „Ochi‘s Biobauernhof“ leitet. Von dort geht es fünf Kilometer bergauf bis auf 1000 Meter Seehöhe und dann ist man beim vulgo Ochenbauer. Der traditionsreiche Hof wird von Michael Schweighofer zusammen mit seinen Eltern bewirtschaftet. Partnerin Sandra, die als Krankenschwester in Hartberg arbeitet, und die Oma mit ihren 90 Jahren leben auch am Hof. Der extreme Bergbauernhof mit 280 BHK-Punkten ist zu zwei Drittel mit dem Traktor befahrbar. „Aber ohne Zwillingsreifen geht bei uns gar nichts“, erklärt der erfahrene Traktorfahrer. Auf den anderen Flächen weiden die 60 Mutterschafe der Rasse Merino Landschaf. Dazu kommen noch 42 Hektar Waldfläche.
Betriebsumstellung
Michael Schweighofer ist am Betrieb aufgewachsen und hat Volks- und Hauptschule in Anger besucht. Danach folgten neun Jahre Lehre und Arbeit als Mechaniker und drei Jahre als Planer und Monteur von Hagelschutznetzen und Bewässerungsanlagen. Mit 28 Jahren hat er von den Eltern den damaligen Milchviehbetrieb übernommen, den er bald auf Mutterschafhaltung umgestellt hat. Von den 60 Mutterschafen verkauft er ungefähr 120 Lämmer, je zu einem Drittel als Zuchttiere, an die Weizer Schafbauern und als Lammfleisch ab Hof.
Von April bis Oktober hat er viel Arbeit auf den Weiden und Wiesen und in seinem Nebenjob als Bio-Kontrollor. Im Schnitt an zwei Tagen in der Woche kontrolliert er 120 Betriebe in der ganzen Steiermark. Er beginnt mit den Ackerbaubetrieben, die vor der Getreideernte abgeschlossen sein müssen. Im Sommer folgen die Obstbaubetriebe und im Herbst der Rest. „Beim Kontrollieren lerne ich viele interessante Betriebe kennen. Es begeistert mich immer wieder, wenn ich sehe, was man alles mit einem landwirtschaftlichen Betrieb machen kann“, erzählt der 38-jährige Biobauer.
Forstwirtschaft
Im Winter steht der Wald im Mittelpunkt. Die meisten Flächen sind für den Harvester zu steil, es gibt aber Nachbarn mit einem Seilkran und Schlägerungsunternehmen. Diese engagiert er alle paar Jahre, weil er zusammen mit dem Vater nicht die ganze Fläche schafft.
Wohnmobilstellplätze am Hof
Am Hof gibt es noch einen besonderen Betriebszweig. Auf einer wunderschönen ebenen Aussichtsfläche bietet er sechs Wohnmobilstellplätze an. Das Angebot gibt es seit sechs Jahren. Es ist noch kein großer finanzieller Renner, aber es freut die Familie, wenn auf den doch etwas einsamen Hof interessante Gäste aus aller Welt kommen. Zum Beispiel war ein Pärchen aus der Großstadt Frankfurt am Main überrascht, wie ruhig und wunderschön eine Sternen-Nacht sein kann. Viele Besucher kommen über eine Bauernhof-Stellplatz-App, wo erwartet wird, dass sie Produkte vom Hof kaufen.
In seiner Freizeit ist der Oststeirer eine begeisterter Rotkreuz-Fahrer. Früher hat er jede Woche einen Nachtdienst gemacht, derzeit ist es alle zwei Wochen einer. Für seine Gemeinde engagiert er sich in der ÖVP-Fraktion. Als Hobby ist ihm noch das Skifahren geblieben. Da kann er dann auf den Hütten sein Lieblingsessen, Käsespätzle, genießen.
Zur Person
Michael Schweighofer (38)
Naintsch 19, 8184 Anger
Biobauernhof vulgo Ochenbauer, 15 Hektar Weiden und Wiesen, 42 Hektar Wald
60 Mutterschafe, Camping mit sechs Wohnmobil-Stellplätzen
www.ochis-biobauernhof.at