Bauer der Woche: Martin Kleindl

von NEUES LAND

Der Grazer Gemüsebauer Martin Kleindl vermarktet seine Produkte auf dem Bauernmarkt am Lendplatz. Dort bietet er über 30 verschiedene Gemüsesorten zum Verkauf an. Ein Portrait von Roman Bruckner.

Mit dem Marktfahren haben bereits die Großeltern von Martin Kleindl begonnen. Die Eltern haben das Sortiment und die Menge stark ausgeweitet. Der Hof vulgo Stadtbauer liegt direkt in der Liebenauer Hauptstraße, ungefähr zweieinhalb Kilometer südlich vom Liebenauer Fußballstadion. Nach der Pflichtschule hat der heute 46-jährige Gärtnermeister die gärtnerische Handelsschule in Grottenhof Hardt in Graz besucht, und nach dem Bundesheer ist er gleich am elterlichen Betrieb eingestiegen. „Ich hab immer leicht gelernt. Die Lehrer wollten oft, dass ich weiter in die Schule gehe, aber als einziges Kind war mir immer klar, dass ich unseren Hof weiterführen möchte“, erzählt er. 2010 hat er dann übernommen. Seither führt er den Betrieb erfolgreich zusammen mit seinen Eltern und zwei Mitarbeitern aus Mazedonien. Diese kommen bereits seit 18 Jahren jedes Jahr zu ihm. Das ist ein gutes Zeichen und auch ein Vorteil, weil sie viele Arbeiten ganz selbständig erledigen, auch wenn der Chef nicht da ist.

Produktvielfalt

Auf vier Hektar Gemüsefläche werden über 30 verschieden Gemüsesorten angebaut, verschiedenste Salate, Wurzelgemüse, Fruchtgemüse und Gewürzkräuter. Eine geschätzte Spezialität sind die Liebenauer Kipflerbohnen, die wie die Käferbohnen auf Mais als Stützpflanze kultiviert werden. Besonders nachhaltig ist die eigene Jungpflanzenanzucht im Folientunnel. Sonst wächst alles unter freiem Himmel, nur die Paradeiser haben ein Regendach.

Technisch ist der Stadtbauer sehr gut ausgestattet. Es gibt fast für jeden Arbeitsgang eine Maschine, wovon einige selbst konstruiert und gebaut worden sind. Zum Beispiel wurde eine Zwiebelerntemaschine aus einem alten Kartoffelvollernter entwickelt. Zwei Onkeln sind pensionierte Metallbauer, die ihr Können gerne einbringen.

Am Bauernmarkt

Am Hof wird das Gemüse gewaschen, sortiert, in Kisten verkaufsfertig gepackt und mit einem Kleinlastwagen um fünf Uhr in der Früh auf den Markt gebracht. Dort wird mit einfachen Tischen und Sonnenschirmen ein Stand aufgebaut und ab 6.30 Uhr beginnt der Verkauf. Am Mittwoch steht der freundliche Vermarkter allein am Stand, am Freitag und Samstag arbeitet die Mutter – und bei Bedarf auch zwei Hilfskräfte – mit. Er mag seine Kunden und weiß auch, wie man mit ihnen umgeht. „Ich bekomme viele Rückmeldungen von ihnen. Das ist mir sehr wichtig. Manchmal denke ich mir, dass viele Bauern zu wenig von ihren Konsumenten wissen“, erklärt der erfahrene Vermarkter.

Zu Mittag ist der Markt vorbei, dann geht’s wieder heim. Dort wartet schon alles auf ihn und nach einem kurzen Mittagessen geht es hinaus auf die Felder. Im Winter gibt es mehr Lagergemüse und typische Wintergemüse, die auch bei Frost am Feld bleiben. In der Zeit beliefert er auch andere Vermarkter mit Gemüse, diese Sparte möchte er in der Zukunft noch ausweiten. Eine sehr gute Qualität hat auch sein Sauerkraut, dass alle drei Wochen frisch gemacht wird und dadurch besonders mild ist.

Interessensvertretung und Hobbys

Im Winter ist es ein bisschen ruhiger am Hof. Da sind die Mitarbeiter für zwei Monate zu Hause und da kann sich der Betriebsleiter auch für andere Interessen etwas Zeit nehmen. Seine große Leidenschaft ist der Fußballklub Sturm Graz, von dem er kein Heimmatch versäumen darf. Er liest gerne, vor allem im Bereich Geschichte und Politik. Das kann er auch praktisch anwenden. Er ist Bezirkskammerrat und vertritt dort die Grazer Bauern, von denen auch einige Grazer Märkte und Geschäfte beliefern. „Die Grazer Bauern sind nicht nur wichtige Nahversorger. Sie erhalten eine ökologisch wertvolle Kulturfläche, die von den Stadtbewohnern sehr gerne als Naherholungsgebiet genutzt wird“, betont der Interessenvertreter und appelliert, dass man diese natürlichen Restflächen vor der Verbauung schützen sollte.

Im Februar ist sein Marktstand für zwei Wochen geschlossen. Da vertreten ihn andere Liebenauer Marktbauern. So kann er auch einmal eine Woche verreisen, obwohl seit Jänner schon wieder die ersten Jungpflanzen im Folientunnel gezogen werden.

Zur Person

  • Martin Kleindl (46)
  • Liebenauer Hauptstraße 238, 8041 Graz
  • 4 Hektar Gemüse, 5 bis 6 Hektar Mais mit Käferbohnen, 3 Hektar Ölkürbis
  • Marktstand am Grazer Lendplatz am Mittwoch, Freitag und Samstag
  • Angebot:  über 30 verschiedene Gemüsesorten, Kernöl, Käferbohnen
  • Kein Abhof-Verkauf,  Verkauf im Winter auch an Vermarkter        
  • E-Mail: kleindl@aon.at

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1 kommentieren

Josef u. Mathilde Knapp 27. August 2025 - 16:01

Schön, dass es noch so tüchtige und zielstrebige Jungbauern gibt!
Wir wünschen noch weiterhin viel Erfolg!

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