Bauer der Woche: Josef Sonnleitner

von NEUES LAND

Bereits Ende der 1980er Jahre hatte Josef Sonnleitner als Schüler der Obstbauschule Wetzawinkel die Idee, die Marille zu kultivieren. Porträt von Roman Bruckner.

 

Was war das Besondere an der Marille, dass Josef Sonnleitner als junger Obstbauer dieses Wagnis mit der empfindlichen Obstart eingegangen ist? Einerseits war die Nachfrage nach Marillen schon damals sehr groß und ist es noch immer. Andererseits waren die Anbaubedingungen sehr schwierig, sodass die steirischen Obstbauern die Hände von ihr ließen und sich lieber dem sicheren Apfel widmeten. Josef Sonnleitner begann bereits Mitte der Neunziger mit Versuchspflanzungen. 1999 wurde der erste Marillengarten angelegt und drei Jahre später begann die Vermarktung, vorwiegend ab Hof. Für seinen Onkel mit einem Lebensmittelgeschäft in Graz holte er Anfang der 1990er-Jahre bereits Marillen aus dem Nordburgenland. Damals knüpfte er erste Kontakte zu den dortigen Marillenbauern und bald konnte er seinen ersten Marillengarten im Burgenland pachten.

Breite Produktpalette

Seither hat sich die Erfolgsgeschichte am Marillenhof Sonnleitner in Krumegg ständig weiterentwickelt. Heute bewirtschaftet er insgesamt vier Hektar Marillen – davon zwei Hektar – im Burgenland. Dazu kommt ein Hektar mit verschiedenen Obstarten nur für die Direktvermarktung. Zusätzlich werden pro Jahr 100 Mastschweine im eigenen Stall gemästet und selbst zu Selch- und Wurstwaren verarbeitet. Zusammen mit dem Obst, dessen Verarbeitungsprodukten und den Fleischwaren ergibt das eine breite Palette für die Vermarktung ab Hof und zweimal die Woche am Bauernmarktstand in Graz-Andritz. Das enorme Arbeitspensum meistert der 55-Jährige mit seiner fleißigen Partnerin Bianca und den drei Kindern. In der Saison arbeiten zwei rumänische Arbeitskräfte am Betrieb. Je nach Bedarf kommen noch Erntehelfer dazu.

Spätfrost und Blütenmonilia

Das große Thema bei der Marille ist im Frühjahr der Frost. Die Marille blüht als erste Obstart sehr früh. Dadurch wird die Blüte oft von Spätfrösten verbrannt. Dagegen stehen überall in den Baumreihen Rauchkerzen, welche die Anlage bei Bedarf in ein Nebelmeer hüllen und damit vor Fost schützen. Ein weiteres gefährliches Problem, das oft mit dem Frost verwechselt wird, ist die Blütenmonilia. Das ist eine Pilzkrankheit, welche die Blüten und auch die jungen Triebe zerstört und längerfristig auch zum Absterben des Baumes führen kann. Dagegen muss der gewissenhafte Obstbauer die Bäume in der Blütezeit mehrmals behandeln.

Marillenblütenfest

Viele Jahre lang hat am Hof das erste österreichische Marillenblütenfest stattgefunden. „Es war ein Riesenevent. Bis zu 3000 Leute sind auf den Hof gekommen. Das alles war nur mit der Hilfe der Feuerwehr möglich“, erklärt Sonnleitner, der selbst ein begeisterter Feuerwehrmann ist. Vor zehn Jahren musste er dann das Fest wegen des enormen Arbeitsaufwands aufgeben. Er träumt aber davon, irgendwann noch eines zu veranstalten.

Prominenter Kunde

In der Erntezeit kommen sehr viele Leute auf den Hof. Sie holen sich nicht nur die frischen Marillen, sondern es gibt auch Nektar, Marmelade, Edelbrand, Essig, Senf und sogar Barbequesauce von der Marille. Auch am Bauernmarktstand in Andritz ist in der Erntezeit Hochsaison. „Durch das Vermarkten lerne ich sehr viele nette Leute kennen. Ich glaube, wenn ich ins Spital gehen muss, kenne ich die Hälfte der Ärzte, weil sie meine Kunden sind“, erklärt er schmunzelnd. Besonders stolz ist er, dass auch Altlandeshauptmann Hermann Schützenhöfer zu seinen treuen Kunden gehört und auch gerne auf seinen Hof zu Besuch kommt.

Praktische Erfindungen

Sein Erfindergeist zeigt sich auch im technischen Bereich. Er hat schon mehrere Geräte entwickelt und patentieren lassen. Dazu betreibt er eine kleine Firma, die sich mit der Erzeugung und Vermarktung von Kistenwaschvorrichtungen beschäftigt. An seinem Lebenswerk kann man sehen, dass sich der Mut und die Konsequenz, in der Landwirtschaft neue Wege zu gehen, auszahlen und auch kleineren Betrieben wirtschaftlichen Erfolg bescheren. 

Zur Person

Josef Sonnleitner (55) wohnt in Krumegg 32,  8323  St. Marein b. G. Der Betrieb umfasst vier Hektar Marillen, einen Hektar diverse Obstarten, sechs Hektar Wald und zählt 100 Mastschweine. Die Vermarktungssparten sind das Frischobst, Obstverarbeitungsprodukte und eigene Fleischwaren. Der Verkauf erfolgt ab Hof und am Bauernmarkt in Graz-Andritz. www.marillen-hof.at

 

 

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