Bauer der Woche: Josef Singer

von Karl Brodschneider

Der Obstbauer Josef Singer hat drei Speicherbecken für die Frostberegnung und Bewässerung. Dort, wo er nicht bewässern konnte, gab es einen Totalausfall.

 

Die Obstbauernfamilie Singer in Untertiefenbach führt seit vielen Jahren genaue Aufzeichnungen über Niederschläge und Tagestemperaturen. Ihre Zahlen bestätigen den heurigen Extremhitze-Sommer. In der ersten August-Hälfte gab es lediglich 15 Liter Regen pro Quadratmeter. Im Juli waren es nur 26 Liter. Dazu kam ein Temperaturhöchstwert von 38 Grad und fast jeder Tag mit über 30 Grad.

Der 50 Jahre „alte“ Teich

Ohne Beregnung würde es heuer katastrophale Ernteeinbußen geben. Dass es nicht dazu gekommen ist, dafür sorgen gleich drei Speicherbecken. „Den ersten haben bereits meine Eltern vor 50 Jahren angelegt“, berichtet Josef Singer. „Im Vorjahr haben wir begonnen, diesen Teich zu sanieren. Dank der Unterstützung durch das Land Steiermark war das möglich. Dieser Teich liegt am tiefsten Punkt, wohin das meiste Waser wieder zurückfließt.“

Die zwei anderen Speicherbecken wurden in den Jahren 2018 und 2021 errichtet und waren eine Folge der Frostschäden in den Jahren 2015 und 2017. „Wir arbeiten sehr wassersparend und nachhaltig. Das gesammelte Wasser wird im Kreislauf geführt“, erzählt der 38-jährige Oststeirer und berichtet, dass man fast flächendeckend von der Überkronenbewässerung auf die Tröpfchenbewässerung übergegangen sei oder die Tröpfchenschläuche derzeit gerade verlege.

Ausgelegt ist das Beregnungs- und Bewässerungssystem auf eine Fläche von elf Hektar. Weitere 1,8 Hektar vom Hof entferntere Apfelkulturen werden mittels Tröpfchenbewässerung von der Ortswasserleitung in der Nacht mit Wasser versorgt. Singer sagt: „Diese Beregnung steuere ich mit dem Handy für etwa eine Stunde in der Nacht. Und zwar deshalb, weil in der Nacht wenig Wasser von der Bevölkerung benötigt wird.“

Vergebene Mühe

Auf den zwei Hektar ohne Beregnung gab es infolge der Trockenheit heuer einen Totalausfall. „Beim Spätfrost im Frühjahr haben wir diese Anlage noch beheizt und retten können. Und jetzt haben wir gar nichts!“

Das Heizen und Räuchern mittels Paraffinkerzen zur Abwehr des Frostes, die Frostberegnung und jetzt die Bewässerung fordern ihn gleichermaßen. Sie sind teuer und für den Obstbauern und seine Familie eine physische und psychische Belastung. Der junge Obstbauer dazu: „Auch jetzt im Juli und August heißt es, in der Nacht aufbleiben und arbeiten. Man studiert die Wetterprognosen und fragt sich, welche Kulturen das Wasser am dringendsten benötigen.“ Sepp Singer wird kurz still und nachdenklich: „Und man fragt sich, wieviel Wasser man überhaupt noch hat. All das fordert einen sehr.“ Sein Nachsatz: „Jetzt hoffen wir, dass der Winter die Speicher wieder füllt.“

Direktvermarktung

Die am Hof erzeugten Produkte – Erdbeeren, Kirschen, Marillen, Heidelbeeren, Weichsel, Pfirsich, Zwetschken, Birnen, Äpfel, Säfte, Nektar, Edelbrände, Most, Apfelessig, Kernöl, Dörrobst – werden direkt vermarktet. „So können wir den Konsumenten auch vermitteln, dass zum Beispiel ein Apfel mit Berostung keinen Qualitätsmangel hat. Im Handel ist das nicht möglich“, merkt der Obstbauer an.

 

Zur Person

Josef Singer (38) wohnt in Untertiefenbach 30, 8224 Hartl. Er ist verheiratet mit Victoria und Vater von drei Kindern. Der Betrieb umfasst 15 Hektar Obst, 5 Hektar Acker und10 Hektar Wald. Erzeugt werden Frischobst (Erdbeeren, Birnen, Äpfel u.v.a.m.), verarbeitete Obst-Produkte und Kürbiskernöl. Der eigene Hofladen ist immer von Montag bis Samstag von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Josef Singer ist Vorstandsmitglied im Verband Steirischer Erwerbsobstbauern und Gemeinderat. Bis heuer war er Landeskammerrat. Kontakt: singer-obsthof.at

 

 

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