Bauer der Woche: Harald Ertl

von NEUES LAND

Unzählige Auszeichnungen und sensationelle zehn Landessieger-Titel hat der Oststeirer Harald Ertl mit seinen Edelbränden erzielen können. Ein Portrait von Roman Bruckner.

Den Hof vulgo Spies in Staudach hat Harald Ertl im Jahr 1990 von seinen Großeltern übernommen. Da war er 19 Jahre alt und gerade mit der Ausbildung in Raumberg-Gumpenstein fertig geworden. Sechs Milchkühe und das Jungvieh waren am Betrieb vorhanden. Vom Vater, der Obstbaumeister ist, hat er die Liebe zum Obst geerbt und so hat er bald mit der Umstellung auf Obstbau begonnen. Ertl hat die übrige Äcker und Wiesen verpachtet und einen Arbeitsplatz in Staudach bei der damaligen Firma Vanicek-Trocknungstechnik gefunden. 1999 hat Harald Ertl dann seine fleißige Frau Anna geheiratet, die beiden Kinder Alexander und Karin haben die Familie bald komplett gemacht. Die Großeltern wurden bis zu ihrem Tod 2020 lange betreut. Die Eltern, die nicht am Hof leben, haben immer viel mitgearbeitet und sind auch heute noch oft dabei.

Der Landwirt hat mittlerweile die Obstbaufläche reduziert. Es ist trotzdem noch viel Arbeit für die ganze Familie zu schaffen, vor allem am Wochenende und im Urlaub. Der katastrophale Windwurf im September 2024 hat einen Teil der zehn Hektar Waldfläche vernichtet und zusätzliche Arbeit für Jahre geschaffen.

Edelbrand

Mit dem Brennen hat Harald Ertl im Jahr 1995 begonnen – zuerst mit einem kleinen, einfachen Gemeinschaftskessel und ab 1999 mit einer 110 Liter-Anlage der Marke Holstein mit Dephlegmator, Holzfeuerung und zusätzlicher E-Heizung zum Aufheizen. Der begabte Techniker, der seit dem Jahr 2000 bei der Firma Binder Anlagenbau in Gleisdorf arbeitet, hat natürlich in der Brennerei nur die beste Technik eingebaut. Alles wird perfekt überwacht und gesteuert. Besonders bei der Maischebereitung kann man wirklich von High-Tech sprechen. Die Edelstahltanks mit Rührwerk können sowohl beheizt als auch gekühlt werden. „Das perfekte Obst und die richtige Maischebehandlung sind das Um und Auf der Qualitätserzeugung“ erklärt der Fachmann.

Grundlage für die Maische

Harald Ertl erntet die Früchte in der Genussreife , dann wenn man so richtig herzhaft hineinbeißen möchte. Die Birnen werden händisch entstielt und die Zwetschken maschinell entsteint. Kaum ist die Gärung abgeschlossen, wird schon gebrannt. Heuer war er bereits Mitte November mit dem Brennen fertig. Nach dem Brennen reift der Brand einige Wochen im Tank, dann wird er auf 40 Prozent Alkoholgehalt verdünnt und nach einer weiteren Lagerzeit filtriert und in Flaschen gefüllt.

Insgesamt werden fünf Edelbrände erzeugt: zwei Apfelbrände der Sorten Golden Delicious und Maschanzker, zwei Birnenbrände der Sorten  Williams und Hirschbirne und ein Hauszwetschkenbrand. Dazu gibt es noch drei Liköre von Heidelbeere, Kirsche und Edelweichsel. Die Vermarktung erfolgt hauptsächlich ab Hof. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit werden sehr viele Geschenkpackungen bestellt. Mit seinen Edelbränden hat der 54-jährige Oststeirer im Laufe der letzten 25 Jahre schon unzählige Auszeichnungen und sensationelle zehn Landessieger-Titel erzielen können.   

Der engagierte Obstverarbeiter ist stolz auf seinen Betrieb. Besonders freut es ihn aber, dass Sohn Alexander – er arbeitet in der Softwarebranche – großes Interesse zeigt. Er hat bereits die Abendschule in der Fachschule Kirchberg besucht und vor Kurzem den landwirtschaftlichen und den forstwirtschaftlichen Facharbeitertitel erhalten. Als gemeinsames Projekt haben Vater und Sohn im letzten Jahr rote und gelbe Williamsbirnen und Hirschbirnen auf Spindel neu gepflanzt und heuer schon eine kleine Menge davon gebrannt.

Zur Person

  • Ing. Harald Ertl (54)
  • Staudach 3, 8230 Greinbach
  • Verheiratet mit Anna, zwei Kinder
  • 11,5 Hektar LN (davon 2 Hektar Apfel, Birnen und Holunderanlagen sowie Streuobst) und 9,5 Hektar Wald
  • 110 Liter Brennanlage mit Abfindungsbrennrecht
  • www.obstbau-ertl.at

 

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