Gerald Löffler bewirtschaftet mit seiner Familie hoch über Graz einen Mutterkuhhaltungsbetrieb und hat als neuer Landeskammerrat klare Ziele. Porträt von Roman Bruckner.
Von der Wallfahrtskirche Mariatrost fährt man 2,5 Kilometer den Berg hinauf auf die sogenannte Platte. Hier findet man die beiden Höfe vom vulgo „Plattn Hansl“. Seine Ehefrau Tina hat den Hof ihrer Eltern, der Luftlinie 400 Meter entfernt liegt, mit in die Ehe gebracht. Dort sind auch der neu gebaute Stall für seine Mutterkühe und der Erdäpfelacker für die Direktvermarktung.
Gerald Löffler ist am elterlichen Betrieb aufgewachsen und hat die Volks- und Hauptschule im Grazer Stadtteil Mariatrost besucht. Ab 1997 war er dann zwei Jahre in der damaligen Fachschule Alt-Grottenhof. Danach folgte eine vierjährige Lehre als Kältetechniker bei der Firma Linde. Nach dem Bundesheer stieg er wieder in den Beruf ein und absolvierte berufsbegleitend den Facharbeiterkurs im Steiermarkhof (2013). Heute arbeitet der 43-Jährige bei der Firma KLM – Gastro und Großkücheneinrichtung im Bereich Kältetechnik für 20 Stunden in der Woche.
Zuerst Wagyu-Rinder, dann Murbodner
Aber seine Hauptaufgabe ist der eigene Betrieb, wo beide Familien zusammenhelfen, da die Ehefrau ebenfalls berufstätig ist. Sie ist Doktorin der Biochemie und leitet eine Firma im Bereich Parkinson und Alzheimer Forschung. Auch die beiden Kinder Isabella und Maximilian haben mit zehn und zwölf Jahren ihre Aufgaben am Hof. Eine wichtige Person im Familienverband ist sein Onkel Siegfried Weinkogl. Er ist den meisten Rinderbauern in der Steiermark bekannt, war er doch lange Zeit ein wichtiger Partner und Vordenker im Qualitätsrindfleischbereich der Firma Tann beziehungsweise Spar. Immer wieder hat er bei seinem Neffen neue Ideen in dessen Stall ausprobiert. So hat Gerald Löffler lange Zeit die Rasse Wagyu gehalten, die für beste Fleischqualität bekannt ist. In letzter Zeit stellt er aber auf Murbodner um, weil die Wagyu-Rinder einfach zu langsam wachsen. Vermarktet werden Ochsen und Kalbinnen hauptsächlich an den Weizer Schlachthof.
Die landwirtschaftliche Nutzfläche ist fast ausnahmslos Grünland, das für Heu, Silage sowie Weide genutzt wird. Lediglich auf 2000 Quadratmetern werden Erdäpfel erzeugt, die in der Gegend sehr gefragt sind. Am Feldrand steht eine kleine SB-Verkaufshütte, wo die Erdäpfel und Honig von den eigenen Bienenvölkern gekauft werden können. Zwei Schweine und ein Dutzend Legehennen werden noch zur Eigenversorgung gehalten.
Der Werdegang zum Jäger
Ein wichtiges Standbein ist auch der Wald. In den letzten Jahren mussten viele Schäden aufgearbeitet werden. Sonst setzt der fleißige Bergbauer auf Naturverjüngung und Einzelstammentnahme. Die Holzheizungen im Familienverband brauchen natürlich auch einiges an Brennholz. „Wegen des Wildverbisses hab ich einige Diskussionen mit den Jägern gehabt, bis sie gesagt haben, du wirst am besten selber Jäger“, erzählt er und ist dann auch vor sechs Jahren Jäger geworden. Heute ist er ein begeisterter Weidmann und in zwei Revieren tätig, weil seine beiden Betriebsstätten jeweils in Andritz und Mariatrost liegen.
In sein neues Aufgabengebiet in der Landeskammer möchte er die Erfahrungen vom eigenen Betrieb und der eigenen Region einbringen. Als Bauer in einem Naherholungsgebiet einer Großstadt hat er viel mit Spaziergängern und Radfahrern zu tun. Da gibt es oft Probleme, so möchte er für mehr Regeln und Informationen für diese Leute eintreten. Weitere wichtige Themen sind für ihn die Kennzeichnungspflicht in der Gastronomie und die übertriebenen Auflagen und Erschwernisse für Landwirte, die etwas bauen wollen.
In seiner Freizeit war der begeisterte Harmonikaspieler zusammen mit seinem Bruder als Duo bei Festen und Hochzeiten viel unterwegs. Heute spielt er nur mehr bei privaten Anlässen, damit genug Zeit für die Jagd und die kleinen Urlaube mit der Familie bleibt.
Zur Person
Gerald Löffler (43) wohnt in Plattensteig 10, 8043 Graz-Mariatrost. Er ist verheiratet mit Tina und ist Vater von zwei Kindern. Er ist Kältetechniker und Landwirt. Sein Betrieb umfasst 11 Hektar Grünland, 0,2 Hektar Kartoffel und 9 Hektar Wald sowie 15 bis 20 Rinder. Seit heuer ist er Landeskammerrat.