Veronika Hauptmann betreibt mit ihrem Mann Johannes eine Biogasanlage in Bad Blumau, mit der 1200 Haushalte mit Strom und teilweise mit Wärme versorgt werden. Porträt von Roman Bruckner.
Heute besuchen wir Veronika Hauptmann in Bad Blumau. Die 42-Jährige ist in der Marktgemeinde Grafendorf auf einem Bauernhof aufgewachsen. Ihr erstes Ziel war es nicht, Bäuerin zu werden, sondern Kindergärtnerin. Nach Abschluss der Ausbildung mit Matura hat sie aber noch ein Kolleg für Sozialpädagogik in Eggenberg angehängt. Die ersten sechs Jahre ihres Arbeitslebens war sie dann im Familienentlastungsdienst tätig.
Wohnen im Vierkanthof
Aber wie so oft bei den heutigen Bäuerinnen hat dann die Liebe zum Beruf der Bäuerin geführt. Sie lernte Johannes kennen. 2009 heirateten sie, 2011 kam Sohn Leonhard auf die Welt. Heute haben sie drei Kinder und leben zusammen mit den Eltern des Mannes, von denen sie den Hof 2014 übernommen haben, im perfekt restaurierten Vierkanthof im Ortszentrum. Die Eltern arbeiten noch fleißig mit, es gibt aber auch acht Fremdarbeitskräfte am Betrieb sowie Praktikanten.
Arbeitsweise der Biogasanlage
„Die Biogasanlage ist das Herzstück unseres Betriebes. Mit ihr erzeugen wir Strom und Wärme, und das Restprodukt, die Biogasgülle, ist der wertvolle Dünger für unsere Felder“, erklärt sie mit viel Fachwissen. So eine Biogasanlage muss täglich gefüttert werden, wie die Tiere im Stall. Das Futter ist hauptsächlich Silomais, aber auch Grünschnitt, biogene Reststoffe sowie Gülle und Stallmist aus der Region. Im sogenannten Fermenter wird das Material von speziellen Bakterien vergoren. Dabei entstehen Methangas und Wärme. Mit dem Gas wird ein Gasmotor betrieben, und der treibt wiederum einen Generator an, der den Strom erzeugt. Als Nebenprodukt entsteht dabei Wärme. Der Strom wird an den Netzbetreiber verkauft und die Wärme in ein eigenes Fernwärmenetz in Bad Blumau geliefert. Für die Zukunft steht auch die Lieferung des Gases ins Erdgasnetz zur Diskussion, weil Österreich dadurch vom russischen Gas unabhängiger werden kann. Nach drei bis vier Tagen ist das Material ausgegast und geht als Substrat in einen riesigen Güllebehälter. Von dort wird es zweimal im Jahr als wertvoller Dünger auf die Felder verbracht.
Steirischer Ölkürbis
Neben Silomais und Getreide ist der Ölkürbis eine sehr wichtige Feldkultur für die begeisterte Kürbisbäuerin. Auf 40 Hektar wächst der Steirische Ölkürbis, Dafür gibt es eine eigene Erntemaschine, Wasch- und Trocknungsanlage. Das vielfach ausgezeichnete Kernöl erhält man im eigenen Hofladen, in einigen Geschäften und Gasthäusern sowie in der Therme Blumau. Darauf ist sie besonders stolz. „Wie ich dem Haubenkoch in der Therme vor fünf Jahren das erste Mal eine Probe zum Vergleichen gebracht habe, hat er sich gleich für unseres entschieden“, erklärt sie. Sie macht dort oft Präsentationen und zeigt den Gästen, welch wertvolle Lebensmittel in der Oststeiermark erzeugt werden.
Der Alltag der aktiven Bäuerin ist dicht gefüllt. Veronika Hauptmann ist sozusagen die Bürozentrale des großen Agrarbetriebes. Sie macht die Buchhaltung, den Geschäftsverkehr und verwaltet die Vermarktung und die Fremdarbeitskräfte. Dazu kommen die Kinder und der Haushalt. Ab 11 Uhr wird täglich gekocht. Beim Mittagstisch sitzen oft zehn Personen. Die drei polnischen Arbeiter, die im Haus wohnen, essen auch mit der Familie mit.
Familienleben
Am Nachmittag ist sie viel mit den Kindern unterwegs. Das verbindet sie aber oft mit Zustellungen, Besorgungen und dem wöchentlichen Besuch bei ihrer Mutter in Grafendorf. Ihr Mann Johannes ist sehr viel unterwegs und ist höchster Funktionär für Biogas als Obmann im Kompost & Biogas Verband Österreich. Es ist beeindruckend zu erleben, wie auch in dieser Zeit alles bestens funktioniert, weil alle gut zusammenarbeiten und die Bäuerin in allen Bereichen kompetent und aktiv ist.
In ihrer raren Freizeit betreibt sie gerne Sport, wie Laufen, Mountainbiken und Schwimmen. Sie ist sehr gerne in der Natur, am liebsten mit ihrer Familie. Ihre Urlaube verbringen sie bevorzugt in den österreichischen Bergen und an den Seen. Das Kochen ist auch eine Leidenschaft von ihr, und natürlich gibt es zum Salat ihr Steirisches Kürbiskernöl.
Zur Person
Veronika Hauptmann (42) wohnt in der Bahnhofstraße 7, 8283 Bad Blumau. Die Biogasanlage am Betrieb leistet 500 kW Stromleistung und 700 kW Wärmeleistung. 250 Hektar Ackerbau (Silomais, Getreide, Sonnenblumen, Hirse, Ölkürbis). Hohe Eigenmechanisierung inklusive Maishäcksler, Mähdrescher Kürbisernter, Trocknung, Lagerung und eigene LKWs.
[© Bruckner]
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Veronika Hauptmann