Bäuerin der Woche: Regina Neuhold-Krainer

Nebenerwerbsbäuerin Regina Neuhold-Krainer aus Altenmarkt bei Riegersburg hat sich der Weidegänsehaltung verschrieben. Die Tiere werden am Hof geschlachtet und zur Gänze direkt vermarktet. Eine Reportage von Roman Bruckner.

von NEUES LAND

Von Juni bis November dreht sich am Krainer Biohof alles um die Gänse. Die Nebenerwerbsbäuerin Regina Neuhold-Krainer aus Altenmarkt bei Riegersburg treibt ihre 400 Weidegänse jeden Tag in der Früh auf die sonnige Weide mit herrlichem Blick auf die Riegersburg. Am Abend kommen sie dann wieder unter ohrenbetäubendem Geschnatter nach Hause in den umgebauten Stall mit Auslauf. Ab Anfang November marschieren sie stressfrei in den hofeigenen Schlachtraum, um dann bald als Bioweidegans in den Kochtöpfen der Kunden zu landen.

Sie stammt aus einer Politikerfamilie

Regina Neuhold-Krainer stammt von einem Obstbaubetrieb in der Nähe von Gnas ab. „Ich komme aus einer Politikerfamilie, da bin ich das Reden gewohnt. Mein Vater Johann Neuhold war Kammerobmann und Landtagsabgeordneter“, erklärt sie stolz mit einem Lächeln im Gesicht und ergänzt: „Da kann ich mit den Gänsen beim Schnattern leicht mithalten.“ Nach der Volks- und Hauptschule in Paldau hat sie die HBLFVA Schönbrunn für Gartenbau 1996 absolviert. Nach einem ausgedehnten Praktikum in Norddeutschland und der pädagogischen Ausbildung in Ober St. Veit hat sie 1998 als Lehrerin in der Gartenbauschule Großwilfersdorf begonnen. Dort unterrichtet sie die Fächer Gemüsebau, Religion und Botanik.

Dazwischen hat es aber eine lange Pause gegeben – der Liebe wegen, wie die meisten Bäuerinnen sagen. 2006 hat sie ihren Ehemann Franz Josef Krainer geheiratet, am Hof wurde ein Haus dazugebaut, und die erste Tochter kam zur Welt. Im Laufe der Jahre sind dann noch zwei Töchter und als Jüngster ein Sohn dazu gekommen. Dieser besucht gerade die Fachschule Kirchberg, wo auch der Papa unterrichtet. Nach 14 Jahren ist die heute 52-Jährige wieder zurück in den Beruf eingestiegen.

Schwerpunkt Gänsehaltung

In dieser Zeit zu Hause wurde der Betrieb von der Mutterkuhhaltung zuerst auf Schaf- und dann auf Gänsehaltung umgestellt. Mittlerweile schnattern die Gänse seit fast 20 Jahren am Hof. Der Anfang war schwer. Es gab wenig Informationen und Erfahrungen. Die burgenländischen Halter waren ob der neuen Konkurrenz aus der Steiermark wenig erfreut und gaben kaum Informationen weiter. Nur vom Schlachtbetrieb und von der steirischen Kammer gab es Unterstützung. Mit der Erfahrung ist dann die Herde gewachsen, bis auf 600 Stück im stärksten Jahr. Heute sind es 400 Gänse der Rasse „Eskildsen schwer“. 

Mit der Schlachtung gab es von Anfang an Probleme, sodass 2018 ein eigener Schlachtraum gebaut wurde. Von Anfang bis Mitte November ist Schlachtzeit, da werden bis zu hundert Gänse am Tag geschlachtet. Das ist dann ein Projekt für die ganze Familie. Die große Herausforderung ist allerdings der Verkauf. Es gibt keinen Händler. Alles wird direkt vermarktet. 80 Prozent gehen an die eher gehobene Gastronomie und 20 Prozent an Privatkunden.

Kunden schätzen die artgerechte Haltung

Die Kunden schätzen vor allem die heimische Herkunft und die artgerechte Biohaltung. Wenn die Gänse Anfang Juni eingestallt werden, sind sie noch kleine Küken. Nach fünf Wochen im Stall kommen sie auf die Weide, wo auch Getreide und Mais dazu gefüttert werden. Sie brauchen viel Wasser. Es muss kein Teich oder Tümpel sein, aber genug Platz an der Tränke, dass sich jede immer wieder ihren Schnabel waschen kann. Bei der Schlachtung wiegt eine Gans vier bis fünf Kilo. Das ergibt einen wunderbaren Braten für eine größere Familie oder eine Freundesrunde. Das ist auch das Lieblingsgericht der temperamentvollen Gänsebäuerin.

Neben der Arbeit und der Familie ist der Garten ihre große Leidenschaft. „Mein Garten ist ein Naturgarten. Es wuchert, blüht und duftet überall. Er ist für uns Erholungsraum und für viele Tiere ein Lebensraum“, erklärt die Fachfrau. Die fünf eigenen Bienenvölker schätzen ihn genauso wie die Ziegen und Esel, die immer wieder ausbüchsen und dann bevorzugt die Rosen fressen. Abschließend kann man sagen, dass die Familie aus einem kleinen Hof, der eigentlich zum Aufgeben verurteilt wäre, einen wunderschönen Lebens- und Arbeitsraum geschaffen hat, um den sie von vielen Menschen beneidet wird.

Zur Person

  • Regina Neuhold-Krainer (52)
  • 8333 Altenmarkt bei Riegersburg 8a
  • Verheiratet, vier Kinder
  • Betrieb mit sieben Hektar Grünland und drei Hektar Wald
  • 400 Bio Weidegänse, Perlhühner und Legehennen
  • Bestellungen unter 0676 88992511 bis Martini möglich

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