Bäuerin der Woche: Gertrude Gamperl

Schon zweimal war der Betrieb Gamperl der leistungsstärkste Betrieb der Viehzuchtgenossenschaft Friedberg. Darauf ist Gertrude Gamperl besonders stolz. Eine Reportage von Roman Bruckner.

von NEUES LAND

Gertrude Gamperl aus Götzendorf in der Gemeinde Schäffern bewirtschaftet mit ihrem Mann einen Milchviehbetrieb im Dreiländereck von Steiermark, Burgenland und Niederösterreich. „Von unserem Hof aus sind wir in drei Minuten mit dem Auto jeweils in Niederösterreich oder im Burgenland“ erklärt sie. Mit einem Lächeln fügt sie an: „Wir sind lebende Steirer, burgenländische Pächter und tote Niederösterreicher, weil unsere Pfarre mit dem Friedhof dort liegt.“

Betriebsübernahme

Die 43-Jährige ist am Hof aufgewachsen. Ihr Mann Markus hat 2011 eingeheiratet und 2012 haben sie den Betrieb vulgo Schusterhansl von ihren Eltern übernommen. Ihre Schwester und ihr Bruder wohnen jeweils im niederösterreichischen und burgenländischen Nachbardorf. Nach der Pflichtschule hat sie die einjährige Hauswirtschaftsschule in Friedberg absolviert und anschließend eine Lehre als Einzelhandelskauffrau gemacht. Ihr Lehrplatz war in Bad Schönau in Niederösterreich. Ihr nächster Arbeitgeber war die Firma Billa und wie zu erwarten, hat sie dort in drei Filialen jeweils in den drei Bundesländern gearbeitet. Zum Schluss war sie Filialleiterin in Pinggau. Mit der Geburt des ersten Kindes hat sie ihre Berufskarriere im Handel beendet und ihren Arbeitsplatz zu Hause am Hof eingerichtet. Ehemann Markus arbeitet bis heute im Lagerhaus Wiesfleck im Burgenland. Die beiden Söhne sind heute acht und zehn Jahre alt und schon begeisterte Mitarbeiter im beträchtlich gewachsenen Betrieb.

Gertrude am Traktor

Achtzig Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und zehn Hektar Wald werden zum Großteil mit eigenen Maschinen bearbeitet. Die Hälfte ist jeweils Ackerland und Grünland. Durch die außerlandwirtschaftliche Arbeit des Mannes fährt sie überdurchschnittlich viel mit den Maschinen am Feld. Ihr Hauptaufgabengebiet und ihre Leidenschaft ist aber der Rinderstall. Mit ihren 28 Milchkühen der Rasse Fleckvieh erreicht sie einen Stalldurchschnitt von 11.000 Kilo Milch je Kuh. Schon zweimal war der Betrieb Gamperl der leistungsstärkste Betrieb der Viehzuchtgenossenschaft (VZG) Friedberg.

Zwei 100.000 Liter-Kühe

Die VZG Friedberg hat 2025 ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Im Grenzgebiet stark verankert, bestehen auch sehr gute Kontakte zu den Züchtern in den Nachbarbundesländern. Im nächsten Jahr organisiert die VZG Friedberg wieder eine große Wechselland-Rinderschau, bei der auch niederösterreichische VZG’s eingebunden sind und natürlich wird dort auch die eine oder andere Kuh vom Betrieb Gamperl zu sehen sein. Das Rezept für ihren Erfolg im Stall sind einfach die Freude an der Arbeit mit den Rindern, viel Tierbeobachtung, genaues Management und „der Futtertisch darf nie leer sein“. Besonders stolz ist die sympathische Vollblutbäuerin auf ihre beiden 100.000 Liter-Kühe.

Familienmensch und Gemeindebäuerin

Neben der Landwirtschaft ist der Haushalt sehr wichtig für die fürsorgliche Mutter. Da schaut sie, dass die drei Herren der Familie jeden Tag gut speisen und ihr schönes Zuhause genießen können. Ihr Lieblingsplatz ist hinter dem Wohnhaus beim Pool, wo sie gerne die Kinder beim Baden beobachtet. Ein spezielles Hobby braucht sie nicht, da „der Tag bereits sehr ausgefüllt ist“. Eine kleine Leidenschaft von ihrem früheren Beruf hat sie sich erhalten. Das ist der Handel mit Naturgewürzen. Ihre Kompetenzen hat man in der Gemeinde auch schon erkannt und so ist sie mittlerweile die Gemeindebäuerin von Schäffern, einer flächenmäßig großen Gemeinde mit vielen bäuerlichen Betrieben.

Für die Zukunft wünscht sie sich Harmonie in Familie und Betrieb und „dass alles so gut läuft wie die Zahnräder in einem Getriebe“.

Zur Person

  • Gertrude Gamperl (43)
  • Götzendorf 20, 8244 Schäffern
  • Verheiratet mit Markus, zwei Söhne
  • 80 Hektar LN, 10 Hektar Wald
  • 65 Rinder, davon 28 FV-Milchkühe
  • 2025 bester Betrieb der VZG Friedberg

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