Am heimischen Eiermarkt bleibt die Lage weiterhin außergewöhnlich angespannt. Die Nachfrage ist bei allen Haltungsformen hoch, während das verfügbare Angebot begrenzt ist.
Da Ostern heuer früh stattfindet und die Nachfrage nach gefärbten Eiern besonders stark ist, kann der Bedarf an österreichischer Ware derzeit schwer gedeckt werden. Bevor ein Ei im Supermarkt landet, durchläuft es einen komplexen, genau abgestimmten Produktionsprozess. Zu Beginn stehen die Brütereien, in denen die Küken schlüpfen. Es folgt die Aufzucht zu Junghennen, die später zu legereifen Legehennen heranwachsen. Erst dann gelangen sie zu den Betrieben, wo sie mit der Eierproduktion beginnen. Anschließend werden die Eier in zertifizierten Packstellen sortiert, geprüft und verpackt. Eine zeitkritische Logistik sorgt dafür, dass sie frisch und zuverlässig im Handel ankommen. Alle Produktionsschritte greifen eng ineinander. Bereits geringe Störungen – etwa Verzögerungen in der Junghennenaufzucht, Probleme in der Legehennenhaltung oder Unterbrechungen in der Logistik – lassen sich kurzfristig kaum ausgleichen. Höhere Mengen können zudem nur dann produziert werden, wenn langfristige und stabile Vereinbarungen zwischen Landwirten, Vermarktern und Handel bestehen. Investitionen in moderne, tiergerechte und umweltfreundliche Haltungssysteme rechnen sich nur, wenn auch die Absatzsicherheit gegeben ist. Daher ist bis Ostern nicht mit einer deutlichen Entspannung der Marktsituation zu rechnen. Erst nach dem saisonalen Nachfragehöhepunkt ist eine langsame Normalisierung zu erwarten.
Erneute Eierknappheit zu Ostern
Die aktuelle Engpasssituation hat mehrere Ursachen. Während der Pandemie kam es auf vielen Märkten zu starken Preisschwankungen – auch beim Konsumei. Die deutlich gestiegenen Energie- und Futtermittelkosten infolge des Krieges in Osteuropa stellten zahlreiche Eierproduzenten vor große wirtschaftliche Herausforderungen. Einige reduzierten ihre Produktion, oder stellten sie vorübergehend ganz ein. In Österreich stagniert der Legehennenbestand erstmals seit dem Ausstieg aus der Käfighaltung im Jahr 2029. Hinzu kommen europaweit hohe Verluste durch die Vogelgrippe. Dadurch fehlen Legehennen, die dringend für die Produktion notwendig wären. Der Wiederaufbau dieser Bestände wird mindestens über die Sommermonate andauern.
Saisonaler Bedarf
Zu saisonalen Spitzenzeiten wie Ostern sind Engpässe grundsätzlich üblich. Heuer werden sie jedoch durch die strukturellen Probleme der vergangenen Jahre verstärkt. Für Konsumentinnen und Konsumenten, die sich rechtzeitig mit Eiern für das Osternest versorgen, besteht dennoch kein Grund zur Sorge: Die Branche reagiert rasch und verarbeitet aktuell nur geringe Mengen zu Flüssig- oder Trockenei für die Backwarenindustrie.
Wie lange dauert die Knappheit noch an?
Die weitere Entwicklung hängt vor allem davon ab, wie schnell sich die durch die Vogelgrippe dezimierten europäischen Bestände an Legehennen und Elterntieren erholen und ob die Eierproduktion für österreichische Betriebe unter den aktuellen Kostenstrukturen rentabel ist. Solange diese Faktoren nicht stabil sind, bleibt die Versorgungslage angespannt. Erst nach Ostern wird eine allmähliche Beruhigung des Marktes erwartet.