Auch Asiaten arbeiten auf steirischen Obstbaubetrieben

von Karl Brodschneider

Viele steirische Obstbauern liebäugeln damit, Saison-Arbeitskräfte aus anderen Herkunftsländern wie bisher zu rekrutieren. Erntehelfer aus Asien werden voraussichtlich mehr werden.

 

Bis dato gab es noch nie einen Verbandstag des Verbandes Steirischer Erwerbsobstbauern, bei dem das Thema der Saisonarbeitskräfte so sehr im Mittelpunkt stand wie heuer. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Im Obstbau arbeiten fast alle Betriebe mit Fremd-Arbeitskräften. Die von Geschäftsführer Herbert Muster vorgestellten Ergebnisse einer Mitglieder-Umfrage verdeutlichten die Situation. Viele Betriebe haben zwar Stamm-Arbeitskräfte, aber 50 Prozent der Obstbauern arbeiten zumindest teilweise mit Agenturen oder Vermittlern zusammen. 80 Prozent der Helfer kommen aus dem EU-Raum, fünf Prozent aus der Ukraine, die restlichen 15 Prozent aus dem Kosovo, Serbien und neuerdings auch aus Asien.

Laut Umfrage war nur die Hälfte der Obstbauern mit ihren ausländischen Arbeitskräften zufrieden. Immer öfters kommt es vor, dass Saison-Arbeitskräfte vorzeitig ihren Dienst beenden. Heuer gab es in der Steiermark einige Betriebe, die bis zu dreimal ihre gesamte Mannschaft tauschen mussten. Es kommt immer wieder zu nicht vereinbarten Geld-Nachforderungen. Auch der Alkoholmissbrauch spielt eine Rolle.

Erfahrungsbericht

Daher lässt ein Umfrage-Ergebnis besonders aufhorchen: ein Viertel aller Betriebe will die Herkunftsländer ihrer Mitarbeiter ändern. Das ist aber auch für die Politik und Interessensvertretung herausfordernd, denn das Kontingent für Saison-Arbeitskräfte aus Drittstaaten ist in Österreich begrenzt. Im Vorjahr waren in der Steiermark schon einige Mitarbeiter aus Vietnam, Nepal oder Sri Lanka im Einsatz. Obstbäuerin Sabine Schreiner aus Klettendorf berichtete beim Verbandstag: „Wir hatten fünf Männer aus Sri Lanka bei uns. Sie waren unglaublich nett und zuverlässig. Weder mit dem Essen noch mit der Sprache gab es unüberwindbare Schwierigkeiten. Wir werden sicher auch 2026 wieder mit Asiaten arbeiten!“

Beschäftigungsmodelle

Für Verbandsobmann Manfred Kohlfürst wird das Thema der Fremd-Arbeitskräfte umso mehr schlagend, je besser die Ernte ist. Er kündigte für die Mitglieder ein eigenes Webinar zu diesem Thema an. Schon bei den Beschäftigungsmodellen – Vermittlung von Arbeitskräften, Entsendung und grenzüberschreitende Arbeitskräfte-Überlassung, Arbeitgeberzusammenschluss, Arbeitskräfte-Überlassung von Bauer zu Bauer – gibt es große Unterschiede. Die Bauern haben dabei viele Dinge zu beachten, speziell die steuerrechtlichen Aspekte.

Kohlfürst mit Pein

Verbandsobmann Manfred Kohlfürst (links) mit Vizepräsidentin Maria Pein und Geschäftsführer Herbert Muster.

Der Verbandstag machte klar, dass die Flächen der meisten Obstarten in der Steiermark weiterhin im Abnehmen sind. Auch die Mitgliederzahlen sinken. Sie liegen aktuell bei 872, vor einem Jahr waren es noch 899 Verbandsmitglieder.

 

[© NL]

 

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