Die Singwoche im Bildungshaus Schloss St. Martin feiert den „50er“. Ihr Leiter Thomas Held über Atmosphäre, Stimmung und Glück.

NEUES LAND: Wie sind Sie zur Singwoche gekommen?

Thomas Held: Ich durfte im Jahr 2009 als Leiter einspringen, weil ich den Veranstaltern empfohlen worden bin und habe mich sehr geehrt gefühlt. Das nicht zuletzt deshalb, weil mir Kurt Muthspiel, der Gründer der Singwoche natürlich ein Begriff war – er galt als eine prägende Persönlichkeit im steirischen Chorleben. Aus dem Einspringen ist dann erfreulicher Weise mehr geworden, ich bin seit damals in dieser Funktion geblieben.

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NL: Hat die nun jubilierenden Singwoche so etwas wie ein Erfolgsgeheimnis?

Held: Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehen das alles als Wohlfühlwoche mit starkem Gemeinschaftserlebnis und sind von der großartigen Atmosphäre im Schloss begeistert, im schönen Innenhof unter der großen Linde – das ist absolut einzigartig. Ausgleich und Entspannung spielen wichtige Rollen – und natürlich auch die Vielfalt unseres Singens. Wir setzen auf viele, sehr unterschiedliche Richtungen, die Palette reicht von Volkskultur bis Hochkultur, von Renaissance bis Pop.

NL: Eine ganze Woche lang beim großen Singen und Musizieren Regie führen – ist das nicht auch eine sportliche Herausforderung für den Leiter?

Held: Es fordert ganz schön, als Chorleiter mit 70 Leuten im Schnitt etwa fünf Stunden am Tag zu arbeiten. Aber all die Energie, die man reinsteckt, kriegt man aus einer großen, freuderfüllten Gruppe wieder zurück. Außerdem habe ich hier ein tolles Referententeam um mich herum, dass zusätzlich ein breites Spektrum an diversen künstlerischen Disziplinen anbietet – darstellendes Spiel, instrumentales Musizieren, Jodeln, Malerei, kreatives Tanzen und Volkstanzen.

NL: Sie haben von 70 Teilnehmern gesprochen – wer sind die Gäste bei dieser Woche und von wo kommen sie her?

Held: Ein großer Teil ist Stammpublikum. Vorwiegend über Mundpropaganda stoßen auch immer wieder neue Leute zu uns und einige erfahren aus den Medien davon. Schön ist, dass manche von weit her zu uns kommen – eine Dame aus den Niederlanden ist zum Beispiel schon das 46. Mal dabei.

NL: Singen machte in den letzten Jahren immer wieder positive Schlagzeilen – auch, weil es angeblich glücklich macht. Können Sie dem zustimmen?

Held: Absolut – das entspricht auch meinen Erfahrungen. In der Hektik unseres Alltags sind immer mehr Menschen auf der Suche nach Möglichkeiten, sich mit wenig Zeitaufwand etwas Gutes tun zu können. Singen ist da ein einfaches und sehr bewährtes Mittel. Es stimmt absolut, wie es auch im Volkslied besungen wird: Wo man singt, da lass dich ruhig nieder!

NL: Und es heißt auch, dass Stimme Stimmung macht …

Held: Ohne Zweifel. Singen trainiert die Stimme und trägt damit sowohl zu körperlicher Ertüchtigung als auch zum Persönlichkeitsbild bei. Menschen mit starker Stimme strahlen etwas Besonderes aus.

NL: Was bewirken all diese positiven Nachrichten für das Chorleben in der Steiermark?

Held: Ich fühle mit den Chören schon seit meiner Kindheit mit, denn mein verstorbener Vater war Musikschullehrer und Chorleiter. Die Situation für die Chöre ist sehr unterschiedlich – im städtischen Umfeld entstehen gar nicht so wenige neue, im ländlichen Raum gibt es leider manche, die um ihr Leben kämpfen. Oft liegt es daran, dass es nicht so einfach ist, einen qualifizierten Chorleiter zu finden.

Zur Person:

  • Thomas Held studierte Musik- und Instrumentalerziehung an der Kunstuniversität Graz.
  • Er ist Musikprofessor im Abteigymnasium Seckau und am BORG Kindberg.
  • Er leitet auch das Jubiläumskonzert am Freitag, den 13. Juli, um 19.30 Uhr in der Schlosskirche St.  Martin in Graz.
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