Zurück zu den alten Zeiten

Aflenz Kurort und Aflenz-Land einigten sich nicht auf einen gemeinsamen Vorschlag für den Regierungskommissär. Wen bestimmt das Land?

 

Ziemlich genau 100 Jahre später kommt es in Aflenz zu einer (teilweisen) Gemeinde-Wiederzusammenführung. Bis 1919 waren die heutigen Gemeinden Thörl, Aflenz Kurort und Aflenz-Land eine gemeinsame Kommune. Aufgrund der verschiedenen Interessen der Industrie im Bereich Thörl, des Fremdenverkehrs im Bereich Aflenz und der Landwirtschaft in den weiteren Katastralgemeinden kam es zur Trennung, die eigentlich mit Jahresbeginn 1915 hätte erfolgen sollen. Wegen des Ersten Weltkriegs passierte das Ganze erst vier Jahre später.

Während sich die Marktgemeinde Aflenz Kurort für eine freiwillige Fusion mit Aflenz-Land aussprach, gab es vom Gemeinderat von Aflenz-Land keinen derartigen Beschluss. Die Bürger von Aflenz-Land hatten sich nämlich in einer Volksbefragung mit 80 Prozent gegen einen solchen Zusammenschluss ausgesprochen. Diskutiert wurde nämlich auch die Miteinbeziehung von Turnau in eine gemeinsame neue Großgemeinde. Das hätte den Lebensverhältnissen eines Teils von Aflenz-Land besser entsprochen, wo etliche Bewohner im Turnauer Vereinswesen integriert sind. Eine solche Dreier-Lösung sah der Vorschlag des Landes nicht vor. Turnau bleibt nämlich allein.

Die Verhandlungen für die neue Marktgemeinde finden auf sachlicher und konstruktiver Ebene statt, wie die beiden Bürgermeister Hubert Lenger (Aflenz-Land) und Hanns Finding (Aflenz Kurort) betonen. Obwohl Bürgermeister Finding anmerkt, dass „die Stimmung nicht mehr so gut ist wie zu Beginn der Gespräche“. Das bestätigt auch das jüngste gemeinsam herausgebrachte Gemeinde-Informationsblatt. Darin ist zu lesen, dass es keinen einheitlichen Vorschlag für den Regierungskommissär gegeben hat.

In den nächsten Tagen wird wohl feststehen, wen das Land Steiermark ab 1. Jänner 2015 mit der vorübergehenden Führung von Aflenz betrauen wird. Für diese Person müsste das fast eine Ehre sein, denn Aflenz zählt zu den ältesten Märkten in der Steiermark. Schon 1458 ist die Markterhebung erfolgt.

 

Bezirk Bruck-Mürzzuschlag

Die Anzahl der Gemeinden im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag schrumpft mit Jahresbeginn 2015 von derzeit 37 auf künftig 19. In zwei Fällen entsteht aus vier Gemeinden eine Großgemeinde. So werden Gußwerk, Halltal, Mariazell und St. Sebastian das „neue“ Mariazell bilden. Diese Gemeinde wird 412 Quadratkilometer groß sein. Das zweite Quartett, das zu einer Kommune zusammenfließt, wird aus den Gemeinden Kapellen, Altenberg an der Rax, Neuberg an der Mürz und Mürzsteg gebildet.

Dreier-Fusionen betreffen die Gemeinden Etmißl, Sankt Ilgen und Thörl sowie Allerheiligen im Mürztal, Kindberg und Mürzhofen. Die dritte Dreier-Fusion hat durch die Namensnennung der künftigen Großgemeinde schon für viel Medienaufsehen gesorgt, denn Mitterdorf im Mürztal, Veitsch und Wartberg im Mürztal bilden künftig die Gemeinde St. Barbara.

Sechsmal kommt es zu Zweier-Lösungen: Aflenz Kurort mit Aflenz-Land, Bruck an der Mur mit Oberaich, Kapfenberg mit Parschlug, Frauenberg mit St. Marein im Mürztal, St. Katharein an der Laming mit Tragöß, Ganz mit Mürzzuschlag. Selbständig wie bisher bleiben Turnau, Breitenau am Hochlantsch, Pernegg an der Mur, St. Lorenzen im Mürztal, Stanz im Mürztal, Krieglach, Langenwang und Spital am Semmering.

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