„Wir spüren einen starken Aufwind“

Die Ferienzeit naht. Astrid Schoberer vom Landesverein „Urlaub am Bauernhof“ über aktuelle Trends und ganz neue Chancen.

NEUES LAND: Fragen der Sicherheit prägen, so hört man in der Tourismusbranche,  mehr und mehr die Urlaubspläne der Menschen. Wie wirkt sich das auf den Urlaub am Bauernhof aus?

Astrid Schoberer: Sehr positiv, die Buchungssituation ist absolut erfreulich. Wir spüren einen starken Aufwind, der allerdings nicht nur mit den steigenden Sicherheitsbedürfnissen zu tun hat. Bei unseren Messeauftritten ist auch immer wieder zu erkennen gewesen, dass die Sehnsucht nach Natur steigende Tendenz zeigt. Zusätzlich wollen auch immer mehr Eltern ihren Kindern in den Ferien zeigen, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie entstehen.

NL: Was sind die Renner der bevorstehenden Hochsaison?

Schoberer: Einerseits die Almhütten in allen Variationen zwischen höchst komfortabel und ganz einfach und andererseits der lebende Bauernhof, wo eben speziell Kinder hautnah erleben können, wie er funktioniert. Dabei spielen natürlich Tiere eine sehr wichtige Rolle.

NL: Wirkt sich dieser neue Schwung auf dem Markt auch auf die Zahl der Mitgliedsbetriebe aus?

Schoberer: Wir waren zuletzt leider einige Jahre lang im Verein mit Rückgängen konfrontiert, jetzt hat sich die Situation wieder stabilisiert und wir hoffen, dass die neuen Chancen für den ,Urlaub am Bauernhof‘ wieder neue Betriebe dazu bringen, dieses viel versprechende Standbein zu nützen. Wofür es übrigens auch gute Förderungen gibt.

NL: Was spricht denn aus Ihrer Sicht – abgesehen von der steigenden Nachfrage – besonders dafür, zum Urlaubs-Hof zu werden?

Schoberer: Wie wir wissen, ist es bei leider nicht wenigen Produkten  auf den Märkten mit den Preisen äußerst eng geworden. Beim ,Urlaub am Bauernhof‘ kann man die Preise selbst bestimmen – wenn die Qualität auch passt! Unsere Erfahrungen zeigen, dass bis zu rund 30 Prozent des Betriebseinkommens über diese Schiene zu erwirtschaften sind. Das sichert natürlich auch Arbeitsplätze …

NL: … von denen wir allerdings wissen, dass sie sehr zeitintensiv sind.

Schoberer: Vor allem für die Bäuerinnen ist das zweifellos mit erheblichen Belastungen verbunden. Aber die Gastlichkeit ist auch, wie ich sehr oft von Mitgliedsbetrieben zu hören bekomme, mit vielen schönen Seiten verbunden. Es entstehen auf diese Weise  allerlei äußerst positive Erfahrungen und wichtige Kontakte. Ein Hinweis dazu ist auch die Tatsache, dass im vergangenen Jahr Menschen aus über 40 Nationen auf diese Weise Urlaub gemacht haben. Wir erleben also Multikulti auf steirischen Bauernhöfen.

NL: Welche Bedeutung hat der ,Urlaub am Bauernhof‘ in der Steiermark in Zahlen?

Schoberer: Im ganzen Land bieten fast 1600 Betriebe mit etwa 16.000 Betten ,Urlaub am Bauernhof‘ an. Wir konnten im Tourismus-Jahr 2016 genau 145.031 Ankünfte und 563.336 Nächtigungen zählen. Damit leistet ,Urlaub am Bauernhof‘ einen Beitrag von 4,8 Prozent zu den gesamtsteirischen Nächtigungen.

NL: Welche wirtschaftlichen Impulse sind mit diesen beeindruckenden Bilanzen verbunden?

Schoberer: Damit ist es gelungen, im ländlichen Raum ein Gesamtumsatz von rund 54 Millionen Euro zu erzielen. Von dem ist etwa die Hälfte, also 27 Millionen Euro, auf den Bauernhöfen verblieben.

Zur Person

Astrid Schoberer ist in Weiz geboren und hat an der Universität Graz Betriebswirtschaft studiert. Nach einigen Jahren im Tourismusverband Weiz wechselte sie 1997 – also vor 20 Jahren – in die Landwirtschaftskammer Steiermark als Referentin und Geschäftsführerin des Landesverbandes „Urlaub am Bauernhof“.

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