„Wir müssen noch kreativer werden!“

Die Erwerbsobstbauern rüsten zum großen Verbandstag. Geschäftsführer Wolfgang Mazelle über deren große Herausforderungen.

 

NEUES LAND: Der Verbandstag hat eine schwierige Aufgabe zu bewältigen. Einerseits gilt es, die Erwerbsobstbauern aus einer tiefen Stimmungskrise zu führen, andererseits stehen wichtige Weichenstellungen an. Wie kann das gelingen?

Wolfgang Mazelle: Wir setzen auf die Referate von zwei Fachleuten, die uns Know-how vermitteln sollen, wie man einerseits nach schweren Zeiten wieder neue Kraft schöpfen und andererseits auch Betriebe erfolgreich restrukturieren kann. Und wir gehen offensiv an die Schlüsselfragen der steirischen Erwerbsobstbauern heran.

 

NL: Und die sind aus Ihrer Sicht?

Mazelle: Wir müssen es trotz gegenteiliger Tendenzen schaffen, unsere Kräfte zu bündeln. Wir haben uns der Frage zu stellen, wie wir zusätzliche, neue Wege der Vermarktung finden. Und wir stehen vor der ganz großen Herausforderung, den Erwerbsobstbau in der Steiermark mit aufwändigen technischen Maßnahmen an geänderte Rahmenbedingungen durch die Klimaveränderung anzupassen.

 

NL: Wie kann es denn gelingen, die Kräfte zu bündeln?

Mazelle: Ich kann gut verstehen, dass es in so schweren Zeiten immer wieder unterschiedliche Auffassungen gibt. Dennoch muss jeder wissen, dass uns im großen nationalen und internationalen Wettbewerb in erster Linie Geschlossenheit und Stärke weiterhelfen kann?

 

NL: Und in zweiter Linie?

Mazelle: Wir müssen noch kreativer werden – ganz besonders in Sachen Vermarktung. Da gilt es in Zukunft noch mehr Emotionen und noch mehr die heimische Dimension zu transportieren. Andere machen es uns vor, wie das geht.

 

NL: Gibt es dazu auch konkrete Vorstellungen?

Mazelle: Eine ganz große Chance in diesem Zusammenhang ist die Nähe zum Kunden bei der Direktvermarktung. Da sollten wir mit neuen Ideen noch mehr Engagement entwickeln – aber dabei nicht darauf vergessen, dass der Lebensmitteleinzelhandel natürlich weiterhin für uns eine zentrale Rolle spielen wird.

 

NL: Wie können sich die steirischen Erwerbsobstbauern den Klimaveränderungen stellen?

Mazelle: Darauf gibt es eine ganz klare Antwort: Wir müssen dringend Produktionssicherheit garantieren und deshalb sicherstellen, dass in Zukunft etwa 80 Prozent unserer Flächen über Bewässerungsanlagen verfügen. Es wird notwendig sein, auf gleich drei Szenarien richtig zu reagieren – nämlich Trockenheit, extreme Hitzesituationen, aber auch – wie im vergangenen Jahr – Frost. Und es gilt der Allgemeinheit klar zu machen, dass wir nicht die Verursacher des Klimawandels aber die am stärksten davon Betroffenen sind. Deshalb kann man uns mit der Lösung dieser gewaltigen Probleme nicht alleine lassen!

 

NL: Wie konkret soll eine solche Bewässerungs-Offensive aussehen?

Mazelle: Wir sind gefordert Wasserspeicher zu bauen und auf diese Weise das kostbare Nass von Flüssen und Bächen länger im eigenen Land zu behalten, damit wir im Fall des Falles rasch darauf zurückgreifen können. Speicher könnten Teiche und kleine Seen sein – also geht es durchaus auch um eine Bereicherung des Landschaftsbildes.

 

NL: Wie stehen die Chancen dafür?

Mazelle: Es gibt keine Alternative dazu!

 

Verbandstag

Der Verbandstag der Steirischen Erwerbsobstbauern findet am 19. Jänner mit Beginn um 16.00 Uhr im Bildungszentrum für Obst- und Weinbau in Silberberg statt. Referate halten Bärbel Pöch-Eder („Innehalten, Kraft schöpfen und mit mentaler Stärke weiter gehen“) und Alois F. Geyrhofer („Erfolgreich restrukturieren und sanieren“).

Foto: Chibici

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