Wintertagung des Ökosozialen Forums

„Billige Nahrungsmittel gehen immer auf Kosten von Mensch oder Tier. Jedem muss klar sein: Wer billig kauft, hat auch Umweltzerstörung, Gentechnik oder Tierleid im Einkaufswagen. Klar ist, dass unsere Betriebe im Preiskampf mit Billigimporten aus dem Ausland nicht bestehen können. Diese Produkte können aber wiederum nicht mit unseren mithalten, wenn es um die Qualität und Nachhaltigkeit geht. Was wir tun können, ist sicherzustellen, dass immer österreichische Produkte zur Wahl stehen. Bei einigen Produktgruppen hat man diese Wahl nicht: Bei Puten etwa liegt der Selbstversorgungsgrad bei 35 Prozent, 1995 lag dieser noch bei 60 Prozent. Hier gibt es Potenzial. Diese Lücke müssen wir schließen. Damit schaffen wir nicht nur Wertschöpfung im eigenen Land, sondern vermeiden den Import von Tierleid. Das ist ökosoziales Wirtschaften“, so der Präsident des Ökosozialen Forums Österreich Stephan Pernkopf anlässlich der Wintertagung 2016.

„Unser Mehrwert ist die Qualität“, betont auch Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter. „Für die kleinstrukturierte bäuerliche Landwirtschaft in Österreich macht es keinen Sinn, sich am globalen Wettkampf um die größten Mengen und den kleinsten Preis zu beteiligen. Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Spezialprodukten steigt ständig. Die Konsumentinnen und Konsumenten sind durchaus bereit, dafür mehr zu bezahlen, etwa für Heumilch, Bioprodukte oder regionale Spezialitäten. Das zahlt sich auch für die Bäuerinnen und Bauern aus“, so Rupprechter. Das beste Beispiel dafür seien die AMA-Gütezeichen. Durch Qualitätszuschläge sowie Herkunfts- und Markenprogramme können AMA-Gütesiegelbetriebe durchschnittlich Mehreinnahmen von 5000 Euro erzielen. Insgesamt ergibt sich für den gesamten Sektor ein geschätzter Mehrwert von 75 Millionen Euro.

Die Wintertagung des Ökosozialen Forums widmete sich heuer der Frage, wie die österreichischen land- und forstwirtschaftlichen Betriebe auf den Märkten von morgen auf nationaler, europäischer und globaler Ebene bestehen können. Fakt ist, dass beim Griff ins Regal auch über die Produktionsbedingungen im Inland und über die Zukunft der heimischen Landwirtschaft entschieden wird.

„Ich bin davon überzeugt, dass eine faire Kennzeichnung der Schlüssel zur Transparenz ist“, ergänzt die Präsidentin des Ökosozialen Forums Europa Elisabeth Köstinger, „wir können in Österreich die Käfighaltung bei Legehennen verbieten. Aber was nützt uns das, wenn genau solche Käfigeier beispielsweise aus der Ukraine trotzdem am heimischen Markt verkauft werden, weil es in verarbeitenden Produkten keine echte Herkunftskennzeichnung gibt?“ Aktuell werden 43 Prozent der weltweit produzierten Eier nach wie vor in Käfigsystemen produziert und noch immer werden via Entwicklungsbanken öffentliche Mittel für Produktionsweisen in Drittstaaten bereitgestellt, die in der EU verboten sind.

„Österreichs Bauern erzeugen im internationalen Vergleich einzigartige Spitzenqualitäten. Sie wollen jedoch neben der hohen Wertschätzung auch eine entsprechende Wertschöpfung erreichen. Dafür muss rasch ein Maßnahmenpaket geschnürt werden, damit die Bauern, die am Beginn der Wertschöpfungskette stehen, nicht draufzahlen. Kurz zusammengefasst geht es darum: Verwaltung vereinfachen, Steuer auf Treibstoff senken, durch den Klimawandel enorm gestiegenes Risiko absichern und Herkunft der Lebensmittel bis zum Konsumenten erkennbar machen“, so LK Österreich-Präsident Hermann Schultes abschließend.

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