Wilde Gewitter wüteten

Heftige Unwetter haben am vergangenen Wochenende eine Spur der Verwüstung durch Teile der Steiermark gezogen und auch wieder in der Landwirtschaft schwerste Schäden angerichtet.

Die Hitzewelle der vergangenen Woche hat sich am Wochenende in schwersten Gewittern entladen – Wassermassen, Hagelschlag und Stürme wüteten in einem erschreckenden Ausmaß: In insgesamt 16 Gemeinden  musste Katastrophenalarm ausgerufen werden, Hunderte Feuerwehrmänner aus dem ganzen Land waren zum Teil Tag und Nacht im Einsatz, um Menschen zu evakuieren, Verklausungen frei zu machen, Schlamm- und Geröllmassen zu bändigen und schließlich auch, um bei Aufräumungsarbeiten zu helfen. Durch die Unwetter wurden auch viele Straßen schwer im Mitleidenschaft gezogen und werden wohl für längere Zeit nur eingeschränkt oder gar nicht passierbar sein. Am schlimmsten erwischt hat es die Straßen über den Sölkpass, sie wurde auf einer Länge von rund 100 Metern total zerstört und wird wahrscheinlich erst im nächsten Jahr wieder zur Verfügung stehen. Allein dort dürfte der Schaden bei 4,5 Millionen Euro liegen.

Landwirtschaft

Einmal mehr kam es auch zu massive Schäden in der Landwirtschaft. Vor allem Grünland und Ackerkulturen wurden durch Hagel und Überschwemmungen schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nach ersten Schätzungen der Österreichischen Hagelversicherung sind landwirtschaftliche Flächen im Ausmaß von rund 10.000 Hektar betroffen. Die Höhe des Gesamtschadens dürfte bei rund einer Million Euro liegen. Betroffen von Zerstörungen im Bereich der Landwirtschaft sind die Bezirke Murtal, Murau und Liezen, aber auch Bruck-Mürzzuschlag, Deutschlandsberg, Weiz und Leoben.

Im ganzen Land spielten sich dramatische Szenen ab. Einige Beispiele: In Flatschach im Bezirk Murtal sorgten die Wassermassen des Flatschacher Baches nicht nur für großräumige Überschwemmungen, sondern rissen auch ein mit zwei Personen besetztes Auto mit. Feuerwehrkräften gelang es schließlich mit Hilfe so genannter Streckleitern beide Leute unversehrt aus dem Fahrzeug zu bergen. In Kobenz hat ein angeschwollener Bach Bach gleich 15 Autos von ihren Parkplätzen gespült. In Leoben hatte ein Blitz in den Turm der Waasenkirche eingeschlagen – es kam zu einem Brand in der Kirchturmspitze, den Einsatzkräften unter Verwendung einer Drehleiter erfolgreich bekämpfen konnten. Bei Gröbming konnte selbst das große Rückhaltebecken an der Kammspitze die Wassermassen nicht mehr fassen. In Sölk wurde der Ortsteils Fleiß überflutet, was schließlich zu zahlreichen Evakuierungen führte.

Großartigen Einsatz zeigten in den Katastrophengebieten Freiwillige Feuerwehren aus dem ganzen Land. Unter anderen halfen viele Feuerwehrleute aus den Bezirken Graz-Umgebung und Südoststeiermark bei den Aufräumarbeiten. Noch am Sonntag startete auch das Bundesheer einen breit angelegten Assistenzeinsatz: Der Baupionier- und Katastrophenhilfeeinsatzzug der Stabskompanie des Militärkommandos ist nach in Öblarn ausgerückt. Wenig später kam eine Pionierkompanie mit schwerem Gerät aus Villach in den Bezirk Liezen, die wichtige Spezialaufgaben übernahm. Es galt, Hänge zu stützen, Verklausungen zu entfernen und Behelfsbrücken zu bauen. Aufgrund des enormen Ausmaßes der Schäden wird von einer mehrwöchigen Hilfe des Bundesheeres ausgegangen.

Lokalaugenschein

Landesrat Hans Seitinger zeigte sich bei einem Lokalaugenschein vor Ort vor allem tief betroffen davon, dass schon wieder auch die Landwirtschaft zum Opfer von Extremwetter-Situationen geworden ist und war sehr beeindruckt von den gewaltigen Leistungen der Einsatzorganisationen. Seitinger, in der Landesregierung auch verantwortlich für den Hochwasserschutz: „Jede Naturkatastrophe ist eine Lehrstunde. Hätten wir keine Schutzbauten gehabt, wäre es noch viel schlimmer gekommen.“ Das bestätigte unter anderen auch Bürgermeister Hannes Schmidhofer von Oberwölz: „Ohne Schutzbauten wäre es zu einer unvorstellbaren Katastrophe gekommen.“

16 Katastrophen-Gemeinden

Bezirk Murau

Niederwölz, Oberwölz, Schöder, St. Peter am Kammersberg

Bezirk Murtal

Pölstal, Unzmarkt-Frauenburg, St. Georgen ob Judenburg, Hohentauern, Spielberg, St. Marein-Feistritz, Kobenz

Bezirk Liezen

Irdning-Donnersbachtal, Öblarn, Sölk

Bezirk Leoben

Radmer an der Stube

Bezirk Weiz

Gasen

 

 

Foto: kk

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentieren

*