Wer Risiko nahm, ist besser dran

Pessimisten sprechen bereits davon, dass sich die Wetterextreme des Jahres 2013 heuer in der Steiermark wiederholen werden. Damals, Ende März, gab es Temperaturen wie im Eiskasten. Es hatte minus drei Grad und es schneite. Zu Pfingsten 2013 gab es schwere Gewitter.

Und heuer? Der ungewöhnlich warme April brachte die Bauern schon deutlich früher als sonst mit ihren Maschinen auf die Felder. Doch im Mai war es ganz anders. Heftige Regenfälle, Stürme und teilweise zu niedrige Durchschnittstemperaturen sorgten bei vielen Bauern für ein Stirnrunzeln. Und jetzt gibt es seit einer Woche extrem heißes Wetter, sodass man sich die Frage stellen muss, ob es für die Landwirtschaft schon wieder zu trocken ist.

Arno Mayer und Reinhold Pucher, Pflanzenschutzexperten der steirischen Landwirtschaftskammer, winken ab. Wegen der extrem heißen Temperaturen in den vergangenen Tagen mit bis zu 34 Grad ist noch keine Panik angesagt, die Probleme liegen heuer ganz woanders.

Alle, die Mitte April angesetzt haben, freuen sich über eine passable Bestandsentwicklung. Es gab keinen Spätfrost. Die Kulturen beim Mais und Kürbis beginnen sich bereits zu schließen und schützen den Boden vor Austrocknung. Wer allerdings erst Anfang Mai seine Felder bestellt hat, haderte mit der dann beginnenden kalten, nassen Wetterphase. Dadurch gab es massive Aufgangsprobleme.

Dazu kommt – und das macht das heurige Jahr so schwierig – der außergewöhnliche Schädlingsbefall. Schädlinge wie der Drahtwurm, die Saaten- oder Wurzelfliege, die Erdraupe, aber auch die Schnecken setzen den Kürbissen, dem Mais und den Erd-äpfeln enorm zu. Davon betroffen sind zumindest 6000 Hektar Kürbis und 15.000 Hektar Mais.

Viele Kürbisbauern versuchten darauf zu reagieren und setzten ein zweites Mal an. Aber gerade diese zweite Anbauwelle fiel in den nasskalten Mai. Die Bestände entwickelten sich verhalten. Nicht weil es zu trocken ist, sondern weil dicht lagernde Böden das Auflaufen und die Durchwurzelung erschweren.

Sehr schöne Ernten wird es heuer beim Wintergetreide geben. „Wir erwarten zum Beispiel bei der Wintergerste bis zu 9000 Kilo. Das ist ein fantastischer Wert“, sagt Reinhold Pucher. Dagegen ortet er bei Soja und Hirse große Probleme.

Und wie sehen es die Bauern? Viele sind verzweifelt, weil sie zum Beispiel bei Kürbis heuer schon zum zweiten Mal nach 2013 mit großen Ernteausfällen rechnen müssen. Andere so wie Franz Reczek aus Wundschuh nehmen es eher gelassen: „Die Natur ist nun einmal so. Beim Wetter können wir Bauern nicht eingreifen.“

 

„Generell sind wir heuer drei Wochen früher dran als sonst. Noch gibt es in der steirischen Landwirtschaft keine Hitzeschäden.“

Arno Mayer, Landwirtschaftskammer

 

„Panik ist nicht angesagt, aber viele Kürbisbauern sind schon am Verzweifeln, weil sie auch im Vorjahr große Probleme hatten.“

Reinhold Pucher, Landwirtschaftskammer

 

Foto: Brodschneider

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