Wenn Pfarren auferstehen

Zu Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu Christi. Es gibt auch Pfarren, die wie tot waren, jetzt aber wieder lebendig sind. Sie jammern nicht über Rückgänge, sondern fördern neues Wachstum. Der Pfarrer einer solchen auferstandenen Pfarre besucht nun erstmals Österreich.

03-Father-Michael-WhiteViele Trends aus den USA haben bei uns Fuß gefasst. Auch Pfarren könnten sich von amerikanischen Kirchen inspirieren lassen. Der katholische Pfarrer Michael White von der „Church of Nativity“ in Baltimore, der beim Innovationsforum PfinXten 2015 erstmals in Österreich sein wird: „Wenn man wachsen will, warum soll man sich dann nicht an erfolgreichen Beispielen orientieren?“ Beim Change-Prozess seiner Pfarre standen Kirchenfremde im Mittelpunkt, Menschen, die nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen, die aber offen für eine lebendige Gemeinschaft, sind für spirituelle Kraftquellen und für soziales Engagement. „Sind Sie das erste Mal hier?“ Das fragte mich freundlich eine Dame am Eingang der Kirche von Pfarrer Michael White. Als ich bejahte, folgte die schlichte Frage: „Brauchen Sie Informationen?“ Hätte ich verneint, wäre ich unbehelligt geblieben. In meinem Fall erläuterte sie mir, wo ich was finden könne und wie das Programm an diesem Sonntagvormittag aussehe.

Später erfuhr ich, dass das Willkommensteam der Pfarre aus sorgfältig ausgewählten und intensiv geschulten Ehrenamtlichen besteht. Denn die paar Sekunden dieser scheinbar simplen Begrüßungszeremonie entscheiden, ob ein neuer beziehungsweise kirchenfremder Besucher sich wohlfühlt oder nicht. Was dem einen zu aufdringlich ist, wirkt auf die andere kühl. Daher sind nur Menschen für diesen Dienst geeignet, die auf den ersten Blick erspüren können, welcher Grad an Emotionalität für die jeweilige Person angemessen ist. Pfarrer White betont, dass es oft lange dauerte, für diesen und andere Dienste die richtigen Leute zu finden. Es begann mit zwei Frauen, jetzt hat das Willkommensteam über 20 qualifizierte Mitglieder.

Davon lernen?

Viele Pfarren hierzulande sagen auch: „Alle sind willkommen“, aber die Menschen erleben es schlicht anders. Sie spüren oft durch Kleinigkeiten, dass sie eigentlich nicht dazu gehören. Vorwurfsvolle Blicke, wenn ein Kind laut ist oder wenn jemand nicht weiß, wann er aufstehen soll. Wer kennt das nicht? Bei der Pfarre von Pfarrer White haben sich der Gottesdienstbesuch, die Zahl der Engagierten und das Spendenaufkommen vervielfacht. Dazu gehören viele kleine Elemente, die insgesamt zu mehr Leben geführt haben, wie gute Musik, lebensnahe Predigten und eine spürbare Kultur der Freundschaft. Wie so ein Weg für jede Pfarre möglich ist, darüber tauschen sich auferstandene Pfarren international aus. Sie stellen ihre Erfahrungen allen zur Verfügung, die nicht nur jammern, sondern konkret etwas ändern wollen.

Pastoralinnovation

02-Plank43Georg Plank hat 25 Jahre lang in der Diözese Graz-Seckau viele innovative Projekte umgesetzt und war viele Jahre auch Kommunikationschef der Diözese. Seit mehreren Monaten ist er international und überkonfessionell mit seinem Beratungsunternehmen „Pastoralinnovation“ tätig. Im Rahmen einer „Kundschafterreise“ besuchte er innovative Kirchen in den USA. Er wollte herausfinden, warum diese Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen qualitativ und quantitativ wachsen. Die Erkenntnisse fließen laufend in die Programme von Pastoralinnovation ein.

PfinXten 2015: Spirit mit IMPACT

Beim ersten Forum für Innovation von 25. bis 27. Mai 2015 im Stift St. Georgen am Längsee treffen sich Führungskräfte kirchlicher Organisationen und erfolgreiche Innovatoren aus dem In- und Ausland zu Begegnung und Austausch. Den Hauptvortrag beim Forum für Innovation hält der katholische Pfarrer Michael White von der „Church of Nativity“ in Baltimore (siehe oben), die mit einem eher einfachen Innovationsprogramm die Zahl der Gottesdienstbesucher vervielfacht hat. www.pastoralinnovation.at

Zehn Tipps für neue Wege:

  1. Jesus in die Mitte stellen: Jeder kann Jesus kennen lernen und entdecken, dass seine Botschaft topaktuell ist.
  2. Keine Angst vor dem Schnitt:Wer im Herbst gute Früchte ernten will, muss seinen Baum im Frühling durchforsten!
  3. Alles sein, nur nicht langweilig: Christ sein ist spannend, oft ein Abenteuer, manchmal riskant und im Extremfall lebensgefährlich.
  4. Weniger tun, das aber glaubwürdig: Nichts wirkt so abstoßend wie Heuchelei. Lieber Fehler machen und dazu stehen als Perfektion vortäuschen. Das ist glaubwürdig.
  5. Vollmacht und Kompetenz: Wer nur auf Amtsautorität setzt, hat schon verloren. Pfarren, die Freundlichkeit, Offenheit und Fachkenntnis ausstrahlen, sind auch für Kirchenfremde attraktiv.
  6. Ärmel aufkrempeln für das Gute: Dazu sind viele Menschen, Vereine oder Unternehmen bereit, wenn es eine begeisternde Vision und faire Rahmenbedingungen gibt.
  7. Hinaus auf den Markt gehen Konkurrenz belebt die Sinne. Die Frohe Botschaft verdient zeitgemäße Methoden!
  8. Teil eines größeren Ganzen sein: Nur wo sich der Einzelne als Glied eines Leibes begreift, sind mehr Wirkungen möglich. Das können Pfarren von guten Sportteams oder erfolgreichen Firmen lernen.
  9. Das Feuer nähren: Begeisterung und Wertschätzung kosten kein Geld, sind aber die entscheidenden Motivatoren, wie Hirnforscher beweisen.
  10. Kreativ sein, humorvoll bleiben: Christen betrachten Innovationen als Landeplätze des Heiligen Geistes, der von Angst befreit, gute Ideen eingibt und Mut zur Umsetzung schenkt.

 

„Neue Wege, kreative Methoden“

Das alles erfordert „neue Wege, kreative Methoden, andere Ausdrucksformen, aussagekräftigere Zeichen und Worte reich an neuer Bedeutung für die Welt von heute“, sagt Papst Franziskus. Na dann!

 

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