Wenn das Essen krank macht

Lebensmittelunverträglichkeiten sind in aller Munde. Viele Leute sind ob ihrer Beschwerden verunsichert. Eine Abklärung hilft.

Ob alle Lebensmittelintoleranzen wirklich im Vormarsch sind, lässt sich nicht so einfach beantworten. Fest steht aber, dass sich beispielsweise der Einsatz von Fruchtzucker – einer der Beschwerdeauslöser – in industriell gefertigten Nahrungsmitteln deutlich erhöht hat. Eine Unverträglichkeit ist klar von einer Allergie zu unterscheiden. „Im Fall einer Allergie reagiert das Immunsystem, während es bei einer Intoleranz-Reaktion nicht beteiligt ist“, erklärt Allergologe Peter Komericki. Zu den häufigsten Ursachen einer Intoleranz zählen Milchzucker, Fruchtzucker und Histamin.

Frage der Dosis

„Während bei einer Allergie bereits kleine Mengen des Allergens eine schwere Reaktion auslösen können, ist eine Intoleranz dosisabhängig“, sagt der Experte. Wie viel Milch jemand verträgt, ohne Beschwerden zu bekommen, ist bei Betroffenen unterschiedlich. Bei einer Laktose-Unverträglichkeit liegt ein Mangel des Enzyms Lactase vor. „Es sorgt für den Abbau von Milchzucker im Dünndarm und verliert im Laufe des Lebens an Aktivität“, erklärt Komericki. Bei einer Fruktose-Unverträglichkeit gelangt der Fruchtzucker aufgrund einer Transportstörung in den Dickdarm und verursacht Völlegefühl, Blähungen und Übelkeit. Fruktose- und Laktose-Intoleranz können über einen Atemtest nachgewiesen werden.

Bei einer Histamin-Unverträglichkeit sind die für den Abbau zuständigen Enzyme nicht ausreichend vorhanden. Das Histamin gelangt über den Darm ins Blutsystem und kann unter anderem Juckreiz, Hautausschläge und Atembeklemmung auslösen.

Ernährungstipps

Abgesehen von der Einnahme von Präparaten, deren Enzyme bei der Aufspaltung der Stoffe helfen, ist die Änderung von Ernährungsgewohnheiten bei Unverträglichkeiten oberstes Gebot. Ein Beschwerdetagebuch unterstützt dabei.

„Die Auslöser sollten nie ganz eliminiert, sondern nur auf ein erträgliches Maß reduziert werden“, sagt Diätologin Silke Birnhuber. Obst ist gekocht und am Vormittag konsumiert verträglicher. Genießt man Früchte – vor allem Beeren – mit einem Teelöffel Traubenzucker, verbessert das die Aufnahme. Bei Laktose-Intoleranz empfiehlt Birnhuber laktosefreie Milchprodukte. Tomaten, Erdbeeren, Nüsse, Hartkäse, Rohwürste, Rotwein, Sauerkraut, Spinat – sie alle enthalten Histamin. „Histaminhältige Speisen sollten so frisch und naturbelassen wie möglich konsumiert und nicht aufgewärmt werden.“

Psyche

Die Psyche kann bei Lebensmittelunverträglichkeiten auch eine Rolle spielen. Wenn Betroffene in Studien glaubten, Histamin zu sich zu nehmen, bekamen sie Beschwerden, obwohl sie ein Placebo ohne Histamin bekommen hatten. Umgekehrt hatten sie keine Beschwerden, wenn ihnen gesagt wurde, sie bekämen ein Placebo und in Wahrheit aber Histamin zu sich nahmen.

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