Wenn Albträume wahr werden

Das Kriseninterventionsteam (KIT) rückt dann aus, wenn Unvorstellbares zu bewältigen ist. Oft auch auf steirischen Bauernhöfen.

Wenn schwere Schicksalsschläge, Katastrophen, Unfälle und Tragödien aller Art Menschen zur Verzweiflung bringen, steht in der Steiermark eine ganz besondere Hilfe bereit: Akutbetreuerinnen- und Betreuer des Kriseninterventionsteams (KIT) geben Menschen in ausweglos erscheinenden Notsituationen Rückhalt und Orientierung. Schon seit vielen Jahren sind sie aus den berührenden Szenen von großen und kleinen Tragödien dieses Landes sowie traumatischen Ereignissen, die jenseits unserer Vorstellungskräfte liegen, nicht mehr wegzudenken. Sie stehen Opfern bei, trauernden Angehörigen oder auch Leuten von Einsatzorganisationen, die bei ihren Tätigkeiten mit Situationen und Bildern des Grauens konfrontiert waren.
Entstanden ist die KIT-Idee im Jahr 1998, als die damalige Landeshauptfrau Waltraud Klasnic nach dem schrecklichen Grubenunglück von Lassing gemeinsam mit der heutigen Primaria an der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie am LKH Graz Süd-West, Katharina Purtscher-Penz, sowie dem Psychotherapeuten Edwin Benko nach Möglichkeiten suchte, den verzweifelten Angehörigen professionelle Hilfe anzubieten. Aus dieser spontanen Initiative ist mittlerweile eine Institution entstanden, die längst im In- und Ausland große Anerkennung findet. Vielfach wird darüber nachgedacht, ähnliche Institutionen auf die Beine zu stellen. Unter der Regie von Benko (operative Leitung) und Purtscher-Penz (wissenschaftliche Leitung) sind beim KIT mittlerweile über 400 hoch qualifizierte Akutbetreuer rund um die Uhr ehrenamtlich im Einsatz.

Netzwerk

KIT ist zu einem großen, stabilen Netzwerk geworden, in dem die permanente Ausbildung der Teammitglieder ebenso eine Schlüsselrolle einnimmt, wie die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen, die nicht selten auch selbst an ihre persönlichen Grenzen gelangen. Es gilt, so Benko, „trotz der emotional fordernden Tätigkeit psychisch gesund zu bleiben!“
KIT hat gerade in letzter Zeit wieder sehr oft auch bei Krisensituationen in bäuerlichen Familien geholfen. Harald Fuchs, Bezirkskoordinator für die Südoststeiermark, schätzt, dass in seinem Verantwortungsbereich im vergangenen Jahr „zumindest ein Drittel aller Fälle tragischen Bezug zur Landwirtschaft“ hatte. Da ein folgenschwerer Traktor-Unfall, dort der Sturz in eine Güllegrube oder das tödliche Ende von Holzarbeiten. Bisweilen geht es aber auch um Beistand, wenn Schreckensbotschaften überbracht werden, wie erst jüngst, als eine bäuerliche Familie erfahren musste, dass der Sohn nicht aus dem Urlaub heimkehren wird.

Unterstützung

Für Harald Fuchs haben die KIT-Einsätze im ländlichen Raum eine besondere Qualität: „Es ist wirklich beeindruckend, wie hervorragend da die Nachbarschaftshilfe funktioniert. Es gibt ganz breite Unterstützung, die häufig auch von den Freiwilligen Feuerwehren mitgetragen wird.“ Fuchs weiter: „Auf Bauernhöfen geht es nach Todesfällen nicht zuletzt auch immer wieder um die Frage, wie die Arbeit weiterlaufen kann. Und da finden sich blitzschnell zahlreiche helfende Hände!“
Auskünfte zu KIT: Tel. 03 16/877-58 09

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