Vier Frauen und ein Hof

Unterstützt von ihrer Mutter und ihren Töchtern geht Isabella Kaltenegger neue Wege.

 

Naja, dem klassischen Bild einer Bäuerin entspricht sie ja nicht. Aber dafür ist sie unheimlich innovativ!“ So reden die Leute im Dorf über Isabella Kaltenegger, wenn man sie fragt, was sie von der dynamischen jungen Landwirtin halten, die den traditionsreichen Hubmoarhof in der Gaal gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren beiden Töchtern bewirtschaftet.

Mit dieser Beschreibung treffen sie den Nagel ziemlich genau auf den Kopf: Die traditionelle Vorstellung einer gestandenen Landwirtin bedient die lebhafte Frau wirklich nur sehr bedingt. Zu facettenreich ist die Persönlichkeit – „Ich pflege einen sehr kontrastreichen Lebensstil“, lacht Kaltenegger, die sich ganz offensichtlich an der eigenen Wandelbarkeit erfreut. So fühlt sie sich in Gummistiefeln im Stall oder beim Ansitzen ebenso wohl wie im Cocktailkleid auf städtischem Parkett.

Diese Vielseitigkeit und die Eigenheit, unverkrampft und ganz natürlich unterschiedlichste Rollen auf sich zu vereinen hat sich in den sieben Jahren, seit sie den elterlichen Betrieb übernommen hat, offensichtlich auch auf ihren Hof übertragen:

Auch hier ist es Kalteneggers Bestreben, die Ressourcen und Möglichkeiten, die die Natur ihr zur Verfügung stellen, möglichst umfassend und nachhaltig zu nutzen.

Das wichtigste Standbein des Betriebs stellt die Rinderzucht dar. Spätestens wenn sie anfängt, über die Vorzüge der von ihr gezüchteten Limousin-Rinder zu sprechen, erkennt man: Diese Frau ist Bäuerin mit Leib und Seele – die Begeisterung für ihre Tiere ist unüberhörbar! Leidenschaftlich berichtet sie über die Leichtkalbigkeit und die besondere Fleischqualität ihrer Tiere, und es schwingt eine gehörige Portion Stolz mit, wenn sie schildert, wie die vorhandenen Ressourcen genutzt werden, um die Rinder einzig mit biologischem Futter aus eigener Produktion zu versorgen.

Genauso wenig, wie sich Kaltenegger auf die schwer schuftende Bäuerin in Gummistiefeln reduzieren lässt, gibt sie sich mit dieser einseitigen Nutzung der ihr zur Verfügung stehenden Gaben der Natur zufrieden.

Viel Energie

Neben der Rinderzucht bewirtschaftet sie ebenso erfolgreich wie nachhaltig den betriebseigenen Forstbestand. Hochwertige Hölzer gehen in den Verkauf, mindere Qualität wird als Hackgut zur Beheizung des Betriebs verwendet.

Die Wärmeerzeugung aus Hackschnitzeln war in Bezug auf die Energieerzeugung für Kaltenegger jedoch bestenfalls ein erster Schritt in eine ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Zukunft: Eine Photovoltaikanlage sowie zwei wasserbetriebene Kleinkraftwerke erzeugen CO2-schonenden grünen Strom, wobei das größere der beiden Wasserkraftwerke gemeinschaftlich mit mehreren anderen Landwirten geführt wird.

Einschüchtern lässt sich Kaltenegger jedenfalls nicht: „Bei jedem meiner Projekte hat es anfangs geheißen: ‚Das geht nicht‘, aber ich habe immer Lösungen gefunden, wie es doch geht.“ Und der Erfolg gibt ihr Recht.

Eingespieltes Team

So verwundert es auch nicht, dass sie kein Problem darin sieht, ihren Betrieb ohne Mann an ihrer Seite zu führen. „Für die körperlich schweren Arbeiten steht mir ein Mitarbeiter zur Verfügung. Den Rest schaffen wir Frauen“, sieht sie hier kein Problem. Die Arbeitsbereiche sind klar aufgeteilt: Mutter Herta schupft den Haushalt, mischt sich aber in die Betriebsführung nicht ein. „Wer wirtschaftet, muss freie Hand haben“, sind sich Mutter und Tochter einig.

Auch die Töchter Victoria (12) und Carolina (10) bringen sich mit viel Begeisterung ein: So sind sie gemeinsam bereits stolze Besitzerinnen ihrer eigenen kleinen Hühnerfarm auf dem Hof und sorgen auch sehr umsichtig für ihre Katzen, Hasen und Hamster. Der Berufswunsch ist für beide Gymnasiastinnen schon jetzt klar: Sie wollen später einmal gemeinsam den Hof übernehmen und die Wirtschaft weiterführen. Damit wird der Hubmoarhof wohl in starker Frauenhand bleiben!

 

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